Landvolk-Kreisverband schlägt Alarm

Die landwirtschaftliche Nutzfläche im Landkreis Northeim schrumpft seit Jahrzehnten

Landwirtschaft / Bauern / Pflügen mit dem 5-Schar-Pflug / Trecker / Traktor, Pflugverbot an Hängen und Steillagen
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Northeim – Äcker und Weiden dürfen nicht länger „in großem Stil“ als Bauland ausgewiesen werden, fordert der Geschäftsführer des Landvolks Northeim-Osterode, Gerhard Rudolph. Die Corona-Krise mache deutlich, wie wichtig regionale Lieferketten – auch bei der Lebensmittelversorgung – seien.

„Derzeit sollen in Dassel, Northeim und Nörten-Hardenberg bisher landwirtschaftlich genutzte Flächen bebaut werden“, kritisiert Rudolph. So gehe das nicht weiter. Die Bundesregierung habe das Ziel gesetzt, den Flächenverbrauch auf 30 Hektar pro Tag zu senken. Tatsächlich würden in Deutschland aber täglich 60 Hektar versiegelt.

Die landwirtschaftliche Nutzfläche im Landkreis Northeim hat sich in den vergangenen 39 Jahren um sieben Prozent – um 4559 Hektar – verringert, berichtet Annegret Vehling, die Pressesprecherin des Landesamts für Statistik Niedersachsen. Der Anteil der Agrarflächen an der gesamten Landkreisfläche sank im gleichen Zeitraum von 52 auf 48 Prozent. Gleichzeitig legten die Flächen für Wohnhäuser um 53 Prozent zu. Die Industrie- und Gewerbeflächen wuchsen um 170 Prozent, die Verkehrsflächen um 15 Prozent.

Landvolk-Kreisgeschäftsführer Gerhard Rudolph

Kritik am Flächenverbrauch wird von Bürgermeistern in der Regel mit dem Hinweis gekontert, anders sei eine wirtschaftliche Entwicklung der Kommune nicht möglich. Junge Familien würden dorthin ziehen, wo es Arbeitsplätze und Bauland gebe. Innerörtliche Brachflächen lassen sich nach Darstellung der Bürgermeister oft nicht nutzen. Mal wollen die Eigentümer nicht verkaufen, mal würden Abrissarbeiten oder die Beseitigung von Altlasten die Kosten in die Höhe treiben. Dann wieder gelten die Größen oder Zuschnitte der Grundstücke als nicht marktfähig.

„Der Flächenverbrauch beschäftigt uns seit Jahren“, sagt Meinhard Abel. Er ist beim Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund unter anderem für Raumordnung zuständig. Auf der einen Seite gebe es den berechtigten Wunsch von Landwirten, landwirtschaftliche Flächen zu erhalten. Das liege auch im Interesse der Städte und Gemeinden. 

"Auf der anderen Seite sind die Kommunen bemüht, ausreichend Wohnbauland und Bauland für Gewerbe zur Verfügung zu stellen“, fügt Meinhard Abel hinzu. Die derzeit in vielen Landesteilen bestehende Wohnungsnot erfordere „zwingend“ auch die Inanspruchnahme von landwirtschaftlichen Flächen. Die Kommunen müssten in diesem Punkt weiterhin eigenverantwortlich entscheiden können. Nur sie könnten mit dem nötigen Sachwissen beurteilen, ob und welche Flächen gebraucht würden. Ein pauschales Ziel zur Flächenreduzierung lehne der Städte- und Gemeindebund ab. Ein pauschaler Wert sei „ohnehin fragwürdig“, da auch Grünflächen in Bebaungsplänen als „Verbrauch von Land“ gelten würden. „Um den Flächenverbrauch zu vermindern, sollen Kommunen von der Eingriffsregelung freigestellt werden“, fordert Abel. Im Baugesetzbuch sei den Kommunen das Recht einzuräumen, keine Ausgleichsflächen in Anspruch nehmen zu müssen. Dann könnten zumindest diese Flächen der Landwirtschaft verbleiben. Das würde natürlich auch das Landvolk begrüßen, sagt Landvolk-Geschäftsführer Gerhard Rudolph. 

Das Landesamt für Statistik Niedersachsen hat Zahlen zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen im Landkreis Northeim veröffentlicht. Die Flächen schrumpften demnach von 65.775 Hektar im Jahr 1979 auf 63.641 (1997) und 61.216 Hektar im Jahr 2018. 

Die Waldflächen wuchsen dagegen viele Jahre lang von 47.431 Hektar im Jahr 1979 auf 48.085 Hektar (1997) und 48.798 Hektar im Jahr 2009. Zuletzt sind sie wieder geschrumpft, und zwar auf 47.585 Hektar im Jahr 2018. 

Erheblich vergrößert hat sich in den vergangenen Jahrzehnten dagegen die Wohnbaufläche: Von 2353 Hektar im Jahr 1979 auf 3600 Hektar im Jahr 2018. Noch stärker haben laut Landesamt für Statistik die Industrie- und Gewerbeflächen – nach einem zwischenzeitlichen Einbruch – zugelegt: Von 466 Hektar im Jahr 1979 auf 7645 Hektar im Jahr 2018.

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