Westliche Trassenvariante noch nicht vom Tisch

Breiter Korridor fürs Erdkabel: Tennet bevorzugt im Landkreis Northeim die Ost-Trasse

Northeim. Netzbetreiber Tennet bevorzugt für die Gleichstrom-Erdkabelverbindung Suedlink von Schleswig-Holstein nach Bayern und Baden-Württemberg die östliche Trassenvariante durch den Landkreis Northeim. Das hat der Konzern jetzt bekannt gegeben.

Die Strecke soll aus Richtung Seesen kommend nahe des Harzhorns den Landkreis erreichen, östlich der A7 an Oldenrode und Düderode verlaufen, dann Richtung Osten südlich von Westerhof vorbei in den Landkreis Göttingen führen, um zwischen Dorste und Katlenburg wieder den Landkreis Northeim zu erreichen. Von dort geht die Trasse dann östlich an Lindau vorbei, um dann in einem erneuten Knick nach Osten in den Landkreis Göttingen zu führen.

„Wir haben jetzt einen vorläufigen Korridorvorschlag für Suedlink und Alternativen identifiziert, mit denen wir in das Genehmigungsverfahren gehen“, betonte Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung der Tennet TSO GmbH. Dem Konzern sei es wichtig, einen Korridor zu finden, der Mensch und Natur möglichst wenig belaste. Hinweise der Bürger vor Ort seien berücksichtigt worden. Das sei das Ergebnis der umfassendsten Bürgerbeteiligung, die es je für ein Netzausbauprojekt in Deutschland gegeben habe.

„Damit haben wir die Vorarbeiten für Suedlink abgeschlossen“, sagte Hartmann. „Jetzt kann der formelle Genehmigungsprozess starten, in dem die Bürger auch rechtliche Mitsprachemöglichkeiten haben.“ Tennet will ab Ende März Planungsstand und Beteiligungsmöglichkeiten auf Informationsveranstaltungen vorstellen.

Das Suedlink-Erdkabel soll ab dem Jahr 2025 als 500-Kilovolt-Gleichstrom-Erdkabelverbindung die windreichen Regionen Norddeutschlands mit Süddeutschland verbinden. Es soll in Wilster und Brunsbüttel (nördlich von Hamburg) beginnen. Endpunkte sind Grafenrheinfeld (Landkreis Schweinfurt) und Großgartach (Landkreis Heilbronn).

Fragen und Antworten zum Thema

Ist die westliche Trassenvariante damit vom Tisch?

Nein. Sie ist als Alternative weiterhin in der Diskussion. Damit sind auch die Verbindungen der Trassen, wo Tennet die Möglichkeit sieht, von einer Variante zur anderen zu wechseln, weiterhin Teil der Überlegungen des Leitungsbetreibers.

Wie genau ist mit der Entscheidung, dass die Ost-Trasse den Vorzug erhalten soll, festgelegt, wo das Erdkabel verläuft?

Nur sehr grob. Bisher existieren in den Planungen nur sogenannte Korridore, in denen das Erdkabel verlaufen soll. Diese Korridore sind laut Tennet bis zu einem Kilometer breit. Damit ist in den allermeisten Gegenden nur klar, ob das Erdkabel westlich oder östlich einer Ortschaft verlaufen soll.

Gibt es besonders kritische Bereiche im bevorzugten Korridor?

Tennet beurteilt die Durchquerung der Rhume- und der Oderaue bei Lindau als problematisch, glaubt aber FFH-Gebiet (FFH=Flora-Fauna-Habitat) und das Naturschutzgebiet dort mit nur geringen Störungen mit der Leitung passieren zu können.

Suedlink: Die von Tennet bevorzugte Trasse (rot) soll von Seesen kommend den Landkreis Northeim erreichen. Von Katlenburg-Lindau geht sie quer durchs Eichsfeld nach Duderstadt

Gibt es weitere schwierige Streckenabschnitte?

Laut Tennet kaum. Zwischen Westerhof (Kreis Northeim) und Nienstedt (Kreis Göttingen) muss ein Wald durchquert werden. Um ein zusätzliches Durchschneiden der Waldfläche zu vermeiden, soll das Erdkabel dort entlang der Straße verlegt werden, die beide Orte verbindet.

Wie geht das Planungsverfahren nun weiter?

Tennet und TransnetBW, die zusammen Suedlink planen, wollen Ende nächster Woche bei der Bundesnetzagentur den Antrag auf Bundesfachplanung einreichen. Anschließend wird die Bundesnetzagentur Antragskonferenzen veranstalten, bei denen die sogenannten Träger öffentlicher Belange (unter anderem Landkreise, Städte und Gemeinden, aber auch Umweltverbände) gehört werden. Auch Bürger können an diesen Konferenzen teilnehmen.

Dann wird die Bundesnetzagentur einen Trassenverlauf festlegen, erläuterte Tennet das Verfahren. Dann beginnt das sogenannte Planfeststellungsverfahren, bei dem der exakte Verlauf des Erdkabels innerhalb des vorgesehenen Trassenkorridors festgelegt wird. Nach wie vor sieht der Zeitplan vor, dass Suedlink 2025 in Betrieb gehen soll. 

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Rubriklistenbild: © Symbolfoto: picture alliance / dpa

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