Landrat Wickmann geht in den Ruhestand: Der Dirigent räumt seinen Platz

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Bei der 125-Jahr-Feier des Landkreises Northeim im Jahr 2010 hatte Michael Wickmann die Gelegenheit, sich so zu zeigen, wie er sich sah: als Dirigent, der den Takt angibt.

13 Jahre lang stand Michael Wickmann (SPD) an der Spitze des Landkreises Northeim. Zum 1. September geht er in den Ruhestand. Was hinterlässt er? In Fragen und Antworten ein Resümee seiner Amtszeit als Landrat.

Übergibt Michael Wickmann ein bestelltes Feld? 

Nein. Gerade die finanzielle Lage des Landkreises bedeuten für seinen Nachfolger und den Kreistag, dass einige schwierige und schmerzhafte Entscheidungen notwendig sind. Wickmann hat bis zu seinem Schlaganfall im Herbst vergangenen Jahres auf die schwierige Haushaltslage hingewiesen, gleichzeitig aber Optimismus verbreitet, der Landkreis könne sie aus eigener Kraft bewältigen. Inzwischen sehen einige die Situation deutlich pessimistischer.

Was sind die größten Erfolge seiner Amtszeit? 

Auf der Habenseite steht der Erhalt einiger wichtiger Institutionen des Landkreises. So sind das Northeimer und das Bad Gandersheimer Krankenhaus zwar nicht mehr in öffentlicher Hand, aber ihre Existenz konnte durch Privatisierung gesichert werden. Ihr Fortbestand oder gar ein Klinikneubau wäre in der Trägerschaft des Landkreises kaum möglich gewesen.

Gibt es weitere Erfolge in der Wickmann-Ära? 

Der Erhalt der Gandersheimer Domfestspiele, der nur durch die Überführung in die Trägerschaft einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) mit dem Landkreis, der Kreis-Sparkasse und der Stadt Bad Gandersheim als Gesellschafter möglich wurde, ist ebenfalls eng mit Wickmann verknüpft. Ebenso die Gründung der kreiseigenen Stiftungen. Sie stellen für den Jugend-, Sport- und Sozialbereich sowie für Kultur und Denkmalschutz kontinuierlich Geld in einer Größenordnung aus der EAM-Dividende bereit, wie es aus dem Kreishaushalt nicht möglich wäre.

Ist die gescheiterte Fusion mit den Landkreisen Göttingen und Osterode ein Erfolg oder eine Niederlage in Wickmanns Bilanz? 

Weil im Frühjahr 2013 die Zeit zu kurz war, alle offenen Fragen der Dreierfusion zu lösen, hat sich der Landkreis Northeim unter Wickmanns Führung aus den Gesprächen verabschiedet. Die Sorge, künftig von Göttingen fremdbestimmt zu werden, war zu groß. Auch wäre ein Fusion mit einer Reihe offener Fragen der Öffentlichkeit nur schwer zu vermitteln gewesen. Für ein abschließendes Urteil, ob der Ausstieg richtig war, ist es zu früh.

Was fällt dabei negativ ins Gewicht?

Der finanziell angeschlagene Landkreis Northeim steht zurzeit ohne potentiellen Fusionspartner isoliert da. Sollte er es nicht aus eigener Kraft schaffen - was einige befürchten -, seine Finanzlage nachhaltig zu verbessern, wird er mittelfristig zu einem Übernahmekandidaten, der bei einer Fusion keinerlei Bedingungen stellen kann. Auch eine Aufteilung des Kreisgebiets könnte dann ein Thema werden.

Was steht auf der Habenseite des Ausscherens aus den Fusionsverhandlungen? 

Der Landkreis kann einstweilen allein und selbstständig über seine Geschicke entscheiden.

Hat Wickmann sonst noch Zukunftsentscheidungen des Landkreises maßgeblich beeinflusst?

Sein Name ist sowohl mit dem Verkauf von EAM-Anteilen des Landkreises Northeim und weiterer Landkreise in Südniedersachsen, Nordhessen Thüringen und Nordrhein-Westfalens an den Eon-Konzern als auch mit deren Rückkauf verbunden. Der Verkauf diente der Entschuldung des Landkreises. Der über Kredite finanzierte Rückkauf sichert den Kommunen Einfluss auf die Energieversorgung im ländlichen Raum.

Mehr zum Thema in der Montagausgabe der Sollinger und der Northeimer HNA

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