Nach Missbrauchsfall in Westfalen

Lügde-Fall: Mann aus Landkreis Northeim wegen Kindesmissbrauch angeklagt

Der Missbrauchsfall auf dem Campingplatz in Lügde schockte Deutschland. Nun sind die Ermittler auf einen weiteren schweren Missbrauchsfall in Südniedersachsen gestoßen.

  • Ein 48-Jähriger aus dem Landkreis Northeim wird wegen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen angeklagt.
  • Der Fall steht im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall auf dem Campingplatz in Lügde.
  • Der Angeklagte soll den Haupttäter von Lügde, Andreas V., kennen.

 Göttingen – Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat jetzt einen 48-jährigen Mann aus dem Landkreis Northeim wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen sowie wegen Besitzes von kinderpornografischen Schriften angeklagt. Der 48-Jährige soll über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren insgesamt sieben Mädchen missbraucht haben.

Nach Lügde-Fall: 48-Jähriger wurde in Solling festgenommen - Kontakt zu Haupttäter Andreas V.

Die Polizei hatte den 48-Jährigen im März an seinem Wohnort im Solling festgenommen, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft habe gegen ihn insgesamt neun Strafverfahren eingeleitet, teilte Behördensprecher Frank-Michel Laue am Dienstag mit.

Der 48-Jährige, der unbestätigten Informationen zufolge geschieden sein soll, war im Rahmen der Ermittlungen zur Missbrauchsserie auf dem Campingplatz im westfälischen Lügde ins Visier der Polizei geraten. Bielefelder Ermittler hatten festgestellt, dass es Kontakte zwischen dem inzwischen zu 13 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilten Haupttäter von Lügde, Andreas V., und dem 48-Jährigen aus dem Kreis Northeim gegeben hatte.

Nach Lügde-Fall: Mann soll Kinder und Jugendliche missbraucht haben

Im März durchsuchten Einsatzkräfte des Polizeipräsidiums Bielefeld und der Polizeiinspektion Northeim die Wohnräume des 48-Jährigen. Laut Staatsanwaltschaft stellten die Ermittler dort unter anderem 43 Datenträger mit digitalen Beweismitteln sicher. Die Auswertung der darauf befindlichen Videos und Bilder ergab, dass der 48-Jährige offenbar ebenfalls Kinder missbraucht hat.

Videobefragungen der mutmaßlichen Opfer, die von speziell geschultem Personal vorgenommen worden seien, hätten dann weitere Anhaltspunkte auf regelmäßige sexuelle Übergriffe ergeben, sagte Laue. Die Taten hätten zwischen Juli 2016 und November 2019 stattgefunden.

Nach Lügde-Fall: 130 Strafverfahren wurden eingeleitet - Täter agieren professionell

Das Ausmaß der Missbrauchstaten ist indes offenbar noch viel größer. Der 48-Jährige soll sich in Online-Portalen mit zahlreichen weiteren Pädosexuellen ausgetauscht haben, die ebenfalls derartige Taten begangen haben sollen. Inzwischen habe man 130 Strafverfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Besitzes von kinderpornografischen Schriften eingeleitet.

Bei den meisten Verdächtigen handele es sich um professionell agierende Täter, die sich mit Pseudonymen oder unter Fake-Personalien im Internet bewegen.

Bislang haben die Fahnder der 24-köpfigen Sonderkommission der Northeimer Polizei 32 Beschuldigte identifiziert, bei den rund 100 weiteren Verdächtigen dauern die diesbezüglichen Ermittlungen noch an.

Der Prozess gegen den 48-Jährigen soll vor der Jugendkammer des Landgerichts Göttingen stattfinden. (Heidi Niemann)

Lesen Sie auch: Die Ermittlungen zum Missbrauchsfall von Lügde (NRW) haben jetzt auch zu einer Festnahme in Südniedersachsen geführt. Ein 48-Jähriger aus dem Landkreis Northeim wurde festgenommen.

Im Missbrauchsfall von Lügde fühlen sich Familien von Opfern nach einem Zeitungsbericht durch Post der NRW-Opferschutzbeauftragten geoutet.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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