Keller werden leergepumpt - Sicherung mit Sandsäcken

Hochwasser im Kreis Northeim: Stadion mit Sandsäcken gesichert

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Großeinsatz am Nachmittag: Das Northeimer Stadion wird mit Sandsäcken gesichert. 

Landkreis Northeim. Die Hochwasserlage im Kreis Northeim bleibt angespannt. Wir halten Sie hier zum Hochwasser im südlichen Niedersachsen aktuell auf dem Laufenden.

Artikel wurde aktualisiert um 17.39 Uhr.  

Am Nachmittag lief ein Großeinsatz der Feuerwehr am Gustav-Wegner-Stadion in Northeim. Weil in den kommenden Stunden mit einem Anstieg des Rhumepegels um 18 Zentimeter gerechnet werden muss, wurde das Stadion am Nachmittag mit 2000 Sandsäcken gesichert, sagte Stadtbrandmeister Günther Brünig. Fast 50 Feuerwehrleute aus Northeim und umliegenden Ortschaften waren im Einsatz. Die Rhume verläuft in direkter Nachbarschaft zum Stadion. 

Schon seit Montagabend wird befürchtet, dass das Stadion überflutet werden könnte - durch die Dauerregen-Fälle steigt der Rhume-Pegel. 

Mitglieder der Eintracht Northeim kontrollierten seitdem regelmäßig, ob die Rhume über die Ufer trat. Am Dienstagabend bat die Eintracht dann schließlich auf Facebook um Hilfe: Mehrere Hundert Sandsäcke mussten auf dem Bauhof der Stadt Northeim gefüllt werden, mit denen das Stadion vor Wassermassen geschützt werden sollte. 

In Northeim wurden Sandsäcke gepackt und geschleppt, um dem Verein Eintracht Northeim zu helfen.

Dafür wurden Freiwillige gesucht. Nicht nur zahlreiche Feuerwehrleute, sondern auch Bürger Northeims unterstützten ihre Fußballer. Die Sandsäcke wurden gefüllt und am Sportplatz verteilt. Der Wall aus Sandsäcken half zumindest in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch gegen die Wassermassen - nun sollen weitere Sandsäcke auch am Mittwoch helfen und die Überflutung verhindern. 

Einsätze, Straßensperrungen und Überflutungen in ganz Südniedersachsen

Im Landkreis Goslar wurde kurz nach 12.30 Uhr offiziell Katastrophenalarm ausgelöst. Das bedeutet, dass der Katastrophenschutzstab zuständig ist.

Am Nachmittag gab es Entwarnung aus dem Harz: Es habe aufgehört zu regnen, twitterte die Polizei. Die Pegelstände würden sinken.

Viele Pendler, die mit der Deutschen Bahn unterwegs sind, haben in Niedersachsen mit dem Hochwasser zu kämpfen. Wegen Erdrutschen und diversen Straßensperrungen kommt es im Bahnverkehr am Mittwoch immer wieder zu Verspätungen und Ausfällen von Zügen.

In der Gemeinde Kalefeld waren seit Mittwochmorgen alle verfügbaren Feuerwehrkräfte im Einsatz. Das Waldschwimmbad in Düderode drohte, zu überfluten. 

Dort drückt das Wasser eines unterirdisch geführter Baches drückt nach oben. Feuerwehr pumpte am Mittwochmittag ab. Die Lage wurde von den Einsatzkräften unter Kontrolle gebracht. Die Technik ist durch das Hochwasser nicht beschädigt worden. Der Schwimmmeister ist optimistisch. Das Volleyball-Turnier und die Big-Pool-Party können dort am Wochenende wahrscheinlich stattfinden. 

Außerdem müssen vollgelaufene Keller leergepumpt und umgestürzte Bäume von der Fahrbahn geräumt werden. Ein Einsatzschwerpunkt ist die Ortschaft Willershausen.

In Bad Gandersheim hat die Polizei am Dienstagabend und auch Mittwochmorgen wieder Autobesitzer aufgefordert, ihre Fahrzeuge aus der Innenstadt zu entfernen. "Das ist eine reine Präventivmaßnahme", sagte ein Polizeisprecher. Der Bach Gande droht, über die Ufer zu treten und die Innenstadt zu überfluten. "Noch haben wir etwas Luft, aber das Regenrückhaltebecken bei Seboldshausen hat nur noch für etwa eine Stunde Luft, dann muss Wasser in die Gande abgelassen werden", so der Polizeisprecher weiter.

