Pro und Kontra zum geplanten Windpark

Windräder am Horizont: So oder so ähnlich würde es aussehen, wenn die Pläne für einen Windpark am Sonnenberg umgesetzt werden. Eine weitere Anlage könnte weiter rechts vor dem Wald entstehen. Foto/Montage: Tschernich/nh

Berka. 50 Bürger diskutierten in der Festhalle Berka mit Experten über Windkraft.

Zu der Veranstaltung hatte die Freie Wählergemeinschaft der Gemeinde Katlenburg-Lindau eingeladen, weil inzwischen zumindest zwei Projektträger dabei seien, sich Flächen für den Bau solcher Anlagen bei Berka und Gillersheim zu sichern. „Unser Ziel ist, dass sich niemand die Augen auskratzt“, sagte Ratsherr Michael Tschernich am Ende der zweistündigen Veranstaltung angesichts der inzwischen in zahlreichen Gemeinde verhärteten Fronten zwischen Befürwortern und Gegner einer Landschaftsverspargelung.

Dass diese Sorge um eine Polarisierung in den Dörfern berechtigt ist, unterstrich der Northeimer Stadt- und Umweltplaner Dirk Puche. Er hält es für sinnvoller, die Planungen für den Bau von Windkraftanlagen auf Landkreisebene zu steuern. „Dann könnten ganze Gemeinde beispielsweise wegen ihres Erholungswertes freigehalten werden.“

Die Gemeinden sind vom Gesetzgeber aufgefordert, substantiell Flächen für Windräder auszuweisen. Für den Landkreis Northeim liegt dieser Wert nach den Worten Tschernichs bei 1,7 Prozent. Das Land Niedersachsen ist dabei der Auffassung, dass der Mindestabstand zur Wohnbebauung nicht mehr als 400 Meter betragen muss, Hessen hält 1000 Meter für die richtige Größe und Bayern die zehnfache Anlagenhöhe. Das heißt, ein 200 Meter hohes Windrad muss mindesten zwei Kilometer vom nächsten Haus entfernt stehen.

Windkraftkritiker Dr. Gerd Busse (Göttingen) vom Bürgernetzwerk-Energiewende Niedersachsen-Hesse befürchtet, dass bei Umsetzung der Ziele durchschnittlich alle sieben Kilometer ein „Industriepark mit zehn Groß-Windrädern“ entsteht, um „eventuell“ gerade ein Viertel der Stromversorgung zu sichern, „falls Wind weht“.

Bei Flaute müsste die Versorgung durch Kohlekraftwerke aufrechterhalten werden, die jedoch wegen der langen Zeiten für das Hoch- und Runterfahren ständig im Hintergrund laufen müssten.

Darüber hinaus kritisierte er die gesundheitlichen Gefahren unter anderem durch Lärm und Infraschall, die optische Bedrängung durch die Größe der Anlagen und das nächtliche Leuchtfeuer sowie die negativen Auswirkungen auf das Landschaftsbild, Rotmilan und andere gefährdete Arten.

Astrophysiker Dr. Klaus Scherer (Gillersheim) bezeichnete als größtes Problem der Windkraft die fehlenden Speichermöglichkeiten für den produzierten Strom.

Der Geschäftsführer der 1993 gegründeten Bürgerwindgesellschaft Diemarden bei Göttingen, Jörg Klapproth, unterstrich, dass mit Bürgerwindrädern die Energiewende vor Ort betrieben würde, damit eine „Demokratisierung der Stromerzeugung“ stattfände und die Wertschöpfung in der Region bleibe.

Derzeit würden die Windräder bei Diemarden Strom für 7500 Haushalte produzieren können.

Kritisch merkte er an, dass derzeit Projektentwickler durch die Lande ziehen, sich Flächen sichern würden und hohe Renditen versprächen. Wilhelm Sonntag, Vorsitzender der Windenergie Schwiegershausen GbR, sprach gar von unrealistischen Versprechungen.

Heute sei der Bau von nur zwei bis drei Anlagen wirtschaftlich nicht mehr darstellbar. „Man muss klotzen, aber goldene Nasen kann man sich nicht verdienen.“ (zhp)

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