In Bewährungszeit ist der Heranwachsende erneut straffällig geworden

Amtsgericht Northeim verurteilt 19-jährigen Katlenburger wegen Veruntreuung von Corona-Hilfen

Die "Justitia", Göttin der Justiz und der Gerechtigkeit, Skulptur mit Waage und Schwert in Händen auf dem Gerechtigkeitsbrunnen in Frankfurt am Main
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Symbolbild

Zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten wurde jetzt ein 19-Jähriger aus Katlenburg-Lindau vom Amtsgericht Northeim verurteilt.

Northeim – Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er sich des Subventionsbetrugs schuldig gemacht hat. Der Angeklagte hat sich nach Ansicht des Gerichts im Mai vergangenen Jahres als Inhaber eines Unternehmens im Baugewerbe ausgegeben, um Corona-Hilfen in Höhe von insgesamt 9000 Euro geltend zu machen.

Der Angeklagte stritt im Prozess ab, jemals ein Unternehmen geführt zu haben. Er habe nie einen Antrag auf Corona-Hilfen gestellt. Seiner Aussage zufolge sei der Sachverhalt ein ganz anderer gewesen: Er habe in der Northeimer Innenstadt auf einen Freund gewartet, als drei Männer südländischen Aussehens auf ihn zukamen und vorgaben, für eine Stiftung zu arbeiten, die Corona-Kranken helfe. Sie hätten ihm vorgeschlagen, 9000 Euro auf sein Konto zu überweisen, von denen er 500 Euro behalten könne und 8500 Euro zurückgeben sollte.

Da der Angeklagte damals wie heute in einer schlechten finanziellen Lage sei, habe er nicht weiter darüber nachgedacht und nur das ihm versprochene Geld vor Augen gesehen, wie er sagt. Die Männer hätten auf den damals 18-Jährigen zudem einen seriösen Eindruck gemacht. Sie hätten seine Bankkarte und seinen Personalausweis abfotografiert und wenig später sei das Geld bereits auf seinem Konto gewesen. Der Angeklagte habe sich daraufhin mit einem der Männer getroffen und die vereinbarten 8500 Euro zurückgegeben.

Ein Freund des Angeklagten sagte als Zeuge vor Gericht aus, dass ihm der Angeklagte zwar von dem Geld erzählt und ihm auch ein Foto des Kontostands gezeigt hätte, jedoch hätte er daraufhin nicht weiter nachgefragt, woher das Geld stammte.

Die Staatsanwaltschaft hielt die Schilderungen des Angeklagten für frei erfunden und für nicht nachvollziehbar. Sie sah den Sachverhalt als bestätigt an: Der Angeklagte habe den Antrag auf Corona-Hilfen selbst gestellt, das Geld bekommen und verwendet.

Weil der Angeklagte zur Tatzeit gerade 18 Jahre alt gewesen war und auch heute noch eine jugendliche Persönlichkeit habe, plädierte die Staatsanwaltschaft für eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht.

Da der heute 19-Jährige bereits mehrfach vorbestraft ist und sich seit vergangenem Jahr in einer laufenden Bewährungszeit befindet, während der er die Hilfe eines Bewährungshelfers nicht angenommen hat, sah die Staatsanwaltschaft keine Möglichkeit, die Strafe auf Bewährung auszusetzen. Sie plädierte auf eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten sowie die Einbeziehung der 9000 Euro.

Die Verteidigung plädierte aufgrund der Einlassung und der Bemühungen des Angeklagten auf Bewährung.

Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den 19-Jährigen zu einem Jahr und acht Monaten Jugendhaft. (Lea-Sophie Mollus)

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