Altersarmut nimmt zu

Bei 630 Senioren im Landkreis reicht die Rente nicht

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Northeim. Altersarmut nimmt auch im Kreis Northeim zu. Zur Zeit sind über 630 Menschen, die nicht in Altenheimen leben, auf staatliche Grundsicherung angewiesen, um ihren Lebensunterhalt betreiten zu können. Ihre Rente reicht nicht zum Leben.

Zwar sind damit derzeit nur knapp zwei Prozent aller über 65-Jährigen im Landkreis betroffen – insgesamt lebten Ende 2015 33 725 Menschen über 65 Jahre im Kreis Northeim – und Northeim liegt damit unter dem Bundes- und Landesdurchschnitt von 3,2 Prozent. Die Zahl der Leistungsempfänger steigt jedoch auch in der hiesigen Region. Seit der Einführung der Grundsicherung 2003 hat sich die Zahl der älteren Menschen, die ihre Rente mit Grundsicherung aufstocken, im Kreis Northeim fast verdreifacht.

Damals waren nach Angaben der Kreisverwaltung lediglich 246 Menschen auf ergänzende Sozialleistungen im Rentenalter angewiesen, 2010 waren es mit 487 bereits fast doppelt so viele, 2012 erhielten 527 Menschen Grundsicherung im Alter und Ende 2016 waren es 628.

Auch die Gesamtzahl der Grundsicherungsempfänger steigt. Solche Leistungen erhalten nämlich nicht nur Menschen im Rentenalter, die ihren Lebensunterhalt nicht über die Rente oder aus eigenem Vermögen bestreiten können, sondern auch diejenigen, die dauerhaft voll erwerbsgemindert sind.

Laut Kreis-Sprecher Dirk Niemeyer erhalten derzeit insgesamt rund 1500 Menschen Grundsicherungsleistungen. 42 Prozent davon sind Senioren, deren Rente zum Leben nicht reicht.

Frauen benötigen laut Statistischem Bundesamt im Rentenalter deutlich häufiger Unterstützung vom Staat als Männer: So waren im Juni 2016 bundesweit 59 Prozent der Personen, die Grundsicherung im Alter bezogen, Frauen. Grund: Sie erhalten in der Regel deutlich weniger Rente als Männer.

Antrag nötig

Grundsicherung können Rentner beantragen und Erwachsene, deren Erwerbsfähigkeit gemindert ist. Sie umfasst: • den gesetzlichen Regelsatz. Er beträgt bei Alleinstehenden 409 Euro, • angemessene Aufwendungen für Unterkunft und Heizung, • Mehrbedarf für Schwerbehinderungen, • eventuell Übernahme von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen. Wenn die Rente nicht reicht, um die oben genannten Posten zu decken, gibt es auf Antrag Grundsicherungsgeld vom Sozialamt obendrauf. Im Durchschnitt zahlte der Kreis 2016 monatlich 453 Euro pro aufstockendem Rentner aus. Das Geld kommt vom Bund. 

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