Ausgrabungen in St. Sixti

Mauern in Northeimer Kirche entdeckt

Dr. Stefan Teuber in einem Bodenloch in der St.-Sixti-Kirche
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Mit der kleinen Archäologenkelle deutet Dr. Stefan Teuber auf das Steinmetzzeichen in einem wiederverwendeten Steinblock. In dem Bodenloch soll eine Wärmestation für die Fußbodenheizung ihren Platz finden.

Die Vorarbeiten für den Einbau der Fußbodenheizung in der Northeimer St.-Sixti-Kirche haben begonnen.

Dabei haben der Northeimer Archäologe und Stadtarchivar Dr. Stefan Teuber und Kirchenvorstandsmitglied Dr. Christian Steigertahl Teile des Vorgängerbaus frei gelegt und dokumentarisch gesichert.

Prachtstück ist ein Pfeilerfuß mit einer angeschrägten Fassung im Übergang zwischen Kirchenhalle und Chorraum, den sie im Bereich der zurzeit entfernten Treppenstufen gefunden haben.

Teuber glaubt nach den bisherigen Erkenntnissen, dass es sich bei den jetzt aufgefundenen Teilen um den vermutlich dritten Kirchenbau im rund 1200 Jahre alten Areal der heutigen St. Sixti-Kirche handelt. Um 800 herum gab es wahrscheinlich eine erste Holzkirche. Im 11./12. Jahrhundert folgte eine „erste einfache kleine Steinkirche ähnlich einer Wüstungskirche“. Ab Mitte des 13. Jahrhunderts entstand schließlich „eine zweite Steinkirche als größere Pfarrkirche“. Das Wahrzeichen Northeims heute wäre demnach der vierte und größte Kirchenbau.

Spuren des Vorgängers haben Teuber und Steigertahl teilweise mit Archäologenkelle und ihrer Hände Arbeit freigelegt – mit spürbarer Begeisterung und Entdeckerfreude, wenn die beiden davon erzählen. Wegen des Neubaus der Fußbodenheizung und der begrenzten Zeit ging dies jedoch nur punktuell.

Im Zusammenhang mit der Auswertung von früheren Arbeiten, unter anderem von dem in Northeim geborenen, langjährigen Berliner Landeskonservator Helmut Engel (1935-2019), der in seinen jungen Jahren 1964 auch über die St. Sixti-Kirche gearbeitet hat, lässt dieses den Schluss zu, dass es sich bei dem Vorgängerbau um eine dreischiffige Basilika mit Querhaus gehandelt haben könnte. „Das ist das Arbeitsthema“, sagt Stefan Teuber. Er plant darüber eine Veröffentlichung, möglicherweise in den Northeimer Jahrbüchern.

Ausgrabung in der Kirche: Der Pfeilerfuß im Bereich des Übergangs von der Halle zum Chor wurde von Dr. Christian Steigertahl (links) und Dr. Stefan Teuber ausgegraben. Architekt Frank Wagner (rechts) vom Amt für Bau- und Kunstpflege der Landeskirche begleitet die Baumaßnahmen.

Die Idee, den Pfeilerfuß durch eine Glasplatte für jedermann sichtbar zu lassen, wurde nach sorgfältiger Überlegung wieder fallengelassen. „Das würde geschätzt 30 000 bis 40 000 Euro kosten und wäre zu teuer“, sagte Steigertahl. Außerdem würde eine Reihe Menschen ungern über Glasplatten gehen. „Mit der Dokumentation haben wir die Funde für die Nachwelt erhalten.“

Allerdings könnte, so der Vorschlag von Frank Wagner, der als Architekt des Göttinger Amtes für Bau- und Kunstpflege der evangelisch-lutherischen Landespflege Hannover die Bauarbeiten in der St. Sixti-Kirche betreut, den Grundriss des Vorgängerbaus in diesem Bereich auf den historischen Treppenstufen zeichnerisch sichtbar machen, wenn sie wieder eingebaut sind. Eine Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen.

Auf lange Sicht wird es wohl ein Geheimnis bleiben, wem die Grabplatte zu zuordnen ist, die in diesem Bereich mit der Inschrift nach unten verbaut wurde. „Da kommen wir nicht mehr heran“, sagte Stefan Teuber. Verbaut wurden in einem anderen Bereich des Kirchen bodens auch ein dicker Steinblock, mit dem Steinmetzzeichen von Baumeister Hans Meinecke, das im jetzigen Kirchenbau rund 60-mal zu finden ist.

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