Problemfall Familiennachzug

Syrerin Hana aus Fredelsloh hofft auf Visum für ihre kleine Schwester

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Lale Kiel (rechts) überreichte Frauke Heiligenstadt zusammen mit ihrer Freundin Hana Matouk die bisher gesammelten Unterschriften. 

Moringen. Die Schülerin Lale Kiel kämpft derzeit mit einer Petition dafür, dass ihre syrische Freundin Hana Matouk nach zweieinhalb Jahren endlich ihre Familie wiedersieht.

Über 900 Unterschriften hat die elfjährige Lale Kiel innerhalb von zwei Wochen gesammelt. Die Schülerin der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Moringen möchte mit einer Petition ihrer syrischen Freundin Hana helfen und übergab die Listen mit den Unterstützern ihres Projektes nun der SPD-Landtagsabgeordneten Frauke Heiligenstadt. Auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) wird demnächst Post mit Lales Anliegen erhalten.

Der Grund: Lale Kiel kämpft darum, dass ihre Freundin Hana nach zweieinhalb Jahren endlich ihre Eltern und ihre kleine Schwester Layana wiedersehen darf.

Sechsjährige darf nicht mit

Die Familie war gemeinsam aus ihrer syrischen Heimatstadt Itleb (westlich der Hauptstadt Aleppo) geflohen. Ihre Wege trennten sich auf der Flucht nach Deutschland in der Türkei. Hana kam 2015 nach Niedersachsen, lebt nun seit gut einem halben Jahr bei ihrem Onkel in Fredelsloh.

Mit ihrer Anerkennung als Flüchtling stellte Hana einen Antrag auf Familiennachzug für ihre Eltern sowie ihre kleine Schwester. Ende 2017 bekamen die Eltern ein Einreisevisum für Deutschland – dies läuft am Sonntag, 11. März ab. Der sechsjährigen Layana hingegen wurde das Visum verweigert.

„In der Begründung, die wir vom Auswärtigen Amt bekommen haben, steht, das genug Wohnraum für ihre Eltern vorhanden ist, jedoch nicht für ihre kleine Schwester. Wie kann das denn sein?“, fragte Lale Kiel die Landtagsabgeordnete fassungslos.

Frauke Heiligenstadt, die Mitte Februar bei einem Besuch einer zehnten Klasse der KGS im Landtag erstmals von Hanas Geschichte erfuhr, versuchte allen Anwesenden die gegenwärtige Ausgangslage zu erklären. „Die derzeit offizielle Regelung sieht vor, dass nur ein Nachzug der direktesten Verwandten möglich ist. In Hanas Fall sind das ihre Mutter und ihr Vater“, erklärte die SPD-Politikerin.

Hanas kleine Schwester hingegen werde dieser Regelung nach momentan nicht als Verwandtschaft ersten Grades eingestuft, da sie der Mutter näher stünde als ihrer großen Schwester. „Das ist die offizielle Regelung, von der auch ich persönlich denke, dass sie wirklich schwierig ist“, so Frauke Heiligenstadt.

Auch sie könne den Gedankengang, der zu dieser Regelung geführt habe, kaum nachvollziehen. Deshalb vertrete ihre Partei den Standpunkt, dass dringend ein Gesetz hermüsse, dass die Zuwanderung klar regele, damit Schicksale wie das von Hana vermieden werden können.

Die Zeit drängt

Da der Landtag für eine Petition die falsche Adresse sei, weil die Entscheidungen über Ein- und Zuwanderung das Auswärtige Amt des Bundes treffe, versprach Frauke Heiligenstadt, die gesammelten Unterschriften mitsamt einem Schreiben von ihr dorthin weiterzuleiten. „Außerdem werde ich mich mit dem Fall an die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf, wenden und Kontakt mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen in dieser Angelegenheit Kontakt aufnehmen“, so Heiligenstadt weiter.

Ihr sei klar, dass die Zeit dränge, da das Einreisevisum von Hanas Eltern am 11. März ablaufe, doch ob und was sich binnen einer Woche machen ließe, vermochte auch die SPD-Politikerin nicht beurteilen. „Ich finde es aber ganz große Klasse, wie sich hier für Hana eingesetzt wird“, dankte sie Lale Kiel und ihrer Familie für die Unterstützung.

Land hat mit Betreuung viel zu tun

Die Geschichte von Hana Matouk sei leider kein Einzelfall, bestätigt die Landtagsabgeordnete Frauke Heiligenstadt. „Wir haben häufig auch Fälle, in denen Väter alleine nach Deutschland kommen, deren Frauen und Kinder noch im Herkunftsland leben“, schildert die SPD-Politikerin die Situation.

Zwar sollen diese dann mit einem Antrag auf Familiennachzug ebenfalls nach Deutschland geholt werden, häufig blieben die Väter jedoch mehrere Jahre alleine in Deutschland, bevor es mit dem Nachzug klappe, sofern es überhaupt genehmigt würde. Außerdem gäbe es auch zahlreiche sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Niedersachsen. 

Waren es vor einigen Jahren zwischen 200 bis 300 Fälle in Niedersachsen, stieg die Zahl ab 2015 auf rund 6000 Jugendliche. „Hierbei handelt es sich ausschließlich um Jugendliche, die keine Verwandten haben, die bereits in Deutschland leben, sondern wirklich unbegleitet hierher kommen und alleine hier leben“, erklärt Heiligenstadt.

Erhöhung des Haushalts 

Diese Zahl ist mittlerweile bereits wieder gesunken, da einige von ihnen inzwischen volljährig sind. Damit das Land die Jugendlichen entsprechend betreuen kann, wurde der Etat des Landes im Nachtragshaushalt um 130 Millionen Euro erhöht, so Heiligenstadt. 

Geld, von dem die zwölfjährige Hana Matouk nicht einen Cent bekommt, wie Rona Kiel, Mutter von Lale, erzählt. „Hanna bekommt keinerlei finanzielle Unterstützung. Alles, was sie zum Leben braucht, muss ihr Onkel für sie aufbringen, der neben Hana selber noch vier kleine Kinder zu versorgen hat“, so Rona Kiel. 

Hanas Onkel arbeitet, bekomme jedoch aufgrund seiner in Deutschland nicht anerkannten Ausbildung auch nur den üblichen Mindestlohn. „Es fällt mir schwer nachzuvollziehen, wieso Hana keine Unterstützung vom Land erhält, wo sie doch ebenfalls alleine hier ist.“

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