Einige Praxen fanden eine Nachfolgelösung

Trotz Praxenaufgaben kein Ärztemangel im Kreis Northeim

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Hausarzt alter Prägung: Einzelpraxen – wie hier im Bild ein Arzt mit Patient in einer Landarztpraxis im brandenburgischen Briesen – gibt es im Kreis Northeim noch genügend. Die Nachfolgesuche für ältere Praxisinhaber gestaltet sich jedoch zunehmend schwierig. 

Northeim. Innerhalb von eineinhalb Jahren haben in Northeim drei Hausarztpraxen geschlossen, weil sie keine Nachfolger fanden, zuletzt am  Donnerstag die von Dr. Hans-Peter Greinert. 

Die Versorgung mit Ärzten in Northeim und im Kreis sei aber weiter gut, sagt der Vorsitzende des Northeimer Ärztevereins, Dr. Christian Steigertahl.

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Es gebe im Gegenzug auch Praxen, wie die von Dr. Klaus-Dieter Kalis in Kalefeld,von Dr. Gudrun Wemken in Katlenburg oder die Gynäkologie-Praxis von Dr. Claudia Schumann, die Nachfolgelösungen gefunden hätten. Zudem seien Fachärzte zum Beispiel aus der Helios-Klinik zusätzlich in den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) tageweise tätig.

Trotzdem, die Nachfolgesuche gestalte sich für ältere Ärzte, die ihre Praxen übergeben wollen, schwierig. In den drei Northeimer Fällen (Dr. Greinert, Dr. Bernhard Müller und Dr. Birgit Klöpper) habe auch die Mithilfe der Bezirkssstelle Göttingen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachen (KVN) nichts gebracht.

Teilzeit-Jobs beliebt

Steigertahl: „Viele Ärzte möchten lieber angestellt sein, als selbst Verantwortung für eine eigene Praxis mit Personal, Abrechnung und Hausbesuchen zu übernehmen.“ Auch zögen viele junge, vor allem weibliche Ärzte Teilzeit-Anstellungen vor.

Der Ärztevereinsvorsitzende schätzt, dass deswegen der Trend in Richtung Medizinische Versorgungszentren (MVZ) mit vielen angestellten Ärzten in einem Haus in den nächsten zehn Jahren deutlich zunehmen wird. Diese müssten nicht unbedingt von Kliniken betrieben werden, sondern könnten auch privat gegründet werden. „Die klassischen Hausbesuche, die viele Hausärzte heute machen, wird es dann in dieser Zahl allerdings sicher nicht mehr geben.“

Medizinische Versorgungszentren gibt es in Northeim, Einbeck und auch in Uslar, wo sich vor zwei Jahren im bestehenden Ärztehaus ein zweites mit vier Ärzten hinzugesellte.

107 Hausärzte im Landkreis

Laut KVN-Bezirksstelle Göttingen gab es 2014 im gesamten Landkreis Northeim 107 Hausärzte mit eigener Praxis. Neuere Zahlen liegen öffentlich noch nicht vor. Damals waren 40 Prozent älter als 60 Jahre. Damit lag der Landkreis über dem Landesdurchschnitt, der bei 32,5 Prozent lag.

Diese Situation dürfte sich zwischenzeitlich nicht wesentlich geändert haben. Von einer akuten Praxis-Schließungswelle wegen Überalterung, wie immer wieder auf der Straße oder an Stammtischen gemunkelt werde, könne aber keine Rede sein, betont Dr. Steigertahl. „Mir sind jedenfalls jetzt keine weiteren Kollegen bekannt, die in den nächsten zwei bis drei Jahren aufhören wollen.“

Derzeit gibt es laut Ärzteverein in Northeim immer noch 17 Allgemeinärzte. Hinzu kommen die Ortschaften Hohnstedt mit einer Ärztin sowie Sudheim und Langenholtensen mit je einem Arzt. In Moringen gibt es fünf, in Hardegsen vier, in Nörten und Katlenburg-Lindau jeweils sieben und in Kalefeld-Echte drei Allgemeinärzte.

Im Raum Uslar-Bodenfelde gibt es laut Internetseite der „Ärzte im Uslarer Land“ 20 Allgemeinärzte (einschließlich Adelebsen).

Dazu gibt es in der Kreisstadt Northeim laut Dr. Christian Steigertahl, Vorsitzender des Ärztevereins Northeim, etliche Orthopäden und Chirurgen, drei Neurologen, einen Anästhesisten, neun Nephrologen, drei Onkologen/Hämatologen, zwei Gastroenterologen, sechs Gynäkologen, zwei Urologen, eine Neurochirurgin, drei Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, einen Lungenfacharzt, drei Hautärzte, zwei Diabetologen, und sieben Psychotherapeuten. Die Internetseite „Ärzte im Uslarer Land“ zählt zehn Fachärzte auf.

Noch immer Überbesatz

Dank des weiterhin noch guten und über dem Landesdurchschnitt liegenden Ärztebesatzes gehört der Raum Northeim-Uslar und auch Einbeck weiterhin zu den so genannten „gesperrten Planungsbereichen“, bestätigt ein Sprecher der KVN-Bezirksstelle Göttingen. Eine freie Niederlassung, also eine Praxis-Neugründung, sei damit derzeit hier nicht erlaubt.

Einzige Möglichkeit für Mediziner, sich als Allgemeinärzte im Kreisgebiet selbstständig zu machen, besteht folglich darin, eine Altpraxis zu übernehmen. Doch das wollen viele junge Mediziner aus verschiedensten Gründen nur selten.

Angst vor Regressforderung

Neben der Arbeitszeit und der Verantwortung fürs Personal sei ein weiterer Grund gegen die Übernahme eine Praxis die Angst vor Regressforderungen, sagt der Northeimer Ärztevereinschef: „Wer aus Sicht der Kassen zuviel verschreibt, der bekommt das vom Honorar abgezogen.“

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