Der Arzt unterstützt Sanitäter hilft aus der Ferne

Landkreise Northeim und Goslar starten Telenotfallmedizin

Rettungswagen im Einsatz
+
Mit dem Rettungswagen sind die Sanitäter bei einem Notfall häufig schneller vor Ort als der Notarzt.

Hilfestellung aus der Ferne bekommen demnächst Rettungssanitäter bei Einsätzen in den Landkreisen Goslar und Northeim. In beiden Kreisen startet im kommenden Jahr ein entsprechendes Modellprojekt.

Northeim / Goslar – Wie die beiden Kreisverwaltungen mitteilten, startet die Telenotfallmedizin am 1. Januar im Landkreis Goslar, im Landkreis Northeim am 1. April. Das Projekt, an dem auch das Klinikum Oldenburg beteiligt ist, sei das größte in Sachen Telenotfallmedizin in Deutschland. Es soll laut Mitteilung dem Land Niedersachsen als Vorlage für eine landesweite Ausweitung dienen.

„Durch den Einsatz eines Telenotfallmediziners können wir im Handumdrehen einen Notarzt in den Einsatz schicken“, betonte Dr. Tobias Steffen, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Goslar. Das sei nicht nur als Unterstützung für die ausgebildeten Notfallsanitäter gedacht, sondern werde auch dazu beitragen, dass Einsätze schneller und effektiver erledigt werden.

Der Telenotfallmediziner sei ein zusätzlicher Notarzt und keine Konkurrenz für den konventionellen Notarzt, erklärt sein Northeimer Kollege Dr. Bodo Lenkewitz. Die Telenotfallmedizin sei als Ergänzung zu verstehen. Weiterhin, so teilten beide Landkreise mit, werden Notärzte für den Einsatz vor Ort zur Verfügung stehen.

Von der Arbeit der Telenotfallmediziner würden nicht nur Patienten in dünn besiedelten Gegenden wie dem Solling und dem Oberharz profitieren, sondern alle, sagte Lenkewitz im Gespräch mit der HNA. Sie ermögliche, dass die Notfallsanitäter bestimmte medizinische Maßnahmen, für die sonst ein Notarzt vor Ort sein muss, früher einleiten können.

Das Klinikum Oldenburg ist ins Projekt eingebunden, weil es Telenotfallmedizin für das Servicepersonal von Offshore-Windkraftanlagen und für Inseln in der Nordsee seit Jahren anbiete. Es liefere laut Mitteilung für das Projekt nicht nur technisches Know-how. Die Uni Oldenburg werde das Projekt außerdem wissenschaftlich begleiten.Notfallsanitäter sind für ihre Aufgabe speziell ausgebildet.

Der Telenotfallmediziner kann auf seinen Bildschirmen alle Daten sehen, die er zu Beurteilung des Patientenzustands und für eine Diagnose benötigt. Er ist ständig mit dem Notfallsanitäter vor Ort in Kontakt.

Über Datenleitung immer dabei

Erläuterungen zum Telenotfallmedizin-Projekt in Fragen und Antworten

Inwieweit benötigen sie die Unterstützung durch einen Telenotfallmediziner?

Ein Rettungssanitäter kann nach den Worten von Dr. Bodo Lenkewitz, Ärztlicher Leiter der Rettungsdienst des Landkreises Northeim, eigenverantwortlich nur eine begrenzte Menge an Behandlungen am Patienten vornehmen. Der Telenotfallmediziner kann dem Sanitäter darüber hinaus weitere Schritte anordnen und Hinweise geben.

Was sind die Aufgaben des Telenotfallmediziners?

Nach Lenkewitz´ Worten sind das drei:

-   Beratung: Bei Einsatzsituationen, bei denen kein Notarzt vor Ort sein muss, berät er die Notfallsanitäter. Das genügt beispielsweise bei der lebensbedrohlichen Unterzuckerung eines Diabetes-Patienten, die durch das Spritzen von Glukose beseitigt werden kann. Der konventionelle Notarzt bleibt für andere Notfälle frei.

-  Begleitung: Hat der konventionelle Notarzt eine weite Anfahrt, kann der Telenotfallmediziner beispielsweise bei einem Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt, der starke Schmerzen hat, anhand eines digital übermittelten EKGs die Diagnose stellen, die Gabe von starken Schmerzmitteln anordnen, die ein Sanitäter eigenverantwortlich nicht verabreichen darf. Später bleibt er während des Transports ins Herzkathederlabors die ganze Zeit mit dem Sanitäter verbunden. Die Therapie beginnt so schneller als mit einem konventionellen Notarzt.

-  Unterstützung: Der Telenotfallmediziner kann auch einen konventionellen Notarzt unterstützen. So ist laut Lenkewitz beispielsweise bei einem Notfall mit Kind die Umrechnung von Dosierungen kritischer Medikamente an einem ruhigen Telearbeitsplatz leichter fehlerfrei möglich als in einer hektischen Einsatzsituation vor Ort.

Gibt es einen Zusammenhang dieses Projektes mit der geplanten Zusammenlegung der Notarztstandorte Bad Gandersheim und Seesen?

„Beide Projekte sind nicht voneinander abhängig, ergänzen sich aber“, sagt Lenkewitz. Bei den Gesprächen über die Kooperation über die Kreisgrenze hinweg sei die Idee entstanden, auch im Projekt der Telenotfallmedizin zusammen zu arbeiten. Beide Landkreise, Northeim und Goslar, so erläutert Lenkewitz, hätten die gleichen Probleme, nämlich große Fläche, teils sehr dünn besiedelt, etwa vergleichbare Einwohnerzahl. So sei der Solling nach dem Harz die zweitgrößte zusammenhängende Waldfläche in Niedersachsen. Olaf Weiss

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.