Klage eingereicht

Streit um Ellieröder Glockenschlag geht weiter

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Schlägt tagsüber zu jeder Viertelstunde: Die Turmuhr der Ellieröder Kirche. 

Der Streit um den viertelstündigen Glockenschlag der Kirchenuhr in der Hardsger Ortschaft geht weiter: Nun wurde vor dem Verwaltungsgericht Klage eingereicht.

Nachdem sich die Kirchenmitglieder bei einer Abstimmung zu diesem Thema mehrheitlich dafür ausgesprochen hatten, den bisherigen Rhythmus beizubehalten, wurde jetzt vor dem Verwaltungsgericht Klage eingereicht. „Entgegen der Hoffnung des Kirchenvorstandes kommt nach der Abstimmung keine Ruhe in die Gemeinde“, sagt Kirchenvorstandsvorsitzender Tobias Kreitz. 

Der Kirchenvorstand sei daher mehr als enttäuscht, dass seine intensiven und umfangreichen Bemühungen, dieses Thema durch Gespräche, Vermittlungen und letztlich die Gemeindegliederbefragung zu einem Abschluss zu bringen, nicht auf „fruchtbaren Boden“ gefallen seien. 

„Durch diese Klage sind wir nun wahrscheinlich gezwungen, erheblicher Gelder aufzuwenden, um durch Gutachten ermitteln zu lassen, ob die Lärmgrenzwerte tatsächlich überschritten werden“, betont Kreitz und bedauert, dass jetzt auf dem Rechtsweg versucht werde, das Votum der Mehrheit der Kirchenmitglieder zu kippen. Die Befürworter eines eingeschränkten Glockenschlags hatten im Vorfeld der Abstimmung kritisiert, dass lediglich die Mitglieder der Kirche, nicht aber alle Einwohner der Ortschaft befragt wurden.

„Aus rechtlichen Gründen hatten wir nur die Möglichkeit, unsere Mitglieder zu befragen“, rechtfertigt Kirchenvorstandsvorsitzender Tobias Kreitz die Vorgehensweise der Kirchengemeinde Ellierode-Hettensen bei der Abstimmung über den viertelstündigen Glockenschlag.

Dass der derzeit in Ellierode nicht zu hören sei, liege allerdings nicht an der Klage, sondern sei auf einen Defekt an der Uhr zurückzuführen.

Vorgehensweise könnte inneren Frieden im Dorf belasten

„Wir hätten uns gewünscht, dass der Kläger gewartet hätte, bis die Reparatur der Uhr abgeschlossen ist,“ betont Kreitz. Die Vorgehensweise im Streit um das Geläut werde „den inneren Frieden in Gemeinde und Dorf erheblich belasten“.

Wilfried Schütte, der bereits im vergangenen Jahr den Streit um die Kirchturmuhr mit einer Unterschriftenliste ins Rollen gebracht hatte, weist diesen an ihn gerichteten Vorwurf zurück und betont, dass selbst der Ellieröder Pastor damals zu den 28 Unterzeichnern gehört habe, die rund um die Kirche wohnen und daher besonders betroffen seien.

„Es ging nämlich keinesfalls darum, das Läuten der Kirche zu verbieten“, betont Schütte. Als direkter Nachbar der Kirche habe er nur erreichen wollen, dass der viertelstündige Doppelschlag entfällt. „Den gibt es übrigens erst seit 1998 in dieser Form, und er wurde damals gegen den Willen der Mehrheit eingeführt“, weiß Schütte zu berichten. Von einer alten Tradition könne also gar nicht die Rede sein.

Dass er sich erst jetzt zu Wort melde, liege daran, dass die Lautstärke des Glockenschlags zugenommen habe, vermutlich aufgrund von Abnutzungserscheinungen und weil einige hohe Bäume, die vorher wohl den Schall gedämpft hätten, entfernt worden seien. Schütte berichtet, dass er sein Anliegen in mehreren öffentlichen Kirchenvorstandssitzungen vorgetragen habe.

Auf sein Frage, warum denn der viertelstündliche Glockenschlag in Zeiten von Handys noch so wichtig für die Menschen sei, habe er unter anderem zu hören bekommen, dass man im Winter das Handy nicht aus der Tasche nehmen könne, weil die Finger so kalt seien.

Die Klage als letztes Mittel

Argumentationen wie dieses hätten dann bei ihm zu der Erkenntnis geführt, dass eine sachliche Diskussion über das Thema nicht möglich sei. Insofern sei die Klage jetzt das letzte Mittel, um die Sache zu klären.

Pastor Horst Metje wollte die Klage mit Hinweis auf das schwebende Verfahren auf HNA-Anfrage nicht kommentieren, bestätigte aber, dass er zu den Unterzeichnern der Unterschriftenliste gehört.

Auch er würde die Abschaffung des bisherigen viertelstündigen Glockenschlags begrüßen. Das Votum der Befragung innerhalb der Kirchengemeinde Ellierode-Hettensen müsse er aber akzeptieren.

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