Max-Planck-Institut ist laut Gutachten statisch gefährdet

Um diese Gebäude geht es: Sie haben laut Gutachten erhebliche Baumängel. Foto:  Gödecke

Lindau. Max-Planck-Gesellschaft bestreitet Mängel. "Die wurden schon vor Jahren behoben."

„Die Mängel sind längst behoben!“ Mit dieser Aussage tritt Tanja Keller von der Max-Planck-Gesellschaft einer Passage in einem baulichen Gutachten zum ehemaligen Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Lindau entgegen, dass die Gebäude als statisch gefährdet eingestuft sind.

Im jetzt leer stehenden MPS will das Niedersachsen eine Notunterkunft für Flüchtlinge einrichten (wir berichteten). Deshalb verhandelt das Innenministerium seit einiger Zeit mit der Max-Planck-Gesellschaft. Im Gespräch ist in Lindau die Unterbringung von etwa 1000 Flüchtlingen.

Die angesprochenen erheblichen Baumängel hätten wahrscheinlich mindestens zu neuen Überlegungen führen müssen. In dem Exposé heißt es unter dem Abschnitt Baumängel/Bauschäden wörtlich: „Träger-Ständerauflagerung an der Grundkonstruktion der Gebäude tlw. abgängig, dadurch statische Gefährdung. Nach Auskunft des Hausmeisters wurde vor ca. 20 Jahren bereits eine Sanierung der Betonständer durchgeführt, das damalige Problem tritt jetzt erneut auf.“

Tanja Keller erklärte auf Nachfrage der HNA, dass die angesprochenen Schäden bereits 2010 behoben worden seien. Das Gutachten dürfte ihrer Einschätzung nach aus dem Jahr 2009 stammen. Sie sehe demnach keine Hindernisse für weitere Verhandlungen.

Kurioser Weise wurde das angesprochene Gutachten der Max-Planck-Gesellschaft aber nicht aus dem Verkehr gezogen, sondern in den Folgejahren offensichtlich sogar an mögliche Investoren verteilt, die an den Gebäuden Interesse bekundet hatten.

Einer dieser Interessenten aus der Region, der ungenannt bleiben möchte, hatte die Absicht, in einem der Gebäude eine Seniorenwohnanlage einzurichten. „Als ich den Passus mit den baulichen Schäden in dem Gutachten gelesen hatte, habe ich allerdings sofort von meinen Planungen Abstand genommen“, sagte der Mann der HNA. Das wäre ihm zu riskant gewesen. Das sei vor zwei Jahren gewesen, also einem Zeitpunkt, als die Schäden offenbar schon gar nicht mehr existierten.

Ein weiterer Interessent für einige der Gebäude war Sven Tilch, der in unserer Region bereits mehrere Seniorenwohnanlagen unterhält. Tilch erläuterte der HNA, dass er in Lindau, wo er bereits das ehemalige St.-Marien-Stift an der Bundesstraße betreibt, eine größere Lösung mit mehreren Gebäuden und unterschiedlichen Unterbringungsmöglichkeiten ins Auge gefasst hatte.

„Ja, mir war die Passage mit den Baumängeln aufgefallen. Das hat aber nicht den Ausschlag für meine Entscheidung gegen das Objekt gegeben.“ Auch das ist jetzt ungefähr zwei Jahre her. Für Tilch war entscheidend, dass die Gebäude energetisch in einem sehr schlechten Zustand sind und sehr viel Heizkosten verschlun gen hätten. „Da man mir mit dem Kaufpreis nicht entgegenkommen wollte, habe ich einen Rückzieher gemacht“, erläuterte Tilch.

Die Max-Planck-Gesellschaft und das Innenministerium haben bestätigt, dass die Verhandlungen zum Kauf oder zur Pachtung aktuell weiter laufen. In dieser Woche gab es sogar einen Ortstermin in Lindau mit Vertretern beider Seiten. Katlenburg-Lindaus Bürgermeister Uwe Ahrens, der daran teilgenommen hat, geht davon aus, dass die Verhandlungspartner schon in Kürze zu einer Vereinbarung kommen werden.

Gestützt wird diese immer wahrscheinlicher werdende Entwicklung zur Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft in Lindau durch Informationen aus sehr zuverlässigen Quellen der Ortschaft. Demnach soll sich das Land mit den Johannitern als Betreiber der Flüchtlingsunterkunft bereits einig sein. Der Vertrag sei zwar noch nicht unterschrieben, aber die Betten seien schon bestellt.

Wenn es zum Abschluss zur Einrichtung einer Unterkunft in Lindau kommen wird, wo von Ahrens derzeit ausgeht, wird das Innenministerium auf jedem Fall zu Infoveranstaltungen in Lindau einladen.

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