Im Auewäldchen am Gustav-Wegener-Stadion ist ein großer Baum in die Rhume gestürzt.

Wernigerode: Frau wird vermisst

Während des Dauerregens ist in Wernigerode im Harz eine 69-Jährige in der Nähe eines Flusslaufes verschwunden. Die Frau wohne direkt an der Holtemme, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Frau am Dienstag in den stark angestiegenen Fluss gefallen ist. Die 69-Jährige wurde bis zum Mittag noch nicht gefunden.

Unfall wegen umgestürztem Baum in Northeim

Auf der Straße zum Hotel Freigeist im Waldgebiet Gesundbrunnen war ein 25-jähriger Autofahrer aus Göttingen frontal in einen umgestürzten Baum gefahren. Der Göttinger kam mit leichten Blessuren davon, an seinem BMW entstand mit 5000 Euro Totalschaden. Einsatzkräfte der Northeimer Feuerwehr räumten den Baum erst am Mittwochmorgen zur Seite, weil befürchtete wurde, dass die Straße überspült ist. Das bedeutete für Mitarbeiter und Gäste des Freigeist: Eine eher unfreiwillige Nacht im Hotel.

Aktuell ist wegen eines Unfalls mit einem umgestürzten Baum die Straße im Rodetal zwischen Nörten-Hardenberg und Reyershausen gesperrt. Dort ist ein Lkw verunglückt. Weitere Informationen sind derzeit nicht bekannt. In der Northeimer Innenstadt sind Feuerwehrkräfte aktuell an zahlreichen Einsatzstellen mit dem Auspumpen von Kellern beschäftigt, ein Schwerpunkt ist die Berliner Allee/Siemensstraße.

Straßen in und um Northeim gesperrt

An der Leinemühle zwischen den Northeimer Ortschaften Hillerse und Sudheim kämpfen die Feuerwehrleute dagegen an, dass das Leinehochwasser den Hof überschwemmt. Mit Pumpen versuchen sie das Wasser abzupumpen. Außerdem sind weitere Einsatzkräfte angefordert worden, die Sandsäcke befüllen, um das Wasser zurückzuhalten. Obwohl es am Mittwochmittag aufgehört hatte zu regnen, stieg in diesem Bereich der Leinepegel wieder an.

Auch an der Leinemühle zwischen den Northeimer Ortschaften Hillerse und Sudheim gab es am Mittwoch viel für die Einsatzkräfte zu tun. Die Feuerwehrleute kämpften dagegen, dass das Wasser der Leine den Hof nicht komplett überschwemmt.

In der Stadt Northeim wurden und werden weiterhin Keller ausgepumpt. Die Straße zwischen Northeim und Hollenstedt ist überflutet und daher voll gesperrt.

Im Alten Amt waren die Wehren ebenfalls im Dauereinsatz. An mehreren Stellen drohten aufgeweichte Hänge abzurutschen.

Überschwemmte Straßen: Auch zwischen Willershausen und Düderode steht das Wasser.

Aufgrund von Überflutungen wurden im Landkreis zahlreiche Straßen gesperrt: Nicht befahrbar waren die Kreisstraßen zwischen Wenzen und Hallensen, zwischen Brunsen und Stroit, zwischen Eilensen und Krimmensen und zwischen Pinkler und Einbeck. Außerdem sind der Verbindungsweg zwischen Holtensen und Juliusmühle und zwischen Kl. Varlenkamp und Bismarckstraße in Einbeck gesperrt.

Auch die Bundesstraße zwischen Echte und Imbshausen war erneut betroffen.

Im Rodetal bei Nörten-Hardenberg ist der Rodebach über die Ufer getreten und sorgt für Überflutungen, ähnlich sieht es im Bereich Bishausen aus.

Überschwemmungen im Kreis Göttingen und Uslar

Tief „Alfred" hat weite Teile des Landkreises Northeim buchstäblich unter Wasser gesetzt.
  • Die Feuerwehr ist weiter im Stadtgebiet Northeim im Einsatz, um weitere vollgelaufene Keller leer zu pumpen, unter anderem in der Berliner Allee, in der Eichenstraße und am Nordring. Zur Unterstützung wurden die Feuerwehren aus Denkershausen und Lagershausen ins Stadtgebiet alarmiert.
  • Die weiter steigenden Pegelstände machen Vize-Ortsbrandmeister Sebastian Schipper Sorgen: "Wir können nur ahnen, was uns heute Abend und in der Nacht noch erwartet."

