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Auch im Kreis Northeim langes Warten auf Photovoltaik

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Von: Frank Schneider, Olaf Weiss, Axel Gödecke

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Bei der Montage: Tobias Thiele und Philipp Thiele von der Uslarer Firma TB Solar bei der Arbeit an einer neuen Photovoltaikanlage auf einem Gebäude.
Bei der Montage: Mitarbeiter der Uslarer Firma TB Solar bei der Arbeit an einer neuen Photovoltaikanlage auf einem Gebäude. © TB Solar / nh

Die Wartezeiten für die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem eigenem Hausdach sind auch im Landkreis Northeim lang, unter einem halben Jahr läuft da kaum etwas.

Northeim – Explodierende Energiepreise, Unsicherheiten durch den Ukraine-Krieg: Da boomt die Nachfrage nach Sonnenstrom. Doch Photovoltaik-Module aufs eigene Dach zu bekommen, ist schwer. Liefer- und Personalengpässe bremsen Installationsbetriebe auch im Kreis Northeim aus, es gibt Wartezeiten.

„Lieferengpässe gibt es praktisch bei allen Komponenten,“ sagt Götz Girmann, Obermeister der Elektroinnung Northeim-Einbeck mit einem eigenen Fachbetrieb für Energie- und Gebäudetechnik in Northeim. Besonders schlimm sei es bei Pufferspeichern, also Batterien zum Speichern des Stroms. „Da sind wir jetzt bei Lieferzeiten von bis zu einem Jahr“.

Aber auch bei den Modulen und Wechselrichtern müsse man lange warten. Er selbst habe deswegen kurzzeitig auf die Installation verzichtet, fange jedoch nun wieder damit an, weil er eine neue Lieferschiene aufgetan habe. Im Raum Northeim gebe es eine Handvoll weiterer Fachbetriebe, die die Installation anbieten, teils mit Dachdeckern kooperieren.

Stadtwerke ziehen Reißleine

Die Stadtwerke Northeim, die noch vor zwei Jahren kräftig für die Installation aus einer Hand geworben hatten, haben die Reißleine gezogen und das Angebot zumindest von ihrer Web-Seite entfernt. Stadtwerkemitarbeiterin Mareike Schütze: „Im April wurden wir überrannt mit Anfragen, hatten seitdem 280 Stück.“ Jetzt seien immer noch 80 Angebote zur Abarbeitung in der Pipeline.

Die SWN bieten für ihre Kunden im Raum Northeim und im Bereich der Gemeindewerke Bovenden, an der die SWN beteiligt sind, die Installationen von „schlüsselfertigen Photovoltaiksystemen“ an. Ein Paket, für das sie allerdings derzeit keine große Werbung mehr macht, weil es laut SWN-Mitarbeiterin Mareike Schütze eine lange Anfrage-Liste gibt, die es erst abzuarbeiten gelte. Im Schnitt müssten Kunden, die eine Photovoltaikanlage auf ihr Hausdach installiert haben möchten, derzeit mit Wartezeiten von mindestens einem halben Jahr rechnen, sagt Schütze.

Die SWN arbeiten dabei mit dem Duderstädter Elektro-Fachbetrieb Schenk zusammen. Verbaut würden als Module ausschließlich deutsche Produkte aus Chemnitz, Wechselrichter und Speicher unter anderem von SMA aus Kassel. Trotzdem müsse man wegen der hohen Nachfrage mit langen Lieferzeiten und deswegen auch mit Installationszeiten von derzeit über einem halben Jahr ab Bestellung rechnen.

Zu wenig Leute

Auf den Fachkräftemangel auch im Elektrohandwerk weist der Elektromeister und stellvertretende Obermeister der Elektroinnung Northeim-Einbeck, Phillip Jörns, seines Zeichens Geschäftsführer des vom Northeimer Fachbetrieb Elektro-Voss hin. Dies sei ein weiterer Grund dafür, dass viele Betriebe, darunter auch seiner, den Sektor Photovoltaik gar nicht erst im Angebot hätten. „Es fehlt also nicht nur an Material, sondern auch an Fachpersonal.“

Große Mengen bestellen

„Es hat sich für uns gerade wieder normalisiert, aber auch nur, weil wir gewachsen und durch eine gewisse Abnahme zum Beispiel von Modulen beim Großhändler relativ gut mit Material versorgt sind“, berichtet Alexander Burow von der TB Solar GbR in Uslar, die 2019 mit drei Mitarbeitern angefangen hat und heute neben zwei Gesellschaftern zehn Angestellte beschäftigt. Trotzdem fehlten oft auch mal Teile, Lieferdaten änderten sich willkürlich. Selbst bei einfachen Zählerschränken habe es Wartezeiten bis zu einem Jahr gegeben. Um an Unterkonstruktionen zu kommen, habe man den Hersteller gewechselt.

Kaum Dachgestelle lieferbar

Eine Liste von 40 Interessenten, die gerne eine Photovoltaik-Anlage hätten, hat Richers Elektro + Technik. „Die arbeiten wir der Reihe nach ab“, sagte Inhaber Joachim Richers. „Module gibt es fast im Überfluss“, berichtet er. Zurzeit seien aber die Dachgestelle, mit denen die Platten auf dem Dach befestigt werden, nicht lieferbar. Auch die Wechselrichter seien nur schwer zu bekommen.

Wer mit Hilfe der Sonne Strom erzeugen will, der kann nach seinen Worten sich nur auf eine Liste setzen lassen und warten. Wie lange es dann dauere, bis die Anlage montiert werde, lasse sich im Vorhinein allerdings nicht genau sagen und auch die Preise schwankten stark und könnten deshalb nicht langfristig vor dem Lieferzeitpunkt garantiert werden.

Einspeisevergütung für Solarstrom steigt

Die Bundesregierung will allen Widrigkeiten von Lieferengpässen zum Trotz, die Installation von Photovoltaikanlagen attraktiver machen. Laut neuem Erneuerbare-Energien-Gesetz steigt zum Beispiel die Einspeisevergütung ab 2023 für mittelgroße Anlagen (10-40 kWp), die seit 30. Juli 2022 in Betrieb sind, von 7,5 auf 8,6 Cent. Sie soll bis 2024 konstant bleiben und erst dann halbjährlich um ein Prozent sinken. Neuerdings gilt das auch für Anlagen auf Garagendächern. (Axel Gödecke, Frank Schneider, Olaf Weiss)

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