22-Jähriger wegen versuchten Totschlages vor Gericht

Messer siebenmal in Ex-Freundin gerammt

Northeim. Wegen versuchten Totschlages muss sich seit Freitag ein 22-jähriger Mann aus Northeim vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Juli vergangenen Jahres am Eingang eines Mehrfamilienhauses an der Medenheimer Straße mit einem Messer auf seine ehemalige Freundin eingestochen und schwer verletzt zu haben.

Die damals 17-Jährige habe mehrere Stich- und Schnittwunden am Kopf und am Oberkörper erlitten, die potentiell lebensbedrohlich gewesen seien. Bei der Attacke war die zehn Zentimeter lange Klinge abgebrochen, so dass die Messerspitze in ihrer Stirn stecken blieb. Auch ein zweites abgebrochenes Messerteil blieb im Körper stecken.

Laut Anklage soll der 22-Jährige mindestens sieben Mal auf seine Ex-Freundin eingestochen haben. Sein Ziel sei es gewesen, sie zu töten. Zumindest habe er ihren Tod billigend in Kauf genommen. Ihr neuer Freund und ihr Vater waren der heute 18-Jährigen zu Hilfe geeilt. Es gelang ihnen, den Angreifer von ihr wegzureißen und so lange festzuhalten, bis die Polizei kam. Der 22-Jährige war zur Tatzeit erheblich alkoholisiert gewesen, eine Blutuntersuchung ergab einen Wert von mehr als 2,1 Promille.

Der Angeklagte selbst gab an, den ganzen Tag über mit Kumpanen in einem Northeimer Park Alkohol getrunken zu haben, insgesamt seien es mindestens zehn Flaschen Bier und eine Flasche „Wodka Feige“ gewesen. Während er genaue Angaben zur Alkoholmenge machen konnte, will er sich an die Tat nicht mehr erinnern können. Er wisse auch nicht mehr, warum er auf seine Ex-Freundin eingestochen habe. Es tue ihm leid, dass er sie verletzt habe.

Bei seiner polizeilichen Vernehmung hatte er jedoch einiges zu seiner Motivation gesagt. Er sei wütend gewesen, weil es zwischen ihnen „aus“ gewesen sei und er dies nicht richtig verkraften könne. Er habe sie mit dem Messer verletzen wollen.

Der Angeklagte war nach 23 Uhr vor dem Mehrfamilienhaus in Northeim aufgekreuzt, in dem seine Ex-Freundin mit dem gemeinsamen Sohn wohnte. Nachdem er überall Sturm geklingelt hatte, sei zunächst ein Nachbar zur Tür gegangen, sagte die 18-jährige Zeugin. Dieser habe ihr dann gesagt, dass ihr Ex-Freund vor der Tür stehe. Sie sei dann hinunter gegangen, um ihn zu beruhigen. Der Angeklagte habe sie mehrfach nach ihrem neuen Freund gefragt und ihr gesagt, dass sie sein Leben zerstört habe. „Dann kam schon der erste Stich.“

Ihren Angaben zufolge war dies nicht die erste Gewaltattacke des Angeklagten. Wenige Tage zuvor habe er ihren neuen Freund attackiert und danach die Nacht in einer Ausnüchterungszelle bei der Polizei verbracht. Am nächsten Tag habe er sich dann entschuldigt. Er habe auch sie wiederholt geschlagen, sagte die 18-Jährige. Eine solche Tat habe sie jedoch nicht für möglich gehalten.

Die 18-Jährige musste aufgrund der schweren Stichverletzungen operiert werden und rund eine Woche im Krankenhaus verbringen. Bis heute leidet sie unter den psychischen Folgen der Tat. Sie befinde sich in therapeutischer Behandlung und könne nicht mehr allein in der Wohnung sein, sagte sie. Trotzdem möchte sie, dass der Angeklagte weiter Kontakt zu ihrem Sohn habe. (pid)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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