Kaum Interessenten für den Beruf des Priesters

Landkreis Northeim: Katholische Pfarrer fehlen überall in den Gemeinden

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Schön und groß, aber bald ohne eigenen Pfarrer: Die St.-Peter-und-Paul-Kirche in Lindau. Ob es ab Oktober noch jeden Sonntag eine Messe geben kann, ist fraglich.

Die Zahl der katholischen Pfarrer im Kreis Northeim geht immer weiter zurück. Hatte noch vor Jahrzehnten jede Pfarrkirche den eigenen Geistlichen, so ist die Zahl der Priester, die verantwortlich eigene Gemeinden betreuen, kreisweit bald auf drei geschrumpft.

Jüngstes Opfer des Pfarrerschwunds wird die Gemeinde St.-Peter und Paul in Lindau sein.

Grund für die Nichtwiederbesetzung der Pfarrstellen ist nicht etwa der Rückgang der Gläubigen oder eine Sache der Finanzen. Es fehlt an Priesternachwuchs, wie die Pressestelle des Bistums Hildesheim auf Anfrage bestätigt. Im Eichsfeldort Lindau, seit Jahrhunderten kirchlich dem Eichsfeld zugehörig und damit konfessionell in der Mehrheit katholisch, wird Ende September Pater Alex George die Gemeinde verlassen.

Diese hatte zuletzt mit Bilshausen/Renshausen und Krebeck einen Verbund gebildet. Eine Neubesetzung werde es wegen Priestermangels nicht geben, bestätigte Bistumssprecher Volker Bauerfeld. Stattdessen sollen die Gemeinden von einem Pastoralteam mit Priestern aus mehreren Orten geleitet werden. Dies war für Lindau zwar vorher schon der Fall. Künftig werden die Pfarrer aber noch von weiter her kommen. Der Pfarrer aus Gieboldehausen und der Dechant aus Duderstadt sollen übernehmen, unterstützt von einem neuen Pfarrvikar und einem Gemeindereferenten.

Auch in anderen katholischen Gemeinden im Landkreis sind die Personalprobleme seit Jahrzehnten zu spüren. Viele, wie zum Beispiel Hardegsen-Nörten, Northeim-Moringen-Kalefeld, oder Einbeck-Uslar-Bodenfelde-Dassel bilden eine Pfarreinheit und werden von einem zentralen Team von Geistlichen und Hilfsgeistlichen betreut.

Unterstützt werden sie von Laien mit Wortgottesdiensten und von Ruhestandsgeistlichen, damit wenigstens hin und wieder Gottesdienste in allen Gotteshäusern laufen können. Vereinzelt werden Kirchen ganz geschlossen. So geschehen in Kalefeld 2015. In Volpriehausen bemüht man sich aus dem Dorf eifrig darum, dass weiter in der örtlichen Kirche Leben herrscht.

Ab Oktober wird der katholische Pfarrgemeindeverbund Lindau/Bilshausen-Renshausen/Krebeck keinen eigenen Pfarrer mehr haben, denn Pater Alexander (Alex) George verlässt die Gemeinde, um wieder in seine Orden nach Braunschweig zurückzukehren. 

Das bestätigte jetzt offiziell Bistumssprecher Volker Bauerfeld. Die katholische Kirchengemeinde in Lindau weiß das natürlich schon etwas länger, und sie ist von Vorgängen, die sich im Vorfeld vor dem Weggang des Geistlichen abgespielt haben, nicht begeistert, ja sogar verärgert, wie Hans-Joachim Strüder vom Kirchenvorstand der St.-Peter-und-Paul-Gemeinde Lindau bestätigt. Hinzu komme nach seinen Worten, dass auch der in Lindau durchaus beliebte Ruhestandgeistliche, Pastor Hans-Peter Miebach, den Pfarrverband ebenfalls verlässt. 

Bereits Ende Juni zieht er um nach Celle. Beide Geistlichen wären gern bereit gewesen, zu bleiben, doch das Bistum habe dies mit Hinblick auf die angestrebten größeren Einheiten im überpfarrlichen Personaleinsatz, auf die man in Hildesheim setze, anscheinend nicht gewollt. Strüder: „Pater Alex wäre gern noch bis 2023 geblieben, wenn man ihn nicht gezwungen hätte, nach Gieboldehausen zu gehen. Bei Pastor Miebach sei der Bleibewille daran gescheitert, dass man ihm den Kauf des Brunnenhauses in Renshausen wegen der Personalplanung des Bistums verwehrt habe. „Das Ganze sei eine unmögliche Situation, denn die Kirche lässt die Landgemeinden immer mehr ausbluten. Ich bin sehr erbost“, macht Strüder seinem Ärger Luft. 

Die Personalsituation ab Oktober werde dazu führen, dass es in der großen St.-Peter-Paul-Kirche, von der aus die örtliche Gemeinde mit rund 1300 Gläubigen betreut werde, keine wöchentliche Sonntagsmesse mehr geben wird. „Wir werden zwar versuchen, das mit Laienpredigern zu kompensieren, doch die müssen wir erst einmal ausbilden.“ 

Vonseiten des Bistums in Hildesheim werden keine anderen Hintergründe für die Personalentscheidungen als die der generellen Personaleinsparung genannt. Die Zusammenlegung der Gemeinden Lindau/Bilshausen-Renshausen/Krebeck mit Gieboldehausen (dazu gehören auch die katholischen Gemeinden Wollbrandshausen und Bodensee) sei ohnehin bis 2025 geplant gewesen. Die Umstrukturierung werde nun eher vollzogen, so der Sprecher. 

Bistum: Nur acht Priester in der Ausbildung

Es gebe kaum junge Leute, die den Priesterberuf ergreifen wollen, sagt Bistumssprecher Volker Baufeldt. Auf Ebene des Bistums Hildesheim gebe es gerade einmal acht Priesteramts-Kandidaten. Interessenten für das ehelose Amt, für das man sich auch berufen fühlen müsse, zu gewinnen, sei nicht einfach. Das Bistum setze deswegen auf Pastoralteams.

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