Eltern sind empört

Unterricht auf dem Flur: In Kreienser Grundschule herrscht Raumnot

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Kuriose Situation: Die Kinder werden teilweise auf dem Flur unterrichtet, da können die Eltern nur den Kopf schütteln.

Kreiensen. Die Eltern sind stocksauer: Seit einem Jahr weist die Grundschule Kreiensen wegen steigender Schülerzahlen die Stadt Einbeck als Schulträger auf Platzprobleme hin.

Diskutiert wurde seitdem vieles. Eine Lösung gibt es allerdings nicht.

In Kreiensen fehlen laut Eltern zwei Klassenräume, zwei Fachräume und zwei Förderräume, Kleingruppenunterricht oder Einzelförderung findet auf kalten, zugigen Fluren statt. „Wir Eltern wollen das nicht mehr so hinnehmen“, erklären Bianca Blank, Barbara Buschhorn, Yvonne Herbst, Denise Langheim, Elisabeth Pretzsch und Oliver Rieger.

Und auch der Schulelternrat appelliert an Rat und Verwaltung, zeitnah einen tragbaren, durchdachten Entschluss zu fassen. „Die diversen Lösungsversuche haben zu Unruhe und Unzufriedenheit bei vielen Familien geführt“, sagt Schulelternrat-Vorsitzende Petra Bohnsack.

„Das Problem wird auf dem Rücken der Schüler ausgesessen, indem die Schulen mit Klassen vollgepackt werden sollen, ohne Fachräume und Ausweichmöglichkeiten“, ärgert sich Petra Bohnsack. „Die Grundschule platzt aus allen Nähten, darunter leiden alle Kinder, besonders die Integrationskinder mit besonderem Unterstützungsbedarf.“

Selbstverständlich müsse jede Investition geprüft werden, verstehen auch die Eltern. Doch immer wiederkehrendes Prüfen von Schülerzahlen, Quadratmetern und Raumbedarf sei für Lehrer, Eltern und Schüler nach einem Jahr „unerträglich belastend“.

Im Schulausschuss sind in den vergangenen Monaten verschiedene Anbau-Varian-ten diskutiert worden, die aus finanziellen oder brandschutztechnischen Gründen nicht realisiert werden. Vorgeschlagene Räume im Kreienser Rathaus seien aus pädagogischen Gründen für Klassenunterricht nicht und für Fachunterricht wie Musik oder Kunst/Werken nur eingeschränkt nutzbar, kritisieren die Elternvertreter.

Zudem gehen für die Wanderung ins Rathaus und zurück 21 Minuten von jeder Unterrichtsstunde verloren, kritisiert die Elternvertretung: „Wir waren fassungslos, als die Verwaltung und Ratsmitglieder in der Schulausschusssitzung Anfang November behauptet haben, es bestehe gar kein Raumproblem, weil die Kinder mit einer Änderung der Einzugsgebiete im Greener Schulgebäude und im Rathaus beschult werden könnten.“ Diesen neuesten Lösungsversuch halten die Eltern für untauglich. Wenn Einzugsgebiete aufgehoben würden, müsse ausgelost werden, welches Kind im Kreienser Schulgebäude oder in dem der Nebenstelle in Greene beschult werde.

„Empörend“ finden die Erziehungsberechtigten das Kostenargument, warum noch keine bauliche Lösung geschaffen wurde. Für fast neun Millionen Euro kaufe die Stadt Einbeck „das überteuerte, mit Altlasten kontaminierte Neue Rathaus.“ Für gut ausgestattete Bildungseinrichtungen als Investition in die Zukunft sei dann kein Geld mehr da.

Das sagt die Bürgermeisterin:

Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek wollte aktuell nichts zu den Raumproblemen sagen, äußerte aber Verständnis für die Unruhe und Unzufriedenheit auf Elternseite. „Wir wollen hier gemeinsam eine dauerhafte und finanzierbare Lösung finden“, erklärte die Rathaus-Chefin auf HNA-Anfrage. Deshalb sei sie zurzeit in Gesprächen innerhalb der Stadtverwaltung und mit der Politik. Möglicherweise lasse sich schon in den nächsten Tagen Genaueres sagen. Einen Termin für die nächste Sitzung des Schulausschusses gibt es bislang nicht.

Von Frank Bertram

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