Prognose: Zahl der Fachmediziner sinkt bis 2035 um die Hälfte

Dem Landkreis Northeim droht ein Ärztemangel

Stethoskop in der Hand eines Arztes
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Symbolbild

Dem Landkreis Northeim droht bis zum Jahr 2035 ein erheblicher Ärztemangel: Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) geht davon aus, dass die Zahl der Hausärzte um rund 20 Prozent zurückgeht, die Zahl der Fachmediziner sogar bis zu 50 Prozent.

Landkreis Northeim – Von dieser Entwicklung sollen vor allem Nerven-, Hals-Nasen-Ohren-, Kinder- und Jugendärzte, Urologen, Hautärzte sowie Radiologen betroffen sein. Darauf verwies der Göttinger Geschäftsführer der KVN, Harald Jeschonnek, in der jüngsten Sitzung des Kreissozialausschusses.

Bei den Hausärzten wird es nach Einschätzung der KVN zu einem Rückgang insbesondere im ländlichen Raum kommen. In den Städten dürfte die Versorgung hingegen häufig gut bleiben. Bei den Fachärzten, so Jeschonnek, ist vielerorts eine Unterversorgung wahrscheinlich. Ausnahme: Bei Kinder- und Jugendpsychiatern wird mit einer guten Versorgung, wenn nicht sogar mit einer Überversorgung gerechnet.

KVN-Geschäftsführer Harald Jeschonnek.

Die zunehmende Spezialisierung verstärke die Engpässe bei der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung, sagte Jeschonnek. Eine Erhöhung der Medizinstudienplätze werde erst nach 2035 Entlastung bringen. Für den drohenden Ärztemangel nennt Jeschonnek ein ganzes Bündel an Gründen. So kämen jetzt Mediziner der „Ärzteschwemme“ aus den 1980er-/Anfang der 1990er-Jahre ins Rentenalter. Eine Folge sei, dass in den kommenden Jahren eine überproportionale Zahl von Praxen verkauft werde.

Zudem habe es einen Rückgang der Studienplätze gegeben. Heute könnten sich junge Ärztinnen und Ärzte aussuchen, ob sie in der Stadt oder auf dem Land praktizieren wollen, und die zunehmende Spezialisierung entziehe der Grundversorgung den Nachwuchs. Außerdem benötigten Krankenhäuser wegen der Neuregelung der Arbeitszeiten erheblich mehr Mediziner, um die Versorgung zu gewährleisten.

Junge Kräfte würden zudem mit anderen Lebensarbeitszeitmodellen in den Beruf gehen als ihre älteren Kollegen. Auch schrecke die Bürokratie vor dem Schritt in die Selbstständigkeit ab. Foto: Hans-peter Niesen

Die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) zieht aus dem sich im Landkreis Northeim abzeichnenden Ärztemangel den Schluss, dass bei der Arztansiedlung „Prioritäten für die Regionen“ gesetzt werden müssen, so nach Versorgungsgrad und Altersstruktur.

In diesem Zusammenhang verwies KVN-Geschäftsführer Harald Jeschonnek unter anderen auf Empfehlungen des Amtes für regionale Landesentwicklung Leine-Weser für Kommunen. Es empfiehlt unter anderem zur Begrenzung der Misere eine interkommunale Zusammenarbeit, Nutzung vorhandener Potenziale und das Anbieten neuer Praxis-Standorte.

Ein Punkt sei auch das Angebot von Arbeitsplätzen für die Partner von Ärztinnen oder Ärzten.

Harsche Kritik gab es in der Sitzung des Kreissozialausschusses von der CDU-Kreistagsabgeordneten Christel Eppenstein (Echte): „Die Kassenärztliche Vereinigung gehört abgeschafft, weil sie ihren Versorgungsauftrag nicht erfüllt.“

Auch SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, Uwe Schwarz (Bad Gandersheim), unterstrich, dass die Kassenärztliche Vereinigung einen Sicherstellungsauftrag für die Ärzteversorgung habe. Seine Fraktionskollegin Nadine Seifert-Doods (Kreiensen) vermisste „innovative Ansätze“ zur Lösung des Problems. Hans-Peter Niesen

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