Literaturkirche Schnedinghausen : Kinder schrieben wie Mönche im Mittelalter

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Ein Holzkreuz zur Begrüßung überreichte Dr. Alexandra Diekgerdes den Mädchen und Jungen, bevor es in die Schreibwerkstatt ging.

Schnedinghausen. „Am Ende war es ganz einfach. Nur als es losging, habe ich mich gefragt wie ich die Gänsefeder halten soll“, waren sich Rieke (10) und Ben (9) einig. Die beiden gehörten zu einer Gruppe von Mädchen und Jungen, die sich am Sonntag bei der Schnedinghäuser Literaturkirche auf ein ganz besonderes Experiment eingelassen hatten.

In der zur „Schreibstube“ umgewandelten Marienkapelle schrieben sie wie Mönche in einem mittelalterlichen Kloster mit einer Gänsefeder und farbiger Tinte in schönster Schrift.

Allerdings mit einigen Unterschieden: Statt Pergament benutzten sie ganz normales Papier und statt in einer kalten und feuchten Schreibstube war ihre Stube beheizt. Und die Einführung in die mittelalterliche Technik durch Birgit Hecke-Behrens und Dr. Alexandra Diekgerdes erfolgte ganz modern mit Laptop und Beamer.

Kinder auf Zeitreise

Zuerst mussten die Mädchen und Jungen jedoch eine Zeitreise „mit dem Jungen Ingulf“, einer Comicfigur, antreten. Vom hier und heute zurück ins Jahr 1263, als das älteste von zehn Kindern seine Familie verlassen musste, weil seine Eltern ihn nicht mehr ernähren konnten.

Weil er gescheit und geschickt war, ging er ins Kloster. Dort hatte er ein Dach über dem Kopf und zu Essen gab es auch genug. Dort kam er in die Schreibwerkstatt. Der Buchdruck war noch nicht erfunden, von Laptop und Ipad ganz zu schweigen.

Bücher wurden noch zeitaufwändig und mit Hingabe auf Häuten von Schafen und Ziegen, dem so genannten Pergament, abgeschrieben und mit viel künstlerischem Esprit farbig verziert.

Bunte Buchstaben

Dieser Aufgabe stellten sich anschließend auch die Mädchen und Jungen in der Marienkapelle. Sie hatten es allerdings etwas leichter: Sie sollten die Buchstaben des Gebots „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ausmalen sowie den ersten Buchstaben als Initial und die Umrandung des Satzes gestalten. Für die Federkiele standen grüne, orange- und lilafarben Tinten zur Verfügung, außerdem Buntstifte. Und dann machten sich die Mädchen und Jungen an die Arbeit. Zeitweise war nur das Kratzen der Federn auf dem Papier zu hören.

Stolz auf ihre Arbeit war auch Rieke: Die Zehnjährige gestaltete das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ mit Gänsekiel und farbiger Tinte.

Als sie fertig waren, gab es für die Mönche und Nonnen ehrenhalber, zu denen die beiden Moderatorinnen die Mädchen und Jungen schon gleich zu Beginn des Nachmittags mit einem schlichten Holzkreuz und einem braunen Schaltuch gemacht hatten, als Belohnung das selbst gestaltete Blatt mit nach Hause. Bei der nächsten Veranstaltung der Literaturkirche am Sonntag, 10. März, um 16 Uhr dreht sich alles um den Zeichner und Humoristen Wilhelm Busch (Max und Moritz), wenn sich der Germanist Wolfgang Kramer mit dem „wahren Leben des Wilhelm Busch“ auseinandersetzt. (zhp)

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