Landwirt erinnert sich

Vor 35 Jahren: Aufklärungsflugzeug stürzte auf Bauernhof der Linnekuhls

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Flugzeugabsturz auf dem Hof Linnekuhl: Landwirt Stephan Linnekuhl, der damals acht Jahre alt war, zeigt auf die Absturzstelle. Seinerzeit lag alles in Trümmern (siehe kleines Foto).

Lindau. Vor 35 Jahren, am 29. Oktober 1979, stürzte ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug in den Bauernhof der Familie Linnekuhl. Landwirt Stephan Linnekuhl erinnert sich noch genau an das spektakuläre Ereignis.

„Meine drei Geschwister und ich waren im Haus und haben gespielt. Auf einmal ging das Licht aus.“ Stephan Linnekuhl erinnert sich an den spektakulären Absturz eines amerikanischen Militärflugzeugs auf dem Hof seiner Eltern am Lindauer Ortsrand, als wäre es gestern gewesen. Das war auf den Tag genau heute vor 35 Jahren.

„Als wir als dem Fenster gesehen haben, stand bereits alles in Flammen. Es war gewaltig“, sagt der Landwirt, der damals acht Jahre alt war. Die Unglücksmaschine vom Typ Grumman OV-1 Mohawk - dabei handelte es sich um eine unbewaffnete Aufklärungsmaschine, die am Nachmittag in Stuttgart gestartet war - hatte zunächst eine Starkstromleitung durchtrennt, war 150 Meter vor dem Linnekuhlschen Hof auf einem Feld aufgeschlagen und dann in die Scheune gerast. Dort sind die mit mehr als 1000 Liter Kerosin befüllten Tanks des Flugzeugs mit einem lauten Knall explodiert. „Unser Mähdrescher, der in der Scheune untergestellt war, wurde völlig zerfetzt“, erinnert sich Stephan Linnekuhl.“ Der Gesamtschaden wurde damals auf 500.000 DM beziffert.

Der Flugzeugabsturz war ein gewaltiges Unglück, dennoch sind damals nicht nur die Linnekuhls auf ihrem Hof, sondern die Lindauer insgesamt haarscharf ein einer riesigen Katastrophe vorbeigeschrammt. Die Maschine, die aus südlicher Richtung kam, hätte durchaus auch in die Wohnbebauung des Eichsfelddorfes einschlagen können.

Kühe sind geflüchtet 

Wie durch ein Wunder gab es bei dem Flugzeugabsturz, der sich kurz nach 17 Uhr ereignete, keine Verletzten. Die Linnekuhls kamen mit dem Schrecken davon. Noch nicht einmal die im benachbarten Stall untergebrachten Kühe wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die waren panisch geflohen, wurden aber nach und nach alle wiedergefunden.

Die beiden Piloten hatten sich kurz vor dem Absturz, der wohl auf einen technischen Defekt des Flugzeugs zurückzuführen ist, per Schleudersitz aus der Maschine herauskatapultiert. Sie waren per Fallschirm am Siechenanger gelandet.

Die Rettungsmaschinerie setzte sich wenige Minuten nach dem Absturz in Gang. Sirenenalarm gab es keinen, weil die Stromzufuhr durch den Flieger unterbrochen war. 3500 Menschen waren ohne Elektrizität. Dennoch war die Wehr sofort zur Stelle, denn die Unglücksstelle war durch den hellen Feuerschein nicht zu übersehen.

Aus Northeim wurde die Bundeswehr für die Absperrung zu Hilfe gerufen, die kurze Zeit später von der amerikanischen Militärpolizei abgelöst wurde. Die ganze Prozedur dauerte mehrere Tage, bis alle verbliebenen Wrackteile geborgen waren. Viele Lin-dauer hatten sich bereits an Teilen der Unglücksmaschine bedient.

 Von Hans-J. Oschmann 

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