Prozess um Tod einer Frau in Lindau

Mord in Lindau: Der Tat ging häusliche Gewalt voraus - Polizist sagt aus

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Tatort in Lindau: Der Angeklagte erstach dort Anfang Juli 2019 seine Freundin.

Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 60-jährigen Frau in Katlenburg-Lindau hat am Freitag vor dem Landgericht Göttingen ein weiterer Polizist als Zeuge ausgesagt.

  • 60-Jährige in Lindau wird von ihrem ehemaligen Lebensgefährten erstochen
  • Mann gesteht Tat als er den Notruf abgibt
  • Täter muss sich nun vor dem Landgericht Göttingen
  • Am Freitag (31.01.202020) hat ein weiterer Polizist als Zeuge ausgesagt

Update am 02.02.2020, 14.13 Uhr: Der Beamte war rund zwei Wochen vor der tödlichen Messerattacke nachts mit einem Kollegen zu der Hotelpension in Lindau gefahren, weil es dort zu häuslicher Gewalt gekommen sein soll.

Mord in Lindau: Angeklagter sticht im Trennungsstreit auf seine Ex-Partnerin ein

Die 60-Jährige hatte seit rund zwei Jahren gemeinsam mit dem 55-Jährigen die Hotelpension in Lindau betrieben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, Anfang Juli 2019 im Verlauf eines Trennungsstreits mit einem Küchenmesser zunächst auf eine Freundin seiner Ex-Partnerin eingestochen und diese schwer verletzt zu haben. Danach habe er seine frühere Lebensgefährtin durch neun mit voller Wucht ausgeführte Messerstiche in den Rumpfbereich getötet.

Mord in Lindau: Polizei wegen häuslicher Gewalt zwei Wochen vor der Tat vor Ort

Nach der Attacke zwei Wochen zuvor soll sie sich in ein Zimmer eingeschlossen und ihren Sohn kontaktiert haben. Dieser hatte die Sprachnachricht allerdings erst einige Stunden später entdeckt und die Polizei alarmiert. Als die Beamten nachts vor Ort eintrafen, wurde ihnen erst nach einiger Zeit geöffnet. Offenbar hatten sich beide bereits schlafen gelegt, sagte der Polizist. „Sie wirkten so, als hätte sich das beruhigt.“

Mord in Lindau: Angeklagte schilderte den Beamten den Angriff auf seine Ex-Partnerin

Die Beamten hätten dann beide nacheinander zu dem Vorfall befragt. Nach Aussage des 55-Jährigen hatte sich dieser aufgeregt, weil seine Ex-Partnerin seiner Mutter erzählt habe, dass nur sie mit dem Hotel im Grundbuch eingetragen sei. Er habe deshalb Angst gehabt, dass sie ihn „über den Tisch ziehen“ werde. Seinen Angaben nach hatte er sie „über die Hüfte gerollt“, zu Boden geworfen und mit dem Daumen auf ihren Kehlkopf gedrückt. Nach einigen Sekunden habe er dann von ihr abgelassen und sich kurz darauf bei ihr dafür entschuldigt, dass er die Nerven verloren habe.

Mord in Lindau: Beamte hatten nicht den Eindruck, die 60-Jährige sei verängstigt

Der Polizist hatte den damals den Eindruck, dass die 60-Jährige mehrere Stunden nach diesem Vorfall „nicht vollkommen verängstigt“ gewesen sei. Als ihr Ex-Partner den gewalttätigen Übergriff schilderte, habe sie aber „schon verängstigt gewirkt“. Ihren Angaben nach sei es sofort nach ihrer Rückkehr aus der Kur zum Streit gekommen. Plötzlich habe der 55-Jährige sie zu Boden geworfen und gewürgt. Davon habe sie noch Kratzen im Hals.

Mord in Lindau: Opfer hatte sich bereits eine neue Wohnung in Mainz gesucht

Die 60-Jährige kam für eine Nacht bei seiner Mutter unter. Die Polizei erteilte ihm für diese Wohnung ein eintägiges Platzverbot.

Am Folgetag fuhr die 60-Jährige nach Mainz, um sich in ihrer alten Heimat eine Wohnung zu suchen. Dort wurde sie schnell fündig, schon Mitte Juli hätte sie in die neue Wohnung einziehen können. Zehn Tage vor dem geplanten Start in ein neues Leben endete ihr Leben auf brutale

Prozess um Mord in Lindau: Notruf bei der Polizei: „Ich hab’ meine Freundin erstochen“

Erstmeldung vom 21.01.2020, 16.04 Uhr: Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 60-jährigen Frau in Lindau hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen die Polizeibeamtin vernommen, die am Tattag in der Einsatzleitstelle den Notruf des Angeklagten entgegengenommen hatte. Der Anrufer sei sehr aufgebracht gewesen und habe sofort „ohne Punkt und Komma“ drauflos geredet, sagte die Polizistin.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem55-Jährigen vor, Anfang Juli in der gemeinsam betriebenen Hotelpension im Verlauf eines Trennungsstreits seine 60-jährige Lebensgefährtin durch neun mit voller Wucht ausgeführte Messerstiche in den Rumpfbereich getötet zu haben. Zuvor habe er mit dem Küchenmesser auf eine Freundin seiner Ex-Partnerin eingestochen und diese schwer verletzt. Der Angeklagte muss sich deshalb wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

In Göttingen vor Gericht: Mann gesteht Tat beim Notruf

Der Hotelbetreiber hatte anschließend zunächst einen befreundeten Nachbarn angerufen und diesem die Tat gebeichtet. Er habe das erst nicht glauben können, berichtete der Nachbar, der am Dienstag ebenfalls als Zeuge geladen war. Er habe dem 55-Jährigen gesagt, dass er die Polizei rufen müsse.

Der Notruf war damals aufgezeichnet worden und wurde nun in der Verhandlung abgespielt. Der Anrufer regt sich zunächst über „zwei Damen“ auf und sagt dann: „Jetzt ging es eben wieder los.“ Er erzählt etwas von einem Diebstahl, dann sagt er: „Sie müssen die jetzt holen.“ Erst danach nennt er den eigentlichen Grund seines Anrufs: „Ich hab’ meine Freundin erstochen und die andere, die hab’ ich verletzt.“

Gleich danach fährt er mit seiner Schimpftirade fort: „Die haben mich so unter Druck gesetzt“, „die nehmen mir alles weg“, „die hat mir wieder gedroht“, „seit Montag fallen die jeden Tag hier ein, die tun meine Mutter bedrohen“ – so geht es immer weiter. Die Polizistin versucht ihn zu unterbrechen, fragt ihn nach der Adresse und den Örtlichkeiten, ob er einen Arzt verständigt hat und wo das Messer jetzt liegt. Der Anrufer antwortet nur kurz, schimpft dann weiter und erklärt, dass seine Ex-Freundin wohl tot sei.

Verlässlich, aber aufbrausend - Täter muss sich nun vor dem Landgericht Göttingen erklären

Ihre Augen seien „vollkommen starr“. Sein Kommentar dazu: „Die hat diesmal definitiv den Bogen überspannt.“ Der Angeklagte war rund zwei Jahre zuvor mit seiner Partnerin nach Lindau gezogen. Kurz vor der Tat war er gemeinsam mit seiner Mutter bei einem befreundeten Nachbarn zum Mittagessen gewesen. Dieser beschrieb den 55-Jährigen als verlässlichen, aber auch „aufbrausenden Typ“, der sich schnell aufrege.

Er selbst habe wohl einen „beruhigenden Einfluss“ auf den Angeklagten gehabt. Deshalb habe er sich auch hinterher Vorwürfe gemacht, dass er nicht mit hinüber ins Hotel gegangen sei. Der Angeklagte habe beim Mittagessen erwähnt, dass er anschließend mit seiner Ex-Partnerin verabredet sei. Diese habe einen Computer holen wollen, „wo die geschäftlichen Dinge drauf sind“, vorher sollten die Daten noch auf dessen Computer überspielt werden. - Doch dazu kam es dann nicht mehr.

Weitere Informationen zur Tat und zum Prozess:

Tötungsdelikt in Lindau: Frau starb durch Messerstiche - Die am Freitag in Lindau getötete Frau ist erstochen worden. Das teilte die Polizei am Samstag mit. Die Tatwaffe, ein Küchenmesser, haben die Ermittler sichergestellt.

Tödlicher Streit eines Ex-Paars in Lindau: Prozess beginnt nach Weihnachten - Knapp sechs Monate nach dem gewaltsamen Tod einer 60-jährigen Frau in Lindau kommt der Fall vor Gericht. Auf der Anklagebank sitzt der frühere Lebenspartner der Frau.

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