Literaturkirche erinnert an Bücherverbrennung

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Trugen die Texte vor: Heinz Behrends, Michael Eberstein, Hans-Peter Niesen, Gerhard Steffen, Andrea Runge, Claudia Klenke-Giehl, Andreas Giehl und Carl-Christian von Plate-Stralenheim (von links).

Schnedinghausen. Die so genannte Hermann-Liste mit 131 Namen von deutsch- und fremdsprachigen Autoren bildete die Grundlage für die Bücherverbrennung der Nazis. 80 Jahre danach gedachte die Literaturkirche Schnedinghausen am Freitagabend in der Marienkapelle an diesen barbarischen Akt.

Aufgerufen zu der, wie es die Nazis nannten, „öffentlichen Verbrennung jüdischen zersetzenden Schrifttums durch die Studentenschaften der Hochschulen aus Anlass der schamlosen Hetze des Weltjudentums gegen Deutschland“ hatte deren Propagandaamt.

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“, zitierte Zsuzsanna Bényei-Büttner vom Team der Literaturkirche in der fast bis auf den letzten Platz besetzten Kapelle aus Heinrich Heines Tragödie „Almansor“ (1821) einen prophetischen Satz.

Heine gehörte zu den Schriftstellern, die auf der Hermann-Liste standen. Einen meterlangen Ausdruck davon hatte das Literaturkirchenteam gegenüber vom Altar als Zeichen der Mahnung aufgehängt. Gerhard Steffen, Carl-Christian von Plate-Stralenheim, Claudia Klenke-Giehl und Andreas Giehl, Hans-Peter Niesen, Michael Eberstein, Andrea Runge sowie Heinz Behrends lasen dazu aus Werken der verfemten Autoren Erich Kästner (1899-1974), Heinrich Heine (1787-1856), Kurt Tucholsky (1890-1935), Franz Kafka (1893-1924), Oskar Maria Graf (1894-1967), Joachim Ringelnatz (1883-1934) und Nelly Sachs (1891-1970).

Kästner war der einzige Autor, der Zeuge wurde, als seine eigenen Werke auf dem Opernplatz in Berlin verbrannt wurden: „Es ist ein merkwürdiges Gefühl, ein verbotener Schriftsteller zu sein und seine Bücher nie mehr in den Regalen und Schaufenstern der Buchläden zu sehen. In keiner Stadt des Vaterlands. Nicht einmal in der Heimatstadt. … Es war widerlich.“

Heute erinnert dort an die Verbrennung ein unterirdischer Raum mit leeren Bücherregalen.

Zwei Jahre nach der Machtergreifung standen auf der Verbotsliste 12400 Titel und das Gesamtwerk von 149 Autoren. (zhp)

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