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Mord an Ehefrau: Mann aus Einbeck zu 13 Jahren Haft verurteilt

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Von: Heidi Niemann

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Vor dem Landgericht hatten Mitglieder einer Prozessbegleitgruppe eine Mahnwache abgehalten.
Vor dem Landgericht hatten Mitglieder einer Prozessbegleitgruppe eine Mahnwache abgehalten. © HEIDI NIEMANN

Das Landgericht Göttingen wich in seinem Urteil zum Teil erheblich von den Plädoyers ab.

Göttingen/Einbeck – Das Landgericht Göttingen hat am Samstag einen 51-jährigen Mann aus Einbeck wegen Mordes und unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt.

Die Schwurgerichtskammer hielt es für erwiesen, dass der Angeklagte am 14. April 2020 um kurz vor Mitternacht seine 27-jährige Ehefrau vorsätzlich durch einen Schuss aus einer illegal erworbenen Pistole getötet hat. Die Ehefrau sei zu der Zeit im Wohnzimmer auf dem Sofa eingedöst und somit arg- und wehrlos gewesen. Damit sei das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt.

Motiv der spontan geplanten Tat sei die völlig zerrüttete Ehe gewesen. Nach Ansicht des Gerichts kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Angeklagte erheblich alkoholisiert war und daher eine erheblich verminderte Schuldunfähigkeit vorlag. Deshalb habe man keine lebenslängliche Freiheitsstrafe verhängen können.

Mit seinem Urteil wich das Gericht zum Teil deutlich von den Plädoyers ab. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes gefordert, die Nebenkläger beantragten zudem, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Die Verteidiger hatten auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung plädiert, da es sich um einen Unfall gehandelt habe.

Das Gericht geht davon aus, dass der Angeklagte am Tatabend im Wohnzimmer eine halbautomatische Pistole mitsamt Utensilien ausgebreitet hatte. Die Pistole habe er vermutlich im Jahr 2002 erworben, möglicherweise aus Eigenschutzgründen. Damals war er Ziel eines Anschlages gewesen. Die Kammer hielt es für erwiesen, dass die Schüsse damals dem jetzt vor Gericht stehenden 51-Jährigen gegolten hatten. Auftraggeber sei ein türkischer Staatsangehöriger aus Göttingen gewesen.

Der ebenfalls aus der Türkei stammende 51-Jährige war zuvor schon einmal verheiratet gewesen. 2009 wurde die Ehe geschieden. Ende 2010 heiratete er im Irak eine 18-jährige Frau. Im Sommer 2011 folgte ihm die fast 21 Jahre jüngere Frau nach Einbeck. 2012 wurde das erste Kind geboren, zwei weitere folgten. „Es war sicherlich keine Liebensheirat im eigentlichen Sinne“, sagte der Vorsitzende Richter. Die Ehe sei extrem konfliktbehaftet gewesen. Aus Sprachnachrichten gehe hervor, dass die Eheleute im Grunde über alles gestritten hätten. 2020 seien die Streitigkeiten eskaliert.

„Mit der Waffe auf dem Tisch und schon etwas Alkohol intus und der verfahrenen Ehesituation vor Augen“ sei der Angeklagte dann auf die Idee gekommen, die besondere Situation auszunutzen, sagte der Vorsitzende Richter. Als er gesehen habe, dass seine Ehefrau auf dem Sofa die Augen geschlossen hielt, habe er die Waffe genommen, sich hingestellt und aus höchstens 1,50 Metern Entfernung einen Schuss abgegeben in der Absicht, sie zu töten.

Der Angeklagte hatte damals selbst den Notruf gewählt. Gegenüber der Polizei gab er an, dass sich versehentlich beim Reinigen der Waffe ein Schuss gelöst habe. Diese Version ist nach Ansicht des Gerichts aber nicht haltbar, weil die Pistole drei Sicherungsmechanismen hat.  pid

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