Zahlreiche Austritte in Lütgenrode

Ärger um Fahrzeugtausch: Feuerwehr droht die Auflösung

Lütgenrode. Ein Fahrzeugtausch sorgt für Ärger. Zwölf Aktive der Feuerwehr erklären ihren Austritt - Kreisbrandmeister Bernd Kühle zeigt keinerlei Verständnis.

In Lütgenrode brennt schon vor dem Weihnachtsfest der Baum - und zwar lichterloh. Der Grund: Die Feuerwehren Lütgenrode und Parensen sollen auf Beschluss des Gemeindekommandos die Fahrzeuge tauschen. Die Lütgenroder fühlen sich überfahren, sind damit nicht einverstanden. Ihre Reaktion: Zwölf aktive Feuerwehrmitglieder haben spontan ihren Austritt aus der Wehr erklärt, drei weitere werden folgen. Damit ist die Wehr nicht mehr einsatzfähig.

Den Hintergrund dieses Vorhabens bildet der Sicherheitsaspekt. In Lütgenrode gibt es aktuell nur zwei ausgebildete Atemschutzgeräteträger, in Parensen hingegen zwölf. Die beiden Tanklöschfahrzeuge mit Wassertank (TSFW) sind überwiegend identisch, bieten beide sechs Personen Platz. Das Lütgenroder Fahrzeug kann allerdings sechs Atemschutzgeräte aufnehmen, das Parenser nur vier. „Deshalb ist ein Tausch unbedingt sinnvoll“, erläutert Gemeindebrandmeister Dirk Sauerland die Situation.

Das habe er so auch bei einem Dienstabend der Wehr in Lütgenrode dargestellt, sei damit aber auf wenig Gegenliebe gestoßen. Es habe eine große Entrüstung gegeben. Als die Wehr jetzt die Nachricht erreichte, dass der Fahrzeugtausch an diesem Wochenende erfolgen werde, reagierten die Lütgenroder mit den spontanen Austritten.

Sauerland erläuterte auf Anfrage der HNA, dass es einen ähnlichen Fahrzeugtausch zwischen den Wehren aus Sudershausen und Bishausen bereits vor fünf Jahren gegeben habe. Das sei also nichts Neues. Außerdem sei der Kommando-Beschluss einstimmig gefasst worden.

Absolut kein Verständnis für die Reaktion der Lütgenroder Wehr bringt Kreisbrandmeister Bernd Kühle auf. „Der Fahrzeugtausch ist eine völlig logische Schlussfolgerung“, unterstützt er den Beschluss des Nörtener Kommandos, „daran gibt es überhaupt nichts zu rütteln.“

Diese Auffassung vertritt auch Nörtens Bürgermeisterin Astrid Klinkert-Kittel. „Hierbei geht es ausschließlich um die Sicherheit, und die hat absoluten Vorrang.“

Was an diesem Protest noch viel schlimmer wiegt: Die Lütgenroder Wehr ist durch die Austritte nicht mehr einsatzfähig. Das beschäftigt auch Ortsbürgermeister Walter Möhle. „Die Wehr hat den Fahrzeugtausch wohl als Kriegserklärung aufgefasst. Jetzt müssen wir schauen, ob durch intensive Gespräche noch etwas zu retten ist.“

Vogel: "Für unsere Wehr ist das wie ein Arschtritt"

Dem Lütgenroder Ortsbrandmeister Christian Vogel geht die aktuelle Situation absolut gegen den Strich. „Wir fühlen uns total übergangen. Wir wurden nicht gefragt, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt“, macht er seinem Ärger Luft. Vor vier Wochen sei die Wehr darüber in Kenntnis gesetzt worden, was kommen soll. Eine wirkliche Information habe nicht stattgefunden. „Uns reicht es jetzt endgültig. Diese Vorgehensweise ist für uns wie ein Arschtritt“, sagt Vogel. Dass zwölf Aktive („Drei weitere werden folgen.“) ihren Rücktritt erklärt haben, könne Vogel nachvollziehen. „Mir reicht es jetzt auch, ich werde die Brocken zum Jahresende hinschmeißen“, kündigt er seinen Rücktritt an. Ihm sei bewusst, dass die Wehr nicht mehr einsatzfähig sein werde. Doch wenn stets von den vorhandenen Schwerpunkten mit den Wirtschaftsunternehmen und der nahen A 7 argumentiert, aber in der Praxis anders gehandelt werde, sei das Maß irgendwann voll. „Dann muss nach neuen Lösungen gesucht werden.“

Rubriklistenbild: © dpa

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