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Kreis Northeim setzt auf grüne Energie

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Von: Olaf Weiss

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Präsentierten das Klimaschutzkonzept: (von links) Baudezernentin Julia Gottlieb, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Martina Rode (Leiterin des Referats für Klimaschutz und Tourismus) und Irmgard Wolk (Landkreis-Klimaschutzbeauftragte).  
Präsentierten das Klimaschutzkonzept: (von links) Baudezernentin Julia Gottlieb, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Martina Rode (Leiterin des Referats für Klimaschutz und Tourismus) und Irmgard Wolk (Landkreis-Klimaschutzbeauftragte).   © Landkreis Northeim

Der Landkreis Northeim will bis 2045 klimaneutral sein. Für die Kreisverwaltung soll das bereits 2030 gelten.

Landkreis Northeim - Das geht aus dem Klimaschutzkonzept hervor, das Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD) jetzt öffentlich gemacht hat. „Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie wichtig es ist, den Klimaschutz weiter voranzutreiben, betont Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. „Das Konzept knüpft an unsere bisherigen Klimaschutzaktivitäten an.“

Seit Februar 2021 arbeitete die Kreisverwaltung unter der Federführung von Klimaschutzmanagerin Carolin Fornaçon am Klimaschutzkonzept. In der Kreistagssitzung am 8. Juli wurde es einstimmig als Handlungsstrategie beschlossen.

Astrid Klinkert-Kittel Landrätin
Astrid Klinkert-Kittel Landrätin © ROLAND SCHRADER

Unter anderem ist ein deutlicher Ausbau der erneuerbaren Energie vorgesehen, deren Potenzial im Landkreis nicht ausgeschöpft werde. So soll laut Klimaschutzkonzept die Wärmemenge, die mit Wärmepumpen aus der Luft und der Erde gewonnen wird, sich bis 2045 von derzeit 14 auf 140 Gigawattstunden (GWh) verzehnfachen. Eine GWh sind eine Million Kilowattstunden (kWh). Mit 4000 kWh lässt sich mit einer Erdwärmepumpe der Wärmebedarf (Heizung und Warmwasser) eines modernen Einfamilienhauses decken.

Die Stromerzeugung mithilfe von Windkraft soll ebenfalls vervielfacht werden. Betrug die erzeugte Strommenge im Jahr 2019 66 GWh, könnten es in 23 Jahren 562 GWh sein. Dafür müssten die derzeit geplanten Windvorrangflächen nicht einmal voll ausgeschöpft werden. 749 GWh ließen sich dort pro Jahr produzieren, heißt es im Klimaschutzkonzept.

Auch das Potenzial der Energieerzeugung durch Photovoltaik (Strom) und Solarthermie (Wärme) wird laut Klimaschutzkonzept im Landkreis Northeim bisher nur zu einem Bruchteil genutzt. Mit beiden Methoden zusammen würden derzeit 98 GWh erzeugt, möglich wären rund 3000 GWh. Das Ziel für 2045 sind 1774 GWh.

Zu viele sitzen allein im Auto

Im ländlich strukturierten Landkreis Northeim verbrauchen die Einwohner jährlich durchschnittlich mit 17,9 Megawattstunden (MWh) pro Kopf fast doppelt so viel Energie für ihre Mobilität als der Bundesdurchschnitt (9,3 MWh). Eine Megawattstunde sind 1000 Kilowattstunden. Offenbar legt hier der Einzelne größere Strecken zurück als im Bundesdurchschnitt.

Dabei unterscheiden sich die Mobilitätsformen nur unwesentlich. Lediglich der Anteil des „motorisierten Individualverkehrs“ (mit Auto und Motorrad) ist im Landkreis im Vergleich zum Bundesdurchschnitt höher – zulasten des öffentlichen Nahverkehrs (Busse und Bahnen).

Im Landkreis werden 57 Prozent der sogenannten Personenkilometer motorisiert zurückgelegt. Im Bundesdurchschnitt sind es 55 Prozent. Im Landkreis entfallen 17 Prozent auf öffentliche Verkehrsmittel, im Bundesdurchschnitt sind es 19 Prozent. Der Rest verteilt sich im Landkreis und bundesweit zu identischen Teilen auf Fußgänger (drei Prozent), Fahrradfahrer (drei Prozent) und Mitfahrer in Autos und auf Motorrädern (20 Prozent).