Tief Alfred: Hochwasser auch im Harz

Tief Alfred hatte weite Teile des Landkreises Northeim buchstäblich unter Wasser gesetzt. Seit dem frühen Montagmorgen hatte es quasi ununterbrochen geregnet und durch intensive Regenmengen so manchen Keller überflutet. Auch einige Flüsse im Vorharz traten über die Ufer. Die Innenstadt von Goslar war am Mittwochvormittag laut Polizei gesperrt.

Ebenfalls stark betroffen war Bad Harzburg im Landkreis Goslar. Ein Twitter-Nutzer filmte die Überschwemmungen auf einer Straße in der Stadt, die auch ein Heilbad ist.

Betroffen war am Mittwochmittag zudem Rhüden - ein Staddteil von Seesen, das sich im Kreis Goslar befindet. 

Hochwasser: Meldestufen und Pegel

Laut Carsten Rohde, der in seiner Baumschule in Moringen-Kirchberg eine Wetterstation betreibt, fielen allein von Montagfrüh bis Dienstagfrüh um 6.30 Uhr im Raum Moringen 57 Millimeter Regen. Eine private Wetterstation in Echte vermeldete von Montagvormittag bis Dienstag gegen 11 Uhr sogar fast 90 Millimeter Regen pro Quadratmeter. Das entspricht mehr als der Monatsdurchschnitt, der für den Landkreis Northeim bei 70 bis 80 Millimetern liegt.

Auch die Wasserstände an den Flüssen insbesondere im östlichen Landkreis Northeim stiegen seit Montag stark an. Gegen 10 Uhr am Dienstag waren an den Pegeln der Rhume bei Elvershausen und Northeim sowie an der Leine bei Greene (hier mit 2,30 Meter über Normalpegel) die Meldestufe zwei erreicht. 

An der Innerste im Bereich Rhüden war sogar schon die Meldestufe drei mit deutlichen Überflutungen erreicht.

Rückhaltebecken in Salzderhelden

Das Hochwasserrückhaltebecken in Salzderhelden hat am Dienstag um 6 Uhr die Schotten abgesenkt und mit dem Einstau begonnen, sagte der Pressesprecher des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtsschaft, Küsten- und Naturschutz, Achim Stolz. Gegen Dienstagmittag waren die Polder allerdings noch nicht einmal zu acht Prozent gefüllt. Damit sei eine kontrollierte Unterwasser-Abgabe in der Leine gewährleistet, allerdings würden im Mittel- und Unterlauf der Leine die Pegelstände noch weiter steigen, sodass es wahrscheinlich auch noch zur Überschreitung der Meldestufe 3 an manchen Leinepegeln kommen werde.

So gut wie nicht betroffen von stark steigenden Pegelständen ist die Weser, da Tief „Alfred“ in ihrem Einzugsgebiet kaum Starkregen-Mengen niedergehen ließ.

Viele Freiwillige Feuerwehren sind seit Montagabend im Dauereinsatz.

Feuerwehren seit Montag im Einsatz

Viele Freiwillige Feuerwehren sind seit Montagabend im Dauereinsatz. Im Alten Amt wurden auf dem Bauhof Oldershausen Sandsäcke befüllt. Im Bereich Willershausen drohten, Bäche über die Ufer zu treten.

Schon am Montagabend sorgten die Dauer-Regenfälle für Einsätze: Die Northeimer Feuerwehr war bis in die frühen Dienstagmorgen mindestens 20-mal im Einsatz im Northeimer Stadtgebiet. Im Bereich Nordring, Berliner Allee, Pommernstraße, Friedrichstraße und Fontaneweg mussten die fast 50 Einsätzkräfte der Feuerwehr Keller leerpumpen.

Wir aktualisieren unsere Berichterstattung laufend weiter.

www.pegelonline.nlwkn.niedersachsen.de

Gustav-Wegner-Stadion in Northeim von Hochwasser bedroht

Hochwasser nach Dauerregen im Kreis Northeim

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