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KZ-Gedenkstättenleiter Dietmar Sedlaczek geht in den Ruhestand

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Von: Rosemarie Gerhardy

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Nur noch bis Mai im Dienst: Dietmar Sedlaczek, Gedenkstättenleiter.
Nur noch bis Mai im Dienst: Dietmar Sedlaczek, Gedenkstättenleiter, vor Fotos von ehemaligen Moringer KZ-Häftlingen. © Rosemarie Gerhardy

Der Leiter der Moringer KZ-Gedenkstätte, Dr. Dietmar Sedlaczek, wird sich im Mai in den Ruhestand verabschieden.

Moringen – Aktuell laufen die Bewerbungsgespräche, um die Nachfolge schon frühzeitig vorzubereiten, berichtet er im Gespräch mit der HNA. Doch bis zu seinem Abschied, mit dann 63 Jahren, gebe es noch sehr viel zu tun, so Sedlaczek.

Da sei zum einen das 30-jährige Bestehen der Gedenkstätte 2023, zum anderen die Errichtung des Moringer Konzentrationslagers 1933. Beide Ereignisse sollen mit Veranstaltungen begleitet werden. So ist eine Wanderausstellung, die in Kooperation mit 17 anderen Gedenkstätten, an Orten wo es frühe KZ gab, erarbeitet worden. Die Ausstellung wird es an allen Orten geben und kann dann auch in der Region verliehen werden, so Sedlaczek. Inhaltlich ginge es unter anderem darum, darauf hinzuweisen wie der Übergang von der Demokratie zur Diktatur erfolgte.

Damit spannt Sedlaczek auch den Bogen zur heutigen Gedenkstättenarbeit. Sie sei ein Ort des Demokratielernens. Es gehe um den Schutz und die Bedeutung der Grund- und Menschenrechte. Basis sei dabei das Lernen am historischen Ort, nicht abstrakt, sondern orientiert an dem Erlebten und den Schicksalen der Häftlinge.

1997 ist Sedlaczek zur Moringer KZ-Gedenkstätte gekommen. Damals für ein Medien-Projekt, in dem es um die Frage ging, ob solche Themen ins Internet dürfen. Es war ein Aufbruch in eine neue Zeit. Heute bietet die Gedenkstätte, deren Leitung Sedlaczek dann 1999 übernahm, nicht nur eine Homepage (gedenkstaette-moringen.de), die 2023 überarbeitet werden und dann auch für Smartphones und Tablets geeignet sein soll, sondern auch einen eigenen Podcast an. Dieser komme sehr gut an, so Sedlaczek, da hier auch immer ein Bezug von der Geschichte zur Gegenwart hergestellt werde.

Auch sonst habe sich das Angebot der Gedenkstätte über die Jahre gewandelt. Anfangs wurden Führungen gemacht, heute biete man ausgeklügelte pädagogische Angebote, darunter Führungen, aber auch Workshops, Theaterstücke und Projekttage an. Dabei orientiere sich die Gedenkstätte in der Zusammenarbeit mit Schulen auch an den Lehrplänen. Zudem wolle man verstärkt auch berufsbezogene Angebote unter dem Aspekt Demokratieschutz anbieten. Außerdem arbeite man mit kulturellen Partnern wie den „stillen hunden“ zusammen. Kooperationen pflege die Gedenkstätte mit der Uni Hildesheim und der Uni Weingarten.

Doch die KZ-Gedenkstätte habe noch weitere Aufgaben, so befasse sie sich nach wie vor mit der Schicksalsklärung. Das Interesse sei auch bei der zweiten und dritten Generation noch vorhanden, berichtet Sedlaczek. Einige wollten der Gedenkstätte auch Dokumente oder Kunstwerke von ehemaligen Häftlingen anvertrauen. „Leider fehlt uns dafür Ausstellungsfläche“, bedauert der Gedenkstättenleiter. Mehr Platz, mehr Personal und eine bessere finanzielle Ausstattung würde er sich für die Arbeit wünschen. Ideen hätten er und sein Team genug.

Eine weitere umfassende Aufgabe ist die Digitalisierung des Archivs, eine Mammutaufgabe, mit der man bereits 2010 angefangen habe.

Anfangs sei die Arbeit auch von den Treffen mit den ehemaligen Häftlingen geprägt gewesen. Rund 50 Personen haben daran zum Teil teilgenommen. „Es war nicht leicht, zu erleben, wie der Kreis immer kleiner wurde. Heute lebt nur noch ein Zeitzeuge“, so Sedlaczek. Ein Trost sei, dass er das Thema bei den Jüngeren gut aufgehoben sehe. Sowohl bei den ehrenamtlichen Guides als auch beim Vorstand der Lagergemeinschaft, die Träger der Gedenkstätte ist, würden sich junge engagierte Leute einbringen. (Rosemarie Gerhardy)

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