Zehn Prozent der Fläche als Ziel bis 2020

Weniger Holzernte: Landeswälder sollen wilder werden

Northeim. Niedersachsen möchte den Anteil der landeseigenen Waldflächen, auf denen Pflegemaßnahmen und Holzernte unterbleiben, bis zum Jahr 2020 auf zehn Prozent erhöhen.

In diesem Zusammenhang ist auch im Landkreis Northeim die Bevölkerung aufgerufen, Flächen aus den Landesforsten vorzuschlagen, die künftig sich selbst überlassen werden sollen. Ziel ist es, dort Flora und Fauna eine uneingeschränkte Entwicklung zu ermöglichen und die biologische Vielfalt zu erhöhen.

„Im Landkreis Northeim gibt es bereits mehrere solcher Flächen“, sagt Ralf Sepan, der als Leiter der Revierförsterei Hardegsen für einen Teil der niedersächsischen Forsten in der Region zuständig ist.

Er empfiehlt interessierten Bürgern, sich auf dem Internetportal der Forstlichen Versuchsanstalt zu informieren und ihre Vorschläge bis zum 18. Dezember schriftlich einzureichen.

Der Appell des niedersächsischen Landwirtschaftsministers Christian Meyer (Grüne), auch Privatwaldbesitzer und Kommunen sollten sich nach Möglichkeit beteiligen und Naturwaldflächen zur Verfügung stellen, stößt im Landkreis Northeim allerdings auf wenig Resonanz.

„Für kommunale oder genossenschaftliche Wälder ist das nicht darstellbar“, sagt Siegfried Arndt, der sowohl für die Stadtwälder in Northeim und Moringen als auch für mehrere Genossenschaftswälder in der Region als Förster zuständig ist.

„Eine Bereitstellung von Flächen hätte Einnahmenverluste zur Folge, die die Haushalte zusätzlich belasten würden“, sagt er und betont, dass der Naturschutz bei der modernen, auf Nachhaltigkeit ausgelegten Forstbewirtschaftung ohnehin schon viel mehr berücksichtigt werde als das in den vergangenen Generationen der Fall gewesen sei.

Ökonomie und Ökologie müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen“, sagt Arndt. Er sieht die Gefahr, dass bei zunehmendem Verzicht auf die Bewirtschaftung von Waldflächen der Rohstoff Holz knapp werden könnte und plädiert für eine weitere nachhaltige Nutzung der Bestände.

Auch Philip von Oldershausen, der mit seiner Firma Oldershausen Holz & Forstservice GmbH 900 Hektar Wald im Alten Amt und 400 Hektar bei Imbshausen bewirtschaftet, sieht den Appell des niedersächsischen Landwirtschaftsministers kritisch.

„Es ist ja schön, wenn das Land einen Teil seiner Flächen aus der Bewirtschaftung herausnimmt“, sagt er. „Aber wenn man möchte, dass sich private Waldbesitzer daran beteiligen, muss so etwas vertraglich geregelt werden.“ Das Bundesnaturschutzgesetz sehe ausdrücklich vor, entsprechende Regelungen mit Waldbesitzern zu treffen, aus denen hervorgeht, wie die jeweiligen Flächen zu behandeln sind und, vor allem, wie das vergütet werden soll.

„Das Zauberwort heißt hier Vertragsnaturschutz“, meint von Oldershausen. Auf Einnahmen aus dem möglichen Holzverkauf einfach zu verzichten, könne man nicht von privaten Waldeigentümern verlangen, da dies betriebswirtschaftlich unsinnig wäre. Darüber hinaus hätte eine Reduzierung der Holznutzung negative Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette und womöglich den Bedarf für mehr Holzimporte zur Folge. „Schützen durch Nützen“ müsse daher das Motto für die Bewirtschaftung von Waldflächen lauten, so von Oldershausen.

Rubriklistenbild: © nh

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.