Rettungsverband möchte Haus übernehmen 

Landkreis Northeim will Freizeitheim für einen Euro abgeben

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Wurde zum 1. Februar 2019 geschlossen: Das ehemalige Jugendfreizeitheim des Landkreises Northeim in Silberborn im Solling. 

Für einen symbolischen Euro soll der Landkreis Northeim das ehemalige Jugendfreizeitheim Silberborn an den Allgemeinen Rettungsverband Niedersachsen-Süd verkaufen. Das hat der Jugendhilfeausschuss dem Kreistag während seiner Sitzung in Moringen einstimmig empfohlen. Entscheiden muss der Kreistag.

Der Rettungsverband überzeugte den Ausschuss mit seinem Konzept. Er will in der Immobilie Schulungen anbieten – etwa im Bereich Erste Hilfe oder für die eigenen vier Rettungshunde-Staffeln, führte Sven-Uwe Thomas aus, der Bereichsleiter des Verbands in Göttingen. Ferner beabsichtigt der Verband, die Einrichtung weiterhin Schulklassen, Sportvereinen und anderen interessierten Gruppen zur Verfügung zu stellen.

Das verspreche „eine gute Auslastung“ lobte Ausschussmitglied Peter Traupe (SPD). Sie hatte im Jugendfreizeitheim zuletzt nur noch bei 35 Prozent gelegen. Dass die bisherigen Nutzer weiter willkommen seien, gefiel Hans-Dietmar Kreitz (CDU). Davon profitiere auch der Turnkreis Northeim-Einbeck, der sich intensiv an der Diskussion um die Schließung Ende Januar 2019 beteiligt habe, ergänzte Ausschussvorsitzende Christina Münder (SPD).

Positiv vermerkte der Ausschuss zudem, dass der Rettungsverband investieren will. Die Anschubfinanzierung belaufe sich auf 200 000 Euro, kündigte Geschäftsführer Markus Kaczmarek an. Weitere 185 000 Euro sollten im Laufe der ersten drei Jahre fließen. Mit dem Geld würden unter anderem Nachbesserungen beim Brandschutz vorgenommen und mehr Barrierefreiheit geschaffen.

Verband will 385.000 Euro investieren

Allerdings will der Verband nicht mehr als einen symbolischen Euro für das 33 000 Quadratmeter große Areal zahlen. „Eine Frechheit“ sei das, empörte sich Ratsherr Lothar Baumelt (Northeim 21). In der Bilanz des Landkreises sind Grundstück, Gebäude und Sachvermögen mit einem Wert von 358 000 Euro ausgewiesen.

Allerdings ist es der Verwaltung nicht gelungen, einen seriösen Bieter zu finden, der mehr als einen Euro zahlen will. Einem Interessenten, der einen Fetischclub errichten wollte, erteilte Northeim eine Absage.

„Wir investieren die 385 000 Euro, die uns dafür zur Verfügung stehen, lieber in die nachhaltige Nutzung“, verteidigte Geschäftsführer Kaczmarek das Angebot seines Verbands.

Auch der zweite Bieter, das Evangelische Ferienwerk Kurhessen, will nur einen Euro zahlen. Der Verein fordert darüber hinaus vom Landkreis noch einen jährlichen Zuschuss von bis zu 80 000 Euro. „Wir gehen zunächst von einem jährlichen Defizit in dieser Höhe aus“, führte Geschäftsführerin Bettina Bönning während der Ausschusssitzung aus.

Anders als der Allgemeine Rettungsverband will das Ferienwerk keine eigenen Mittel in das Heim stecken. Jährliche Investitionen in Höhe von 25 000 Euro beabsichtigt es, aus den Einnahmen zu finanzieren.

Kritisch sehen einige Ausschussmitglieder, dass sowohl der Rettungsverband als auch das Familienwerk das ehemalige Jugendfreizeitheim Silberborn mit 450-Euro-Kräften bewirtschaften wollen.

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