Kupferrolle der Firma Kordes so teuer wie ein Golf

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Rat und Verwaltung bei Kordes: Auf dem Tisch liegen diverse Kabel, die in Lindau hergestellt werden und von Dirk Landskron (2.v.r.) erläutert wurden. Rechts Werkleiter Sven Johanning.

Lindau. Der Gemeinderat besichtigte die Kabelproduktion der Firma Kordes in Lindau. Deren Jahresproduktion reicht aus, um die Erde damit sechseinhalbmal zu umwickeln.

Die fingerdicken blanken Kabel sind fein säuberlich zu gewaltigen Rollen aufgespult. Sie glänzen in den letzten Strahlen der Abendsonne auf dem Hof der Firma Kordes in Lindau. Gewaltig ist auch das Gewicht einer solchen Rolle aus purem Kupfer: Ein Exemplar wiegt 5,13 Tonnen. Und der Preis - ebenfalls gewaltig. „Dafür bekommen sie locker einen VW Golf“, verrät Geschäftsführer Dirk Landskron.

„Bei dem Gewicht wird das wohl nichts mit dem Wegrollen“, flachsen einige aus der Besuchergruppe in Anspielung auf diverse Kupferdiebstähle, mit denen das Unternehmen hin und wieder zu kämpfen hat. Mitglieder von Rat und Verwaltung der Gemeinde Katlenburg-Lindau lauschen den Worten von Landskron, der die Produktionsabläufe vorstellt und einige Kabel in die Runde reicht, die am Standort Lindau hergestellt werden. Die Palette reicht vom dünnen Kabel bis zum Erdkabel - alles für den Niederspannungsbereich bis ein Kilowatt (1 kW) ausgelegt.

Lindau liegt klar vorn

Das Unternehmen Norbert Kordes Kabel und Leitungen GmbH und Co. KG hat seinen Hauptsitz zwar in Sohlingen bei Uslar, mit Abstand am meisten produziert wird aber im Werk in Lindau an der Brückenstraße.

Kupfer ist das Rohmaterial: 18 000 Tonnen werden jährlich in den Kabeln und Leitungen von Kordes verarbeitet. Das PVC für die Ummantelungen stellen die Lindauer aus verschiedenen Matrialien selbst her, während Kupfer angeliefert wird.

Im Eichsfeldort wird komplett für den Großhandel gearbeitet. 85 Prozent der Produkte werden im Inland vertrieben, der Rest geht überwiegend ins benachbarte Ausland. Bei den so genannten „weißen Kabeln“ zum Beispiel für Elektrogeräte beliefert Kordes das renommierte Unternehmen Braun, das die Kabel für seine elektrischen Zahnbürsten verwendet.

Die Kommunalpolitiker erfuhren, dass in Lindau - im Eichsfeldort arbeiten genau wie in Sohlingen je 100 Beschäftigte - an sechs Tagen in drei Schichten produziert wird und der Output pro Jahr bei 40 000 Tonnen Kabel und Leitungen liegt. Diese Menge füllt 2000 Lastwagen oder wie es Werkleiter Sven Johanning formuliert: „Das reicht, um die Erde etwa sechseinhalb-mal zu umwickeln.“

„Unsere Produktion reicht für sechseinhalb Erdumwicklungen.“

Kordes nennt zwar wegen der intensiven Konkurrenzsituation keine Umsatzzahlen, spricht aber von einer stabilen Wirtschaftslage des Unternehmens. „Wir arbeiten zwar in alten Gebäuden, aber mit modernsten Maschinen“, sagt Landskron. Kordes habe mehrfach in Millionenhöhe investiert, ohne das an die „große Glocke“ zu hängen. Im Vergleich zu vor zehn Jahren werde heute etwa die doppelte Menge an Kabeln produziert. Allein die Stromkosten belaufen sich auf jährlich zwei Millionen Euro.

In Lindau ist laut Landskron das Ende der Kapazitäten in Sicht. „Wir stoßen an unsere Grenzen“, schildert er die Situation und fügt hinzu: „Wenn wir erweitern, dann hier in Lindau. Einen weiteren zusätzlichen Standort wird es nicht geben.“

Diese Nachricht wurde von den Kommunalpolitikern natürlich dankbar aufgenommen. „Wenn es dazu kommt, werden wir Kordes bei der Erweiterung gern unterstützen“, kündigt Bürgermeister Uwe Ahrens an.

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