Northeimer Mediziner leisten medizinische Hilfe auf den Philippinen

Krasse Fälle in Tacloban

Jost Wetter-Parasie

Tacloban. Häufige Stromsperren und ein teilweise zerstörtes Krankenhaus. Das Leben und die Arbeitsbedingungen für Ärzte sind in der durch den Taifun Haiyan zerstörten philippinischen Stadt Tacloban schwierig. Der Northeimer Allgemeinmediziner Jost Wetter-Parasie und seine Tochter Brita Parasie, die ebenfalls Ärztin ist, sind dort für zweieinhalb Wochen tätig. Im Auftrag der Bundesregierung und der christlichen Organisation Humedica leisten sie ärztliche Hilfe. Auf der Internetseite der Kirchengemeinde Langenholtensen berichten beide tagesaktuell von ihren Erlebnissen.

„Heute haben wir 80 Patienten behandelt“, schreibt Jost Wetter-Parasie beispielsweise am 27. Januar. „Einige krasse Fälle, die wir in Deutschland nicht sehen.“

So berichten beide von einem Kind mit Dengue-Fieber, zahllosen Wurmerkrankungen und vielen Jungen und Mädchen mit offenen Gaumenspalten, unter anderem ein zweijähriges Kind, über das Wetter-Parasie schreibt: „Es kann schlucken. Wird so aber nie sprechen können. Wir haben es auf eine Liste gesetzt und hoffen, einen Chirurgen zu finden, der die vielen Gaumenspalten hier mal in einem Einsatz hintereinander wegoperiert.“

Aber nicht nur die medizinische Arbeit ist anders als in der Heimat, auch die Lebensbedingungen: „Nachdem wir im Haus schon Mäusen und Kakerlaken begegnet sind, sind wir froh über unsere Moskitozelte“, schreibt Brita Parasie. „Diese Nacht spielten die Ratten wieder Kriegen unter unserem Dach“, berichtet ihr Vater zwei Tage später.

Besonders bewegt hat die beiden unter anderem der Fall eines zweijährigen Jungen. Dessen linkes Auge ist durch einen bösartigen Tumor zerstört. Für die notwendige Operation durch einen Spezialisten hat die Mutter kein Geld. Nach zwei Tagen kommt dann die gute Nachricht: Humedica übernimmt die Kosten.

Neben den Sprechstunden in der Klinik, machen die beiden Northeimer Mediziner und eine Ärztin aus Kassel auch mobile Sprechstunden in Dörfern des Umlands. „Zunächst war kein Patient da, als wir aufbauten. Aber kaum 15 Minuten später saßen alle Bänke voll. Wir haben dort 139 Patienten behandelt“, berichtet Wetter-Parasie von einem Einsatz im Dschungel. „Die waren so dankbar, dass wir zu ihnen kamen. Mittags haben sie im Dorfgemeinschaftsraum ein Festessen für uns bereitet.“

Eine Woche ihres Einsatzes ist vorbei. Die Berichte von Jost Wetter-Parasie und Brita Parasie können im Internet weiter verfolgt werden unter www.kirche-langenholtensen.de

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