Sofortiger Rücktritt

Northeim: CDU-Kreisvorsitzende Kerstin Lorentsen schmeißt hin

Kerstin Lorentsen
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Als CDU-Kreisvorsitzende zurückgetreten: Kerstin Lorentsen

Paukenschlag im CDU-Kreisverband Northeim: Die Vorsitzende Kerstin Lorentsen (Northeim) hat ihren sofortigen Rücktritt erklärt.

Northeim – Sie hatte den Posten im November 2019 übernommen. Damals hatte sie sich gegen Heidrun Hoffmann-Taufall (Einbeck) durchgesetzt. „Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich das Amt jetzt aufgeben soll“, sagte Lorentsen der HNA. Aber nachdem mit der Einreichung der Kandidatenlisten und der Erarbeitung des Wahlprogramms auf Kreisebene die Vorbereitungen für die Kommunalwahl am 12. September beendet seien, gebe es keinen Grund, mit dem Rücktritt bis zum Kreisparteitag zu warten. „Ich muss auch auf meine Gesundheit achten.“

Ihre Kandidatur für den Kreistag hält Lorentsen nach eigenen Worten aufrecht. Dass sie sich nicht wieder für ein Mandat im Northeimer Rat bewerben wird, habe seit Langem festgestanden.

Die Führung der Kreis-CDU erfolge satzungsgemäß gemeinsam mit den Stadt- und Gemeinde- und Ortsverbänden. „Da muss Zuarbeit erfolgen“, sonst könne eine Vorsitzende nichts bewegen. Doch habe sie hinter vielem herlaufen müssen.

„Leider musste ich erleben, dass stattdessen meine Arbeit durch öffentlich vorgetragene Indiskretionen und Unwahrheiten, die meinem und dem Ansehen unseres Kreisverbands geschadet haben, erschwert wurde“, so Lorentsen in einem Brief an die CDU-Mitglieder. Es habe in erschreckend feindseligem Ton persönliche Angriffe von Kreisvorstandsmitgliedern gegeben, die sie zutiefst verletzt hätten. „Das möchte ich so nicht mehr hinnehmen“, sagte sie der HNA. „Schließlich ist diese Position ein Ehrenamt.“

Vom Rücktritt überrascht, äußert sich Torsten Bauer (Uslar), einer von Lorentsens Stellvertretern. Es habe zwar Diskussionen gegeben, die im Gesamtvorstand auch härter geführt worden seien, doch dieser Schritt sei nicht absehbar gewesen. Er habe dafür keinen Anlass gesehen. Lorentsens Vorgänger Roy Kühne sagte, er erwarte, dass nun die Kritiker in die erste Reihe treten. Das entstandene Bild, dass im Kreisverband nichts funktioniere, sei falsch.

Innerparteilich war der zurückgetretenen Kreisvorsitzenden vorgeworfen worden, sie sei dafür verantwortlich, dass die CDU ohne eigenen Landratskandidaten in die Kommunalwahl geht. Das weist sie nachdrücklich zurück. Es sei die Aufgabe einer Findungskommission gewesen, einen Kandidaten zu finden. Es seien viele potenzielle Kandidaten angesprochen worden – erfolglos. Stattdessen unterstützt die CDU nun den FDP-Mann Christian Grascha als Landratskandidaten.

Lorentsen erinnerte auch daran, dass sie den CDU-Kreisverband in schwierigen Zeiten übernommen habe. Die Geschäftsstelle sei zeitweise nicht besetzt gewesen, sodass sie deren Aufgaben übernehmen musste. Dazu kam in der Pandemie noch eine Reform auf der Bezirksebene der CDU. Ferner seien sie und Schatzmeister Christian Dörries monatelang damit beschäftigt gewesen, Mängel in der Kassenführungen einiger Parteiuntergliederungen zu beseitigen.

Sie wolle ihre Probleme nicht darauf verkürzen, dass sie die erste Frau an der Spitze des Kreisverbandes gewesen sei, erklärte Lorentsen. Aber: „Es wird anscheinend immer noch problematisch in den Verbänden angesehen, einer Frau zu folgen, da sie bisher einen andere Arbeit gewöhnt waren“, sagte sie. (Olaf Weiss)

Kein vorgezogener Kreisparteitag

Am Donnerstag trifft sich der geschäftsführende CDU-Kreisvorstand, um die Situation zu beraten. Man habe sich allerdings schon darauf verständigt, den Kreisparteitag nicht vorzuziehen, sondern beim regulären Parteitag im November über die Nachfolge von Lorentsen zu entscheiden, kündigte der stellvertretende Kreisvorsitzende Torsten Bauer an. Zunächst gelte die Konzentration der CDU den Kommunal- und Bundestags-Wahlkämpfen. (ows)

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