Kreisabfallwirtschaft und Abfallzweckverband weisen Vorwürfe zurück

BUND sieht illegale Giftmüllentsorgung auf Deponie Blankenhagen

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Die Mülldeponie Blankenhagen.

Auf der Deponie Blankenhagen wird nach Ansicht des BUND-Kreisverbandes Northeim Material mit unzulässig hohen Konzentrationen von Giftstoffen wie Dioxinen und Furanen abgelagert.

Im Umfeld von Blankenhagen haben laut BUND die Vorbereitungen zur Gründung einer Bürgerinitiative gegen die „skandalösen Zustände“ begonnen.

Das geht aus einem offenen Brief hervor, den der BUND unter anderem an die Geschäftsführung des Abfallzweckverbandes Südniedersachsen (AS) und die Northeimer Landrätin Astrid Klinkert-Kittel geschickt hat – und der der HNA vorliegt.

Der AS und der Landkreis Northeim haben die Vorwürfe ebenso entschieden zurückgewiesen wie die Firma B+T, aus deren Heizkraftwerk in Witzenhausen die Giftstoffe stammen sollen.

Laut BUND handelt es sich bei dem kontaminierten Material um Aschen und Stäube aus dem Heizkraftwerk. Dorthin lässt der AS die Stoffe aus der Mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage aus Deiderode (Landkreis Göttingen), die nicht vergärt werden können, verbrennen.

„Verdünnung macht Dioxine, Furane und andere teilweise krebserregende Stoffe nicht ungiftig“, betont der BUND. Er vermutet, dass die Aschen mit Rottematerial aus der MBA versetzt werden, um durch die Vermischung die Schadstoffbelastung zu reduzieren. 

„Wir müssen dem Gewerbeaufsichtsamt regelmäßig Analyseberichte schicken“, betont AS-Geschäftsführer Markus Rybarczyk. Ergebnis der Analyse sei, die Aschen aus Witzenhausen könne problemlos in Blankenhagen abgelagert werden. Filterstäube, die höher belastet seien, würden von B+T nicht an den AS geliefert.

Zwar werde Rottematerial aus der Anlage in Deiderode mit den Aschen aus Witzenhausen vermischt, aber beide Stoffe hielten bereits vor der Vermischung jeweils für sich die Grenzwerte ein, betont er. Auch B+T-Geschäftsführer Dirk Naumann verweist auf HNA-Anfrage auf permanente Kontrollen, die belegten, dass die Aschen aus Witzenhausen die Grenzwerte einhalten.

Michael Rybarczyk, Geschäftsführer des Abfallzweckverbands

Dass die Aschen aus Witzenhausen und Rottematerial aus der Mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) in Deiderode miteinander vermengt werden, hat nach Auskunft des Abfallzweckverbandes und des Landkreises Northeim vor allem einen praktischen Grund: „Die Aschen werden zur mechanischen Stabilisierung der Gärreste aus der biologischen Behandlung genutzt und anschließend auf der Hausmülldeponie Blankenhagen abgelagert“, erklärt der Northeimer Landkreis-Pressesprecher Dirk Niemeyer. 

Zur Stabilisierung des Rottematerials aus der MBA werden nach seinen Worten nur Aschen eingesetzt, die als ungefährliche Abfälle eingestuft sind und auch jeweils allein – ohne Vermischung – die Zuordnungskriterien der Deponieverordnung einhalten und deshalb auch unvermischt in Blankenhagen deponiert werden dürften. 

Das noch sehr feuchte Material aus der Vergärung in Deiderode werde mit der Asche aus Witzenhausen vermengt, um ihm für den Einