Komplex im Solling soll für einen Euro verkauft werden

Northeim: Kreistag beschließt Verkauf des Jugendfreizeitheims

Luftbild des ehemaligen Jugendfreizeitheims des Landkreises Northeim in Silberborn (Landkreis Holzminden).
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Wird zum symbolischen Preis von einem Euro verkauft: das ehemalige Jugendfreizeitheim in Silberborn. Der Allgemeine Rettungsverband in Göttingen will die Einrichtung nutzen. (Archivbild)

Der Verkauf des Jugendfreizeitheims Silberborn ist perfekt: Der Northeimer Kreistag hat mit großer Mehrheit dem Verkauf zum symbolischen Preis von einem Euro an den Allgemeinen Rettungsverband Niedersachsen-Süd in Göttingen zugestimmt - allerdings mit einigen Änderungen.

Northeim - Die Unterzeichnung des notariellen Kaufvertrages steht aber noch aus. Keine Chance hatte der Antrag von Lothar Baumelt (Northeim 21), die Veräußerung erneut auszuschreiben.

Die Änderungen betreffen den Fall, dass der Rettungsverband das Jugendfreizeitheim nach dem Erwerb innerhalb von sieben Jahren weiterverkaufen sollte. Dann muss er 50 Prozent des Verkaufspreises an den Landkreis abtreten.

Außerdem soll er Gruppen aus dem Landkreis Northeim, die einen Aufenthalt in Silberborn verbringen möchten, ebenfalls sieben Jahre lang einen Nachlass von zehn Prozent bei den Kosten geben. Denn Freizeiten sollen nach den Vorstellungen des Rettungsverbandes nach wie vor möglich sein. Sie sollen zur Finanzierung des rund 33 500 Quadratmeter großen Areals beitragen, wenn es der Ausbildungs- und Schulungsbetrieb des Verbandes zulässt.

Christina Münder (SPD) verteidigte den Verkauf. Als Grund nannte sie das „hohe sechsstellige Defizit“. „Wir machen den Weg frei für die Zukunft des Jugendfreizeitheimes“.

Den Initiatoren des knapp gescheiterten Bürgerentscheids zur Verhinderung des Verkaufs um den Vorsitzenden des Turnkreises Northeim-Einbeck, Heinz-Willi Elter, schrieb sie ins Stammbuch - allerdings ohne seinen Namen zu nennen: „Dass das Ergebnis des Bürgerentscheids nicht akzeptiert wird, ist nicht nachvollziehbar.“ Die Behauptung, das Heim werde angesichts von erforderlichen Investitionen in Höhe von über 300 000 Euro verschleudert, nannte sie „unverschämt und unredlich“.

Der Vertreter der CDU, Hans-Dietmar Kreitz, sagte, der Landkreis müsse kein Betreiber eines Jugendheimes sein. Er begrüßte das „Zwei-Säulen-Modell“ des Rettungsverbandes mit dem Weiterbetrieb als Freizeitheim und Ausbildungsstätte. Er erwartet, dass der Verband „im ersten Schritt“ die Sanierung des Innenbereichs und die Herstellung der Barrierefreiheit anpackt.

Marc Hainski (Gemeinsam für Einbeck) sagte, der Kreis nehme der Bevölkerung nichts weg. Karen Pollok (Grüne) betonte, es gebe zwar „keinen Rechtsanspruch auf die Unterhaltung solcher Heime“, ihre Fraktion werde einem Verkauf aber nicht zustimmen. Irnfried Rabe (FDP) wies darauf hin, dass Heime kaum noch von der „kommunalen Hand“ betrieben würden.

Nicht einverstanden mit dem Verkauf war Lothar Baumelt (Northeim 21): „Der Rettungsverband ist wenig vertrauenswürdig.“ Er konnte sich jedoch mit seinem Antrag, den Verkauf erneut auszuschreiben, nicht durchsetzen. Zustimmung hingegen fand seine Forderung für den Fall eines späteren Verkaufs, dass das Jugendheim nicht an politische, religiöse und radikale Organisationen veräußert werden darf, die im Verfassungsschutzbericht erwähnt werden.  

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