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Mögliches Schlupfloch für Windkraftanlagen im Wald

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Von: Olaf Weiss

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Windkraftanlage im Wald: In Niedersachsen bisher nicht zulässig, soll es dafür künftig Ausnahmen geben. Foto Thomas THiele
Windkraftanlage im Wald: In Niedersachsen bisher nicht zulässig, soll es dafür künftig Ausnahmen geben. © Thomas Thiele

Die Frage, wo im Landkreis Northeim Windkraftanlagen stehen sollen, wird teilweise noch einmal neu beantwortet: Die Northeimer Kreisverwaltung hat Grundlagen erarbeitet, auf welcher Basis diese Planung noch einmal aktualisiert werden soll, um der neuen Bundes- und Landesgesetzgebung gerecht zu werden.

Northeim – In seiner Sitzung am Dienstag, 8. November, will der Kreistagsausschuss für Umwelt- und Klimaschutz darüber beraten. Das Gremium kommt um 16 Uhr in der Aula der Oberschule Northeim zusammen.

Das Verfahren zur Ausweisung von Windvorranggebieten im Landkreis Northeim war im Sommer gestoppt worden, um zunächst die sich abzeichnenden Änderungen bei den gesetzlichen Vorgaben des Bundes und des Landes abzuwarten. Ein Entwurf, wo Vorranggebiete für Windkraftanlagen ausgewiesen werden sollen, liegt seit einem Jahr vor.

Waren bisher die Vorranggebiete mit Ausschlusswirkung vorgesehen, sollen sie nun ohne Ausschlusswirkung ausgewiesen werden. Dass heißt, auch außerhalb der vom Landkreis ausgewiesenen Gebiete könnten die Städte und Gemeinden weitere Gebiete festlegen, wo Windkraftanlagen aufgestellt werden können.

Außerdem schlägt die Kreisverwaltung vor, bei den Vorranggebieten statt der „Rotor-innerhalb-Festlegung“, wie bisher geplant, auf eine „Rotor-außerhalb-Lösung“ zu wechseln. Denn nach dem Windenergieflächenbedarfsgesetz (WindBG) des Bundes, das im Februar in Kraft treten soll, ist bei den Rotor-innerhalb-Festlegungen von ausgewiesenen Vorranggebieten die Fläche eines 75 Meter breiten Streifens entlang der Grenzen nicht anrechenbar. Dadurch würde sich die anrechenbare Gesamtfläche der Vorranggebiete von 1,3 Prozent auf 0,78 Prozent der Landkreisfläche reduzieren. 75 Meter gilt als der Turmfußradius einer Standardwindkraftanlage.

Bei der Rotor-außerhalb-Festlegung dürfen die Rotoren über die Vorrangfläche hinaus ragen, nur der Turmfuß muss vollständig innerhalb der Vorrangfläche liegen. Dann ist laut WindBG die gesamte ausgewiesene Vorrangfläche anrechenbar.

Damit sich beispielsweise der geplante Abstand von Windkraftanlagen zu Ortschaften von 1000 Meter auf diese Weise nicht reduziert, soll der Radius um sogenannte Tabuzonen, in denen keine Anlagen errichtet werden dürfen, entsprechend vergrößert werden.Außerdem schlägt die Kreisverwaltung bei der Ausweisung von Vorranggebieten für Windkraftanlagen vor, auch die Flächen auszuweisen, auf denen bereits Windräder stehen, beziehungsweise, wo schon welche genehmigt sind. Damit würde bei bestehenden Windkraftanlagen, die außerhalb der geplanten Vorranggebiete liegen, Repowering möglich, also das Ersetzen einer alten Anlage durch eine neue, leistungsstärkere Anlage.

Und schließlich sollen auch Wälder geprüft werden, ob sie als Windvorranggebiete infrage kommen. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD) denkt dabei unter anderem an Waldflächen, die stark von Windwurf und durch Borkenkäferbefall geschädigt sind, sowie an Nadelholzbestände.

Dabei betont Klinkert-Kittel in der Beschlussvorlage für den Umweltausschuss, dass derzeit nicht absehbar sei, ob die Einbeziehung von Waldflächen in die Vorranggebiete für die Windkraftnutzung „rechtssicher“ möglich ist. (Olaf Weiss)

Fläche für Windkraft muss wachsen

Nach dem Entwurf für Windvorranggebiete sind 1,3 Prozent der Landkreisfläche dafür vorgesehen. Nach dem WindBG soll Niedersachsen bis Ende des Jahres 2027 insgesamt 1,7 Prozent seiner Landesfläche für Windenergiegewinnung ausweisen, bis Ende 2032 sollen es 2,2 Prozent sein. Auch wenn noch nicht festgelegt ist, wie diese Werte auf die einzelnen Landkreise verteilt werden, zeichnet sich damit ab, dass die bisher vorgesehenen Flächen im Landkreis nicht ausreichen. ows

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