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Energiekrise: Kommunen im Kreis Northeim setzen auf Heizungsdrosselung und Photovoltaik

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Von: Axel Gödecke

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Blick ins Northeimer Hallenbad
Das Northeimer Hallenbad soll auch bei Gasknappheit im Winter möglichst offen gehalten werden. © Gödecke, Axel

Die Kommunen im Kreis Northeim bereiten sich auf Energie-Krise vor. Die Planungen reichen bis hin zu Schließungen von Einrichtungen.

Northeim – Die Kommunen im Kreis Northeim wollen vorbereitet sein, sollte es im Winter zum Erdgas-Gau kommen, falls Putin den Gashahn aus Russland ganz abdreht.

Bereits seit Längerem investiere der Landkreis in seine Gebäude, um Energieverbräuche zu senken, heißt es von Landrätin Astrid Klinkert Kittel. Der Wärmeenergieverbrauch sei in den vergangenen 10 bis 15 Jahren um 58 Prozent reduziert worden.

Aktuell seien alle Hausmeister der Kreis-Schulen aufgefordert, während der Ferien alle Geräte, die nicht erforderlich sind, vom Netz zu nehmen. Eine Absenkung der Warmwassertemperatur in den Duschen der Sporthallen sei aufgrund der Vorschriften zur Vermeidung von bakteriellen Verseuchungen jedoch nicht zulässig. Nutzer würden aber angehalten, sparsam mit Warmwasser umzugehen.

Wurde vor ein paar Wochen eingeweiht: Die neue Photovoltaik-Freiflächenanlage auf der Mülldeponie der Kreisabfallwirtschaft in Blankenhagen. Sie versorgt die Deponie mit Strom und liefert auch ins Netz.
Wurde vor ein paar Wochen eingeweiht: Die neue Photovoltaik-Freiflächenanlage auf der Mülldeponie der Kreisabfallwirtschaft in Blankenhagen. Sie versorgt die Deponie mit Strom und liefert auch ins Netz. © Roland Schrader

Bereits jetzt gelte, dass im Winter im Kreishaus eine Maximaltemperatur von 20 Grad nicht überschritten werden soll, sagt die Landrätin. „Sollte es zu einer bundes- oder landesweit angeordneten Temperaturgrenze von 19 Grad kommen, werden wir uns daran orientieren.“ Zudem werde man alle Mitarbeiter auf Möglichkeiten des Energiesparens hinweisen. Mit dem Personalrat sollen Erwartungen verbindlich verankert und in den Büroalltag integriert werden. Die Hausmeister seien zur Energieeinsparung geschult.

Auch die Nutzung alternativer Energien zur Stromerzeugung könne helfen, Gas zu sparen. Deswegen setze der Kreis auch darauf. Im Rahmen eines Pachtmodells mit der Kommunale Energie aus der Mitte GmbH (KEAM) würden seit 2021 Photovoltaik-Anlagen (PV) zur Eigenstromversorgung errichtet. An sechs Schulen seien solche Anlagen mit einer Jahresleistung von 500 000 Kilowattstunden und einem Eigenverbrauch zwischen 44 und 100 Prozent in Betrieb genommen worden. In den kommenden Jahren sollen mindestens neun weitere PV-Anlagen auf Dächern von Schul- und Verwaltungsgebäuden des Kreises errichtet werden.

Auch eine Freiflächen-PV-Anlage auf der Abfalldeponie Blankenhagen laufe seit April 2022 und sichere die Stromversorgung auf der Deponie.

Angedachten Maßnahmen in den Städten und Gemeinden

Northeim

Bereits vor längerer Zeit habe Bürgermeister Simon Hartmann den Auftrag erteilt, Maßnahmen zur Energieeinsparung zu erarbeiten, betont die Stadt Northeim auf HNA-Anfrage zu einem Notfallplan bei Gasknappheit im Winter. Schulleitungen, Ortsbürgermeister und Rat sollen beteiligt werden und Maßnahmen entwickeln. Zur Steuerung sei eine Arbeitsgruppe einberufen worden.

Räume, in denen sich niemand länger aufhalte, wie Flure, Hallen, Foyers, Treppenhäuser und Technikräume, sollen in städtischen Gebäuden nicht mehr beheizt werden, sofern es dafür keine sicherheitstechnischen Anforderungen gebe.

Perspektivisch werde die Stadt all ihre Gebäude energetisch unter die Lupe nehmen. Hierzu würden Fördermittel vom Bund eingesetzt und ein kommunales Energiemanagement etabliert. Damit einher gehe die Schaffung einer Personalstelle, deren Hauptaufgabe es sei, den Energieverbrauch der städtischen Gebäude zu senken.

Hallenbad soll geöffnet bleiben

In dem von der Northeimer Sport und Freizeit GmbH (NomSF) betriebenen Hallenbad Northeim wurden bereits die Wassertemperatur um zwei Grad und die Raumtemperatur reduziert. Das teilte der Sprecher der Stadtwerke Northeim und NomSF, Lars von Minden, mit. 26 Grad im Schwimmerbecken und 28 Grad im Nichtschwimmerbereich seien aber keinesfalls kalt zu nennen.

Ob im Hallenbad weitere Schritte ergriffen werden, werde geprüft. Für die NomSF grundsätzlich von hoher Priorität sei, den Betrieb des Hallenbades auch im Winter aufrechtzuerhalten. Die langen Schließungszeiten durch Corona seien allen noch negativ in Erinnerung. Besonders die Kinder hätten darunter gelitten. Von Minden. „Das darf sich möglichst nicht wiederholen.“ Sollte jedoch die 3. Stufe im „Notfallplan Gas“ für Deutschland“ ausgerufen werden, seien natürlich auch die Stadtwerke und die NomSF an die Vorgaben gebunden und zur Umsetzung verpflichtet.

In den Northeimer Freibädern mussten bisher keine Vorkehrungen zur Beheizung vorgenommen werden. Das Beckenwasser im Freibad Sudheim habe auch ohne Zuschaltung des Gas-Heizkessels eine Wohlfühltemperatur, sagt von Minden. Durch die Sonneneinstrahlung habe diese in den vergangenen Tagen im Durchschnitt deutlich über 20 Grad gelegen, am Donnerstag dieser Woche sogar bei fast 25 Grad.

Im Bergbad in der Kernstadt bediene man sich ohnehin nur der Sonnenenergie zur Beheizung der Becken. Es werde also keine zusätzliche Energie benötigt. goe

Einbeck

Die Verwaltung hat mit der Stadtwerke Einbeck GmbH einen Energiekrisenstab unter Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek eingerichtet. Er soll Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs identifizieren. Geplant sei eine Neu-Definition der Dauer der Heizperiode, die Festlegung von Maximaltemperaturen, das Abschalten des Warmwassers für Handwaschbecken und der Ersatz von Dauerbeleuchtung durch Bewegungsmelder.

Auch die Senkung der Wassertemperatur in Schwimmbädern werde geprüft, ebenso die Abschaltung der Anstrahlung öffentlicher Gebäude und der Straßenbeleuchtung. Öl- und Flüssiggastanks würden befüllt, Heizungsanlagen gewartet und hydraulische Abgleiche ausgeführt.

Ein Energie-Spartag zur Sensibilisierung der Mitarbeiter sei geplant. Ferner würden die baulichen und technischen Verbesserungen an der Gebäudeinfrastruktur fortgesetzt, etwa die Erneuerung von Heizungen und Steuertechnik, Wärmedämmung, Fenstertausch, verstärkte Nutzung von Photovoltaik und Umstellung auf LED-Beleuchtung.

Uslar

Bei der Stadt Uslar besteht zurzeit kein Energie-Notfallplan. Trotzdem werde die Verwaltung Maßnahmen zur Energieeinsparung prüfen, heißt es aus dem Büro von Bürgermeister Torsten Bauer. So müssten beispielsweise Raumtemperaturen mit der Arbeitsstättenverordnung vereinbar sein. Entscheidend sei dabei die Einbindung der Betroffenen selbst, um eine hohe Akzeptanz zu erreichen. Abstimmungen zwischen Rat und Verwaltung sowie den betroffenen Einrichtungen über Maßnahmen würden zeitnah erfolgen, so Bauer. Konkrete Umstellungen von Gasheizungen auf andere Energieträger seien aktuell nicht vorgesehen.

Nörten-Hardenberg

„Unsere Mitarbeitenden sind bereits sensibilisiert“, betont Nörten-Hardenbergs Bürgermeisterin Susanne Glombitza. Zudem habe der Flecken im Frühjahr ein Beratungsangebot der EAM zur Energiewendebegleitung abgeschlossen.“ Es sollen Ideen für die Gemeinde erarbeitet werden. Die Energiekrise habe man zum Anlass genommen, alle Heizungsanlagen der öffentlichen Einrichtungen zu überprüfen. Dabei würden Zeiten kontrolliert und der aktuellen Nutzung angepasst sowie Wartungen ausgeführt. Eine Absenkung der Heiztemperatur erfolge im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten.

Am Ausbau der regenerativen Energien beteilige sich Nörten ebenfalls. So habe der Verwaltungsausschuss jetzt beschlossen, auf dem Betriebsgebäude der Kläranlage und den Dachflächen der Johann-Wolf-Schule Photovoltaikanlagen zu installieren.

Hardegsen

Die Stadt Hardegsen habe sich in vielen Bereichen umweltfreundlich aufgestellt, was beim Energiesparen helfe, betont Bürgermeister Lars Gunnar Gärner. So werde das Burgbad durch Solarthermie beheizt und die Straßenbeleuchtung sei auf LED umgestellt. Derzeit werde die Grundschule saniert und gedämmt, die Heizung soll erneuert werden. Gärner: „Wir sind zudem dabei, unsere Liegenschaften anzusehen, um zu sehen, wo die größten Sparpotenziale liegen.“ Wegen Geld- und Materialknappheit und Handwerkermangels werde man eher mittelfristig Erfolg haben.

Kurzfristig könnten Erfolge nur über das Nutzungsverhalten erzielt werden. So werde im Rathaus derzeit erkundet, bei welchen Geräten eingespart werden kann. Ferner wolle man Bürger und Mitarbeiter sensibilisieren. So wurden zum Beispiel Energiespartipps der Verbraucherzentrale veröffentlicht. Über das Heizverhalten sei zwar gesprochen, aber noch nichts festgelegt worden. Es sei abzuwarten, wie Vorgaben vom Bund aussehen.

Kalefeld

„Selbstverständlich beschäftigen wir uns bereits mit Energiesparmaßnahmen, die in die Umsetzung kommen könnten“, sagt Kalefelds Bürgermeister Jens Meyer. Der Bereich Schule/Kita sei dabei allerdings besonders sensibel zu betrachten, neben den Verwaltungsgebäuden, Feuerwehrhäusern, Dorfgemeinschaftshäusern und Sportstätten. Meyer: „Es bedarf im Einzelfall unterschiedlicher Maßnahmen.“ Vorab müssten diese mit den Einrichtungen besprochen werden.

Energiesparen sei in Kalefeld seit Jahren Thema. Meyer: „So stellen wir unsere Straßenbeleuchtung auf LED um.“ Darüber hinaus würden bei allen Baumaßnahmen Alternativen zur Energieversorgung geprüft.

Bodenfelde

Das neu gebaute Bodenfelder Rathaus befindet sich energietechnisch auf dem neuesten Stand sogar mit Bewegungsmeldern für Licht, sagt der Bürgermeister von Bodenfelde, Gerald Wucherpfennig. Neben der Drosselung der Heizung auf 20 Grad könne man kaum noch etwas sparen. Das gelte auch für das Freibad, dessen Wasser allein durch Sonnenergie geheizt wird. Eine eigene Schule gebe es nicht.

Katlenburg-Lindau

In Katlenburg-Lindau ist im Verwaltungsausschuss besprochen worden, eine Stabsgruppe Energiesicherheit ins Leben zu rufen. Laut Bürgermeister Uwe Ahrens werde man kurzfristig versuchen, die Nutzer von Sporthallen oder Dorfgemeinschaftshäusern zum Wärme- und Energiesparen anzuhalten. Angedacht sei die Entwicklung von Eskalationsstufen für einen möglichen Gasnotstand. Das reiche von Drosselung der Raumtemperatur bis hin zur Schließung von Einrichtungen, wobei auch da stufenweise vorgegangen werden soll, erst Dorfgemeinschaftshäuser und Mehrzweckhallen, dann Sporthallen und zu allerletzt Schulen und Kitas. Auch der Einsatz von Solarthermie oder anderer Heiztechniken werde geprüft. Photovoltaikanlagen zur Stromeinsparung gebe es bereits auf der Burgbergschule, der Verwaltung und auf dem Feuerwehrhaus Lindau.

Moringen

Zugute komme Moringen, dass ein integriertes energetisches Quartierskonzept erstellt worden sei, dass sich mit Energiebedarfen und alternativen Energiesystemen auseinandersetzt, sagt Moringens Bürgermeister Heike Müller Otte. Ergebnisse gebe es Anfang September im Bauausschuss. Daran werde sich ein Beratungsangebot anschließen, das auch Gemeinschaftsprojekte wie Nahwärmenetze begleiten soll. Die Verwaltung erstelle ein Kataster aller Liegenschaften mit Ermittlung der Heizsysteme und der Energiebedarfe.

Im nächsten Schritt solle eine Arbeitsgruppe Sparmöglichkeiten ausarbeiten. Schon jetzt werde die Schwimmbadtemperatur auf dem für beheizte Freibäder niedrigsten Niveau von 21 Grad gehalten, möglichst nur durch Sonnenerwärmung. Vermutlich werde es für alle Einrichtungen und Immobilien ein mehrstufiges Notfallsystem und für die Mitarbeiter ein Katalog mit Handlungsempfehlungen geben. In der Schule werde mit Nachtabsenkung und Steuerung durch „Behördenregler“ gearbeitet, damit die Heizung nicht zu sehr aufgedreht werden kann. Das werde auch für Kindergärten angestrebt. Die Nutzung von Solarenergie werde intensiv weiterverfolgt. (Axel Gödecke)

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