Kurioser Jahreswechsel

Wilde Böcke und frische Rasuren: Traditionen aus Südniedersachsen zu Silvester

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Alte Tradition: In der Hardegser Ortschaft Ellierode wird zum Jahreswechsel ein Neujahrsbock durchs Dorf getrieben.

Northeim. Wissen Sie, was Ümmesingen ist? Oder ein Neujahrsbock? Wir klären auf über kuriose Traditionen zum Jahreswechsel in Südniedersachsen.

137 Millionen Euro geben die Deutschen in diesem Jahr für Silvesterfeuerwerk aus, das in der Nacht zu Montag den Himmel wieder in viele bunte Farben taucht.Für viele Menschen ebenso wichtig sind aber die typischen Traditionen zum Jahreswechsel, die weniger laut, dafür aber nicht weniger amüsant sein müssen. Wir haben interessante Fakten zu den Klassikern aus unserer Region zusammengestellt.

Ein Mitarbeiter überwacht ein Frittierbad mit "Berliner" Pfannkuchen in der Aryzta Bakeries Deutschland in Lutherstadt Eisleben.

Berliner

Es gibt sie zwar das ganze Jahr, allerdings ist die Nachfrage zum Jahreswechsel erheblich größer. Zur Geschichte gibt es mehrere Varianten, unter anderem die eines Berliner Bäckers, der 1756 für das Regiment Friedrichs des Großen gebacken haben soll – in Kanonenkugel-Form. Hintergrund: Der Bäcker war eigentlich Kanonier, wurde allerdings dienstuntauglich und konnte so im Regiment bleiben.

Bleigießen

Wenn in den Wohnzimmern in der Region mit weißem Papier, Kerzen und Schatten hantiert wird, dann ist klar: Jemand möchte das „Orakel“ des Bleigießens nach seiner Zukunft befragen. Woher die Tradition kommt, das ist nicht zweifelsfrei geklärt. Sicher ist aber, dass selbst die Römer die Tradition kannten.

Dinner for one

Der Klassiker am Silvesterabend ist und bleibt „Dinner for one“. Seit 1963 wird jährlich über die 18-minütige Produktion des NDR gelacht. In unserer Region besonders beliebt ist auch das „Dinner up Platt“ – die Version auf Plattdeutsch.

Beliebt zum Jahreswechsel: Vierblättriger Glücksklee.

Glücksklee

Die Floristen in Northeim, Uslar und Umgebung haben seit Tagen Glücksklee, meist verziert mit einem Schornsteinfeger oder Hufeisen, im Angebot. Der Ursprung ist leicht geklärt: Er geht auf das vierblättrige Kleeblatt zurück, das aufgrund der Seltenheit Glück bringen soll. Der Schornsteinfeger als Symbol stammt aus der Zeit, als ein funktionierender Kamin überlebenswichtig war. Beim Hufeisen kann ein türkisches Sprichwort bei der Klärung der Bedeutung helfen: „Ein Nagel kann ein Hufeisen retten, ein Hufeisen ein Pferd, ein Pferd einen Reiter und ein Reiter ein Land.

Neujahrsböcke

Finstere Gestalten, von Jugendlichen begleitet, ziehen traditionell noch vor der Böllerei im Uslarer Land durch die Dörfer, um die bösen Geister des Vorjahres zu vertreiben. In Dinkelhausen wird der Brauch nach zweijähriger Pause wiederbelebt und soll den Einwohnern wieder Glück für das neue Jahr bringen. Der ausgewählte „Bock“ wird in Stroh eingewickelt. In Kammerborn hat man besonders viel Glück, wenn man die Hörner des Neujahrsbocks berührt.

Kurioser Brauch: Das Neujahrsrasieren im Uslarer Land.

Neujahrsrasieren

Nicht wirklich scharfe Messer gehören in Bollensen zum neuen Jahr dazu. Dann startet das Neujahrsrasieren samt Tanzvergnügen. Männer mit Masken rasieren dann den anwesenden Herren symbolisch den Bart ab. Und das nach festgelegten Regeln. Sieben anonyme Personen sind maskiert, darunter ein Clown, der Schabernack treibt, ein Polizist, der die zu rasierenden bestimmt, sowie Fegefrauen und Männer.

Ümmesingen

Bei der Tradition des Ümmesingens, zuletzt in Schoningen wiederbelebt, gehen Kinder mit Erwachsenen von Haus zu Haus, singen Lieder und sagen Sprüche auf Plattdeutsch auf. Damit das einwandfrei klappt, üben die Kinder dafür extra in der Schule. Dafür gibt es dann Süßigkeiten. 

Kurioses aus aller Welt

Kuriose Bräuche zum Jahreswechsel gibt es natürlich nicht nur in unserer Region, sondern weltweit. Einige davon stellen wir im nachfolgenden Überblick vor. 

Rote Unterwäsche wird auf einem Wochenmarkt in Italien zum Verkauf angeboten. Wer rote Unterwäsche in der Silvesternacht trägt, soll nach dem Brauch Glück haben.

Die Italiener setzen in Sachen Glück fürs neue Jahr voll auf Unterwäsche. Zu Silvester und Neujahr sind rote Schlüpfer und Co. voll im Trend. Zwischen den Jahren ist diese Bekleidung deshalb besonders im Angebot. Dabei ist es vollkommen egal, ob Mann oder Frau – beide Geschlechter folgen dem Brauch. 

Kulinarischer – wenn man es so nennen kann – geht es in Spanien zu. Während in Deutschland die letzten Sekunden bis Mitternacht runtergezählt werden, stecken sich die Spanier mit jedem der zwölf Glockenschläge eine Weintraube in den Mund. Das soll Glück bringen. Wessen Mund zu klein ist oder wer zu langsam ist, der hat sprichwörtlich Pech. 

Ein gefährlicher Brauch ist bei den Japanern Tradition. Sie essen einen Reiskuchen namens Mochi zu Silvester. Der soll zwar ein langes Leben garantieren, ist aber so zäh und trocken, dass er gerne mal im Hals stecken bleibt. Verschiedene Quellen berichten übereinstimmend von etlichen Todesfällen. 

In Brasilien steht den Menschen das Wasser bis zu den Knien. Das ist auch notwendig, da traditionell Blumen ins Wasser geworfen werden. So sollen die Wünsche in Erfüllung gehen. In China gibt es das große Neujahrsfest traditionell erst am Tag des ersten Vollmonds nach dem 21. Januar. Unverheiratete Frauen werfen dann Mandarinen ins Meer. Das soll die zukünftigen Ehemänner anlocken.

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