1. Startseite
  2. Lokales
  3. Northeim

Unterbringung von Geflüchteten: Northeimer Kreisverwaltung fühlt sich vom Land allein gelassen

Erstellt:

Von: Olaf Weiss

Kommentare

Das Northeimer Kreishaus.
Das Northeimer Kreishaus: Um die Unterbringung und Betreuung der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine zu bewerkstelligen, unterstützen Mitarbeiter aus anderen Abteilungen die Kollegen in den Fachbereichen „Migration und Integration“ und „Facility-Management“. © Olaf Weiss

Die Verteilung der aus der Ukraine im Landkreis Northeim ankommenden Flüchtlinge gestaltet sich schwierig. Nachdem das THW, das landesweit den Transport in den Landkreisen übernommen hatte, diese Aufgabe wieder zurückgegeben hat, hat die Kreisverwaltung nach HNA-Informationen die Städte und Gemeinden um Hilfe gebeten.

Northeim – Das hat der Erste Kreisrat, Jörg Richert, am Donnerstag auf Anfrage bestätigt. Dabei gehe es um den Transport der Geflüchteten von Northeim in die bereitstehenden Wohnungen im Kreisgebiet.

Nach den Worten des Ersten Kreisrats könne erst dann die passende Unterkunft ausgewählt werden, wenn die Flüchtlinge im Landkreis eingetroffen sind. Im Vorhinein gebe es vom Land keine Informationen, wer komme. Einzelpersonen bräuchten beispielsweise andere Quartiere als eine Mutter mit mehreren Kindern. Auch wann Flüchtlinge ankommen, erfahre die Verwaltung erst kurzfristig. „Das Land lässt mich da im Regen stehen“, sagte Richert. Deshalb könne er den Städten und Gemeinde auch nicht vorher mitteilen, wann wie viele Geflüchtete bei ihnen untergebracht werden.

Jörg Richert
Erster Kreisrat Jörg Richert © Hans-Peter Niesen

Noch stehen laut Kreisverwaltung genügend Wohnungen zur Verfügung. Es werde aber weiter Wohnraum gesucht. Über ein Formular auf der Landkreis-Internetseite (https://www.landkreis-northeim.de/ukrainehilfe) könnten weiterhin Wohnungen gemeldet werden. Bis zu einer Rückmeldung könne es aber einige Zeit dauern.

Die Betreuung der Flüchtlinge übernehmen laut Kreisverwaltung Sozialarbeiter und andere Mitarbeiter des Landkreises, aber auch ehrenamtliche Helfer.

Für heute, Freitag, werden wieder Menschen aus der Ukraine erwartet. Bis Donnerstagmittag war unklar, wie deren Verteilung im Kreisgebiet bewältigt werden soll. Dann kam das Signal der Städte und Gemeinden, dass sie beim Transport helfen. Er sehe die Kommunen in der Pflicht, da sie in Niedersachsen für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständig seien, hatte Richert zuvor betont. Im Kreis Northeim habe ihnen die Kreisverwaltung das aber abgenommen. (Olaf Weiss)

Schätzungsweise 1100 Geflüchtete aus der Ukraine sind da

Bisher sind nach Auskunft der Northeimer Kreisverwaltung schätzungsweise rund 1100 aus der Ukraine geflüchtete Menschen im Landkreis Northeim angekommen. Etwa 680 von Ihnen sind registriert. Die Zahl der vor dem Krieg Geflüchteten, die durch Privatinitiative hierher gekommen und noch nicht registriert sind, schätzt die Verwaltung auf 400. Im Kreishaus wird mit einem starken Anstieg der Flüchtlingszahlen in den nächsten Tagen und Wochen gerechnet. (ows)

Verwaltung konzentriert sich auf Geflüchtete

Wie aus hausinternen Mails der Northeimer Kreisverwaltung hervorgeht, die der HNA vorliegen, wird die Bewältigung des Flüchtlingszustroms zunehmend zu einer Aufgabe der gesamten Verwaltung.

Die Fachbereiche „Migration und Integration“ sowie „Facility-Management“ (= Immobilen-Verwaltung) sind demnach bereits durch Mitarbeiter aus anderen Abteilungen des Kreishauses verstärkt worden. Es werden aber innerhalb der Verwaltung weitere Freiwillige gesucht, die in diesen Bereichen aushelfen wollen. Denn, so heißt es in dem Schreiben: „Vor uns liegt eine Kraftanstrengung, die kein Sprint und auch kein 400-Meter-Lauf ist – dies wird ein Marathon!“

Angesichts der Größe der Aufgabe, die Flüchtlinge unterzubringen und zu betreuen, soll die Arbeit laut der internen Mails, die auch vom Personalrat mitgetragen werden, in den anderen Abteilungen auf die Kernaufgaben konzentriert werden. Beschwerden, weil Verwaltungsvorgänge infolgedessen länger dauern, sollen dabei ausdrücklich in Kauf genommen werden.

Darüber hinaus wird die Möglichkeit von Stundenaufstockungen bei Teilzeitmitarbeitern ausdrücklich genannt, um Beschäftigte zu finden, die zumindest zeitweise bei der Flüchtlingsunterbringung unterstützen.

Aber auch im Kleinen wird im Kreishaus unter den Mitarbeitern im Interesse der Kriegsflüchtlinge um Unterstützung gebeten. In einer Mail steht auch die Aufforderung, gut erhaltenes Spielzeug (keine Bücher) zu spenden.

Es soll zur Einrichtung einer Spielecke dienen. Diese soll den mit ihren Müttern geflüchteten Kindern die Wartezeit im Kreishaus bis zur Fahrt in ihr Quartier verkürzen. (ows)

Auch interessant

Kommentare