Um den auf den Verkehr entfallenden Anteil der Treibhausgasemissionen zu reduzieren, ist laut Klimaschutzkonzept die Einrichtung einer Mitfahrerbörse eine Möglichkeit sowie das Aufstellen weiterer Mitfahrerbänke, wie es sie bereits in acht Städten und Gemeinden des Landkreises gibt.

Außerdem setzt der Landkreis auf Verkehrsverlagerung. Der öffentliche Nahverkehr müsse durch zusätzliche Linien und eine Taktverdichtung verbessert werden. Radfahren soll durch zusätzliche Radwege attraktiver gemacht werden.

Darüber hinaus müsse der Umstieg von Autos mit Verbrennungsmotoren auf Fahrzeuge, die nicht-fossile Brennstoffe (Strom aus erneuerbaren Energien, regenerativer Wasserstoff oder Biokraftstoff) nutzen, attraktiver gemacht werden.

Heizen nur noch mit erneuerbarer Energie

Um die Klimaschutzziele zu erreichen, will der Landkreis eine ganze Reihe Maßnahmen selbst angehen. So ist laut Klimaschutzkonzept vorgesehen, Bürger und Unternehmen durch Broschüren und Seminare über Möglichkeiten der Energieeinsparungen zu informieren. Das Konzept enthält auch Maßnahmen, die kurzfristig (innerhalb von drei Jahren) und mittelfristig (vier bis sieben Jahre) verwirklicht werden sollen. Bei einigen gibt es bereits eine Kostenschätzung. Geplant sind unter anderem:

Kurzfristige Maßnahmen

Mobilität:

- Konzept für den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos im Kreisgebiet, Kosten: 120 000 Euro;

. Erstellen einer Machbarkeitsstudie zum Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs im Kreisgebiet, Kosten 48 000 Euro;

. Überprüfung, an welchen Kreisstraßen Radwegebau vordringlich ist, und Abstimmung von möglichen Routen mit Nachbarlandkreisen, Kosten nicht beziffert.

Kreiseigene Liegenschaften:

. Prioritätenliste für Schulsanierung nach einem Fahrplan, der sich an der Notwendigkeit in Bezug auf Klimaschutz orientieren soll, Kosten nicht beziffert;

. Schulen, die Energie einsparen, sollen einen finanziellen Bonus erhalten.

. Einführung von Neubau- und Sanierungsstandards: Null-Energie-Haus bei Neubauten und KfW-40-Standard bei Sanierungen sollen das Ziel sein (ein KfW-40-Haus braucht nur 40 Prozent der Energie zum Heizen, für Warmwasser; zur Kühlung und Lüftung eines Hauses, das mit Mindeststandard gebaut wird);

. Installation einer Sole-Wasser-Wärmepumpe für das Kreisvolkshochschulgebäude in Northeim, Kosten 550 000 Euro (inklusive Planung);

. Installation von Photovoltaikanlagen auf kreiseigenen Gebäuden in Zusammenarbeit mit der Tochtergesellschaft KEAM des Regionalversorgers EAM.

Erneuerbare Energien:

. Machbarkeitsstudie, ob sich die in den Biotonnen gesammelten Abfällen durch Vergärung energetisch verwerten lassen, Kosten: 40 000 Euro;

Mittelfristige Maßnahmen

Mobilität:

. Umstellung der Dienstwagenflotte der Kreisverwaltung auf Elektrofahrzeuge, Kosten nicht beziffert;

. Umstellung der Lastwagenflotte der Kreisabfallwirtschaft auf alternative Antriebe (beispielsweise Biogas und grüner Wasserstoff, der mithilfe von Photovoltaikanlagen gewonnen wird), Kosten nicht beziffert;

Kreiseigene Liegenschaften:

. Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien (Wärmepumpen, Solarthermie und Biomasseheizungen), Kosten nicht beziffert;

Privathaushalte:

. Entwicklung eines Modellquartiers „Zero Emission“ (ohne Emissionen) als Vorbild fürs Wohnen mit regenerativer Strom- und Wärmeversorgung.

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