Erinnerung an Aufforstung und Messpunkt von Gauss

Denkmalen auf der Weper droht der Verfall

Verkommt: das Denkmal zur Erinnerung an die Weperaufforstung. Barbara Schweikle und Rainald Wegner haben es entdeckt. Foto: Niesen

Moringen. Das in der Öffentlichkeit weitgehend in Vergessenheit geratene Denkmal zur Erinnerung an die Aufforstung der Weper droht vom Erdboden zu verschwinden.

Um es zu retten, haben sich die beiden Moringer Heimatforscher Barbara Schweikle und Rainald Wegner jetzt mit einem Hilferufe an den Landkreis Northeim, die Niedersächsischen Landesforsten und die Stadt Moringen gewendet.

Bei dem Denkmal handelt es sich um den Bennigsenplatz, der im Wald oberhalb von Lutterhausen und Blankenhagen liegt. Er erinnert an die Leistungen von Rudolf von Bennigsen (1824 - 1902) zur Wiederbewaldung der Weper, die zuvor unter anderem wegen ihrer Nutzung als Viehweide völlig kahl war.

Die Weperaufforstung geht nach Darstellung der beiden Historiker auf den Beschluss des Hannoverschen Provinziallandtag aus dem Jahr 1875 zurück.

Heute ist der Platz bei einem flüchtigen Blick kaum noch zu erkennen. Doch wer genauer hinschaut sieht ein Rondell. „Der Platz ist aufgeschüttet und mit Eichen eingefasst, von denen allerdings längst nicht mehr alle stehen“, erklären die beiden. In der Mitte stand ein Sandstein mit der Inschrift „Bennigsenplatz 13. VIII. 85“. Auf der Rückseite steht „Aufl. 1881“. Weil der Stein frische Beschädigungen aufweist, haben ihn Schweikle und Wegener an einen Baum gelegt.

Mutmaßlich ist heute ein Jäger der einzige regelmäßige Besucher des Platzes. Er benutzt ihn zum Anlocken von Wildschweinen mit Hilfe eines kleinen, durchlöcherten und mit Mais gefüllten Bierfasses. Der zuständige Revierförster Ralf Sepan, der auf diese Geschichte von den Heimatforschern aufmerksam gemacht wurde, kündigte an, sich des Problems anzunehmen.

Das Denkmal ist in den amtlichen Karten des Landesamtes für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) verzeichnet.

Ebenfalls vom Verfall bedroht ist ein nicht weit vom Bennigsenplatz entfernt auf dem Weperkamm stehender, 1,30 Meter hoher Vermessungstisch aus dem Jahr 1836, auf dem allerdings die Peilstange fehlt. Geocacher nutzten ihn als Ziel für ihre Touren. Ein paar Centstücke liegen in einer Mulde, die mit Kalksteinen abgedeckt ist.

Um dieses Kleinod zu erhalten, haben die Heimatforscher einen weiteren Hilferuf an die Gauss-Gesellschaft in Göttingen geschickt. Denn dieser Punkt wurde vermutlich im Auftrag des großen Göttinger Mathematikers und Landesvermessers Carl Friedrich Gauß für die Vermessung des Königreichs Hannover eingerichtet.

Nach Darstellung von Schweikle und Wegner handelt es sich dabei um einen der ganz wenigen Messpunkte im Land überhaupt, der in dieser Form als Halterung eines Peilstabes zur sogenannten „Triangulierung“ erhalten ist. Er trägt die Inschrift „Königl. Landes Vermessg Hannov. 1836“.

Zeugnis davon legt unter anderem auch der alte Zehn-Mark-Schein ab, der mit einer Abbildung von Gauß und seinem Verfahren zur Landvermessung geschmückt ist.

Nach Auffassung der beiden ist in diesem Fall „dringlichster Handlungsbedarf“ gegeben, zumal auf dem gesamten südlichen Weper-Abschnitt Forstarbeiten unter Einsatz von Harvestern und schwerem Gerät vorgenommen werden. Dabei seien schon diverse Grenzsteine, die den gesamten Weperkamm begleiten, beschädigt und ausgebrochen worden.

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