Häusliche Gewalt könnte steigen

SPD will Frauenhaus mit Standort im Landkreis Northeim 

ARCHIV - 07.06.2016, Berlin: ILLUSTRATION - Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen (gestellte Szene). (zu dpa: "Häusliche Gewalt nimmt zu - über 600 Plätze in Frauenhäusern fehlen³) Foto: Maurizio Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Die SPD-Fraktion im Northeimer Kreistag fordert die Einrichtung eines Frauenhauses im Landkreis Northeim.

Einen entsprechenden Antrag hat jetzt die stellvertretende Fraktionschefin der Sozialdemokraten, Nadine Seifert-Doods (Kreiensen) eingereicht.

„Aufgrund der landesweiten Entwicklung von angezeigter häuslicher Gewalt gegen Frauen und deren Kinder halten wir diese Einrichtung für dringend notwendig“, betont die Kreienserin, die auch Sprecherin der SPD im Sozialausschuss ist. Der Landkreis Northeim gehöre zu den letzten im Land ohne eine entsprechende Einrichtung.

Nadine Seifert-DoodsVize-Fraktionschefin derSPD-Kreistagsfraktion

Laut Seifert-Doods gehen Fachleute von einer hohen Dunkelziffer im Bereich häuslicher Gewalt aus, weil Betroffene sich nicht meldeten. Diese Entwicklung werde vermutlich mit den Corona bedingten Kontakt-Beschränkungen noch verstärkt, zumal weder Lehrer noch Erzieher ihre Schützlinge und deren Mütter zu Gesicht bekommen.

Die Bereitschaft, sich in schützende Obhut zu begeben und auch Strafanzeige zu stellen, könne nur durch ein dichtes, bekanntes und wohnortnahes Netz von Gewaltschutzplätzen gefördert werden, so Seifert-Doods.

Nach den Vorstellungen der SPD-Kreistagsfraktion soll die Kreisverwaltung sowohl ein Modell als Außenstelle des Göttinger Frauenhauses oder anderer benachbarter, genutzter Einrichtungen als auch das Modell einer eigenständigen Einrichtung im Landkreis Northeim aufzeigen. Dabei könne aber nur das Modell zum Zuge kommen, das für die betroffenen Frauen und deren Kinder die schnellste und wirksamste Hilfe gewährleiste.

In Göttingen wird das Frauenhaus vom Verein „Frauenhaus Göttingen – Zuflucht, Beratung und Information für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder e.V.“ geführt. Die Einrichtung im Oberzentrum gibt es seit 1980.

Das Team des Frauenhauses Göttingen besteht aus Pädagoginnen und Sozialpädagoginnen. Tätigkeitsbereiche sind neben der Arbeit mit gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern auch Öffentlichkeits- und Präventionsarbeit. 

272 Fälle von häuslicher Gewalt im vorigen Jahr

Im Northeimer Kreisgebiet gab es in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich 243 Fälle von häuslicher Gewalt. Das betonte Polizeihauptkommissar Dirk Schubert vom Präventionsteam der Northeimer Polizeiinspektion. 

Einen Negativwert habe es 2017 mit 304 Fällen gegeben, seitdem seien die Zahlen rückläufig. Im vorigen Jahr seien 272 Taten angezeigt worden. Wie sich das Corona-Kontaktverbot auf die Statistik auswirken werde, könne man noch nicht sagen.

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