Prozess vor dem Landgericht Götttingen

Lindauer Marihuana-Züchter erhalten lange Haftstrafen

Göttingen / Lindau. Vor dem Landgericht Göttingen ist jetzt einer von zwei Prozessen um eine Marihuana-Plantage in Lindau zu Ende gegangen.

Das Gericht verurteilte den ursprünglich aus dem Kosovo stammenden 36-jährigen Hauptangeklagten aus Northeim zu vier Jahren und drei Monaten Haft. Außerdem ordnete es seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Der zweite 36-jährige Hauptangeklagte aus der Region Lüneburg erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Das Gericht befand die beiden bereits einschlägig vorbestraften Männer des Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge für schuldig.

Ein 47-jähriger Mann aus Northeim, der mehrere Wochen lang die Pflanzen gedüngt und bewässert hatte, bekam unter Einbeziehung diverser Vorstrafen eine Gesamtfreiheitsstrafe von eineinhalb Jahren. Zwei weitere 24 und 33 Jahre alte Mitangeklagte wurden wegen Beihilfe zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Der 24-Jährige hatte die Elektroarbeiten für den Betrieb der Plantage ausgeführt, er muss als Bewährungsauflage 1200 Euro an die Opferhilfe zahlen. Der 33-Jährige hatte sich um die Pflanzen gekümmert. Er muss als Auflage 160 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für die beiden Hauptangeklagten Freiheitsstrafen von fünfeinhalb beziehungsweise vier Jahren gefordert. Die Verteidiger hatten teilweise auf niedrigere Strafen plädiert.

Die Angeklagten hätten neben „sehr viel Manpower“ auch viel Geld in die Hanfplantage investiert, meinte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. „Da steckt richtig viel kriminelle Energie drin.“ 

Die entscheidende Rolle bei der Marihuana-Plantage hat nach Ansicht des Gerichts der 36-jährige Hauptangeklagte aus Northeim gespielt. Dieser sei der Ideengeber gewesen und habe das kurz zuvor gekaufte Haus an der Hauptstraße in Lindau für die Hanfplantage zur Verfügung gestellt, so der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Auch die Finanzierung sei größtenteils über ihn gelaufen, mindestens 10.000 Euro seien in das Projekt geflossen. Der 36-Jährige war erst kurz zuvor aus der Haft entlassen worden und stand unter Bewährung. 2012 hatte ihn das Landgericht Göttingen wegen Kokainhandels zu fünf Jahren Haft verurteilt. Dass er sich kurz nach der Freilassung schon wieder einschlägig betätigte, sei „echt ein Stück“, meinte der Richter. Der zweite Hauptangeklagte war ebenfalls erst einige Monate zuvor aus der Haft entlassen worden. Der 36-Jährige war bereits zweimal wegen illegaler Hanfplantagen verurteilt worden. Er habe als Einziger das nötige Knowhow gehabt, erklärte der Richter. „Ohne Sie hätte dieses Projekt nicht ordentlich laufen können.“ Die Polizei war dem Treiben frühzeitig auf die Schliche gekommen, weil sie den 36-jährigen Northeimer bereits wegen anderer Ermittlungen im Visier hatte. Nach mehrmonatiger Observation schritten die Ermittler ein. Kurz bevor die ersten Pflanzen erntereif waren, hoben Polizisten im August vergangenen Jahres die Plantage aus. Insgesamt stellten sie in dem Haus in Lindau etwa 900 Cannabis-Pflanzen in unterschiedlichen Wachstumsstadien sowie jede Menge technisches Equipment sicher. Die Standortwahl sei „nicht sehr glücklich“ gewesen, meinte der Richter. Eine Hanfplantage mitten in der Ortschaft – „das musste zügig auffliegen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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