Antrag im Kreistag

Hebammen im Landkreis Northeim Mangelware: SPD will Einrichtung von Zentrale

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Hebammen sind Mangelware im Landkreis Northeim. Die optimale Nutzung der vorhandenen Ressourcen könnte eine Hebammenzentrale koordinieren. Deren Einrichtung soll die Landrätin prüfen.

Landkreis Northeim. Der Landkreis Northeim braucht eine kommunal geförderte Hebammenzentrale - dessen sind sich die SPD-Kreistagsfraktion und die Gruppe FDP/GfE sicher. 

Einen entsprechenden Antrag stellen sie in der heutigen Sitzung des Kreistags. Die Anzahl der tätigen Hebammen im Landkreis Northeim ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Um die Hebammenversorgung zu verbessern, will die SPD-Kreistagsfraktion, gemeinsam mit der Gruppe FDP/GfE, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel in der heutigen öffentlichen Sitzung des Kreistags damit beauftragen, ein Konzept für eine kommunal geförderte Hebammenzentrale zu erarbeiten.

„In Hannover, Osnabrück oder auch Gifhorn gibt es diese Einrichtungen bereits“, erklärt Hebamme Ingrid Lohmann. Eine derartige Zentrale könne die Hebammenversorgung im Landkreis koordinieren – dazu gehöre, Bedarf und Deckungslücken zu erfassen sowie die Vermittlung von freien Ressourcen, heißt es dazu im Antrag der SPD.

Die Schließungen der Geburtenstationen in Bad Gandersheim und Einbeck haben für eine Welle der Abwanderung von Hebammen in die Großstädte gesorgt, sagt Lohmann. Zunehmende Auflagen in der Freiberuflichkeit täten ihr Übriges. 30 Hebammen gibt es aktuell im Landkreis, teilte Kreissprecher Dirk Niemeyer auf Anfrage mit. Darunter leide besonders die häusliche und ambulante Versorgung der Familien nach der Geburt und im ersten Lebensjahr – der Bedarf der Mütter und Familien kann nicht mehr gedeckt werden. 

„Ich allein muss pro Woche fünf Mütter ablehnen, die betreut werden wollen – und bei den Kolleginnen sieht es nicht anders aus“, so Ingrid Lohmann. Auch könnten sich die Geburtshelferinnen untereinander bei Krankheit oder Urlaub nicht vertreten. Die Einrichtung einer Hebammenzentrale sei daher sehr zu begrüßen.

Die Landrätin soll außerdem ein Konzept zur finanziellen Unterstützung von Hebammen bei der Existenzgründung und bei der Wahrnehmung der Pflichtfortbildungen prüfen, beantragen SPD, FDP und GfE gemeinsam.

Landkreis bietet Weiterbildung zur "Fachkraft Frühe Hilfen"

Seit 2008 bietet der Landkreis Northeim eine Weiterbildung zur sogenannten Familienhebamme an. Seit 2016 können sich aber auch Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger, seit 2018 sogar Gesundheits- und Krankenpfleger zur Fachkraft Frühe Hilfen weiterbilden lassen. 

Grund: Seit 2016 hat sich im Landkreis Northeim keine Hebamme mehr - trotz Übernahme der Kosten - zu dieser Weiterbildung entschieden. Dies teilte der Landkreis auf HNA-Anfrage mit. Der Bedarf an diesen Fachkräften sei hoch: Aktuell gibt es insgesamt sieben von ihnen im Landkreis, darunter drei Familienhebammen. Diese werden derzeit jedoch ausschließlich in Familien mit besonderem Betreuungsbedarf eingesetzt.

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