Kreistag entscheidet über Verkauf

Sven Tilch soll den Zuschlag bekommen fürs Jugendfreizeitheim Silberborn

Das ehemalige Jugendfreizeitheim in Silberborn
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Zweiter Versuch: Der Kreistag soll heute erneut seine Zustimmung für den Verkauf des Jugendfreizeitheims in Silberborn geben. Der erste Verkauf war gescheitert. Nachdem Zweifel an der Seriösität des Käufers immer größer geworden waren, hatte dieser sein Angebot zurückgezogen.

Sven Tilch soll das Jugendfreizeitheim Silberborn bekommen. Der Unternehmer aus Volpriehausen, der Pflege- und Seniorenheime in Südniedersachsen betreibt und über 400 Mitarbeiter beschäftigt, hat unter acht Bietern das höchste Kaufangebot für das Heim vorgelegt.

Northeim - Das geht aus dem Beschlussvorschlag hervor, über den der Kreistag in seiner Sitzung heute, Freitag, 12. März, in der Sporthalle der Berufsbildenden Schulen Northeim zu entscheiden hat.

Das Vorgehen stößt auf Kritik aus den Reihen der Mitbieter: Werner Drese aus Polier hatte mit einem Unterstützerkreis aus dem Raum Uslar und Bodenfelde für ein Erlebniszentrum Silberborn geboten und laut Kreisverwaltung das dritthöchste Angebot vorgelegt. Er nennt das Vorgehen des Landkreises „Geheimsache Freizeitheim Silberborn“, die verhindere, „dass die politischen Vertreter sich bei der Willensbildung an den Wünschen der Bevölkerung orientieren können, indem nach dem nicht öffentlichen Kreisausschuss gleich vier Tage später der Kreistag seine Entscheidung fällen muss“.

Unterstützung bekommt Drese von Heinz-Willi Elter, Vorsitzender des Turnkreises Northeim-Einbeck, der gegen den ersten Verkaufsversuch einen Bürgerentscheid zum Erhalt des Freizeitheims mit initiiert hatte, der knapp gescheitert war.

Sven Tilch

Sven Tilch wollte vor der Entscheidung des Kreistages am Freitag keine Angaben über seine Pläne und auch nicht über die Höhe seines Angebotes machen. Nach Informationen der HNA soll das Freizeitheim unter seiner Regie unter der Woche eine Betreuungseinrichtung für junge Menschen werden und an Wochenenden weiter als Freizeitheim dienen.

Werner Drese kritisiert außerdem, dass die Northeimer Kreisverwaltung dem Kreistag schon den Beschluss vorgegeben habe, indem sie den Begriff „wirtschaftlichstes Gebot“ für sich definiert hat. Drese: „Darunter soll aus Sicht der Kreisverwaltung nur das Höchstgebot zu verstehen sein.“

Die Öffentlichkeit werde erst nach dem Kreistagsbeschluss erfahren, was aus dem Heim wird.

„Die Kreisverwaltung und insbesondere die Landrätin haben kein Interesse, an die Vorteile der Schaffung des Erlebniszentrums Silberborn für die strukturschwache Region zu denken“, sagt Werner Drese für den Unterstützerkreis aus dem Solling, der das Freizeitheim als Erlebniszentrum fortführen möchte und das Verkaufsverfahren des Landkreises kritisiert.

Er habe das Gefühl, der Landkreis Northeim ende vor dem Solling, so Drese, der sich übergangen fühlt. Er berichtet, dass es für sein Projekt Erlebniszentrum viele positive Rückmeldungen gebe und weitere Zusagen für finanzielle und personelle Unterstützung, sodass das Erlebniszentrum Silberborn ein Aushängeschild für die Sollingregion werden könnte. Drese: „Ob dies zugelassen wird, entscheidet der Kreistag am 12. März.“

Heinz-Willi Elter (Ippensen) zitiert aus der HNA, dass die Kreisverwaltung unter dem wirtschaftlichsten Angebot das Höchstangebot verstehe. Diese Aussage sei formal nicht richtig, betont Elter und erklärt: Bei einer Ausschreibung mit Höchstangebot zähle das höchste Angebot, und der Verkäufer habe keinen Einfluss mehr auf die Auswahl des Käufers.

Bei einer Ausschreibung mit wirtschaftlichstem Angebot würden noch viele andere Faktoren für den Verkauf neben dem Preis berücksichtigt. Bei dem Angebot von Drese, der bei einem Zuschlag mit seiner Unterstützergruppe den Förderkreis Erlebniszentrum Silberborn gründen will, würden mehrere Faktoren erfüllt, sagt Elter. Im Vordergrund seines Konzeptes stehe eine Begegnungsstätte für Vereine und Schulklassen – mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, Natur und Umwelt zu erfahren sowie Gemeinschaft, Abenteuer und Spaß am Sport zu erleben.

Der Förderverein als Träger des Jugendfreizeitheims stelle das Allgemeinwohl in den Vordergrund, weil er gemeinnützig ist und nicht gewinnorientiert arbeiten muss. Die laufend wachsende Identifikation der Unterstützer aus Politik, Wirtschaft, Institutionen und Bürgerschaft sei ein Alleinstellungsmerkmal. Auf der Unterstützerliste von Drese stünden unter anderem die Bürgermeister Torsten Bauer (Uslar) und Mirko von Pietrowski (Bodenfelde), Maik Siebrecht vom Uslarer Autohaus Siebrecht, der Turnkreis und der Kreissportbund sowie Christoph Brand vom Kletterpark Hochsolling.

Zudem sieht Elter in dem Projekt eine Stärkung des ländlichen Raumes, der wieder im Trend liege. Ferner verweist er darauf, dass der Flächennutzungsplan für das Freizeitheimgelände die Bezeichnung „Gemeinbedarfsfläche mit Zweckbestimmung Jugendfreizeitheim Silberborn“ führe. Daran müsse sich auch die zukünftige Nutzung orientieren. (Frank Schneider)

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