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Kurt Schumacher: der Kritiker am Kapitalismus

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Von: Niko Mönkemeyer

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Möchte für die Linke in den Landtag: Kurt Schumacher im Garten seines Hauses in Ellierode.
Möchte für die Linke in den Landtag: Kurt Schumacher im Garten seines Hauses in Ellierode. © Niko Mönkemneyer

Am 9. Oktober wird in Niedersachsen ein neuer Landtag gewählt. Wir stellen die Kandidaten aus den Wahlkreisen Northeim und Einbeck in loser Reihenfolge vor. Heute: Kurt Schumacher (Die Linke).

Ellierode – Die Nachricht, dass Kurt Schumacher bei der Landtagswahl im Oktober für die Partei Die Linke antritt, dürfte so manchen überrascht haben, verbinden doch die meisten mit diesem berühmten Namen den ehemaligen SPD-Vorsitzenden, der von 1949 bis 1952 Oppositionsführer im deutschen Bundestag war. „Mein Vater war ein großer Fan von ihm und hat mich vermutlich deswegen Kurt genannt, aber genau weiß ich das nicht, weil wir nie darüber gesprochen haben“, sagt Schumacher und schmunzelt.

Als er sich Ende der 1960er-Jahre für Politik zu interessieren begann, sei sein Weltbild von seiner Kindheit geprägt gewesen – und von der Erkenntnis, „dass etwas mit unserer Gesellschaft nicht stimmt“, blickt Schumacher, der seit 2016 für die Linke im Hardegser Rat sitzt, zurück. Nach dem Besuch der Volksschule sei für ihn der Besuch einer weiterführenden Schule nicht möglich gewesen, weil seine Eltern dies nicht bezahlen konnten. Ab 1966 absolvierte er daher in einem Hardegser Architekturbüro eine Ausbildung zum Bauzeichner.

„Als 17-jähriger habe ich da die Konstruktionspläne für die Hardegser Grundschule angefertigt“, sagt er nicht ohne Stolz. Die Tatsache, dass er für diese Tätigkeit, die eigentlich Ingenieurarbeit war, von seinem damaligen Arbeitgeber aber nicht entsprechend bezahlt wurde, bewertet er heute als seine erste persönliche Begegnung mit dem Kapitalismus.

Die damalig kritische Haltung gegenüber der kapitalistischen Weltanschauung habe er bis heute beibehalten, betont Schumacher. Sein politisches Engagement hingegen habe er dann aber für viele Jahre ruhen lassen, als er eine Familie gegründet hat. Schumacher ist verheiratet und zwei erwachsene Söhne.

Nachdem er in verschiedenen Architektur- und Ingenieurbüros tätig war, sich fortgebildet hat und Mitte der 1970er-Jahre bei der Baufirma Herbst in Northeim Erfahrungen als Bauleiter gesammelt hatte, wagte er 1980 den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete ein Planungsbüro für Bauwesen.

1989 gründete er außerdem eine Bauträgergesellschaft. „Beide Betriebe habe ich bis zu meinem Renteneintritt vor sieben Jahren geführt“, so Schumacher, „und dann habe ich mich gefragt: Was machst du jetzt?“

Schließlich hat er sich beim Runden Tisch Flüchtlingsbegleitung gemeldet und war ab Herbst 2015 dreieinhalb Jahre lang als Alltagsbegleiter für Flüchtlinge tätig. Als die Linke 2016 ihn gefragt habe, ob er für den Hardegser Rat kandidieren wolle, habe er dieses Angebot angenommen, ohne wirklich damit zu rechnen, gewählt zu werden. Dass es dann doch geklappt habe und er auch 2021 wieder gewählt wurde, habe ihn darin bestärkt, sich politisch weiter zu engagieren.

„Bei der Kandidatur für den Landtag geht es mir zunächst einmal darum, linken Wählern die Möglichkeit zu geben links zu wählen“, beantwortet Schumacher die Frage, wie er denn seine Chancen einschätzt. „Um die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden brauchen wir jede Stimme.“

Körperlich hält sich der 71-Jährige mit Radfahren und Wandern fit. Außerdem hört er gern Musik („Alles, nur keine deutschen Schlagerschnulzen“).

Und er liest gern – insbesondere immer wieder die Bücher eines Autors, der ihn schon in seiner Kindheit begeisterte hat: nämlich Karl May. Und selbstverständlich seien ihm als Linker auch die Schriften von Karl Marx nicht völlig unbekannt, scherzt Schumacher. (Niko Mönkemeyer)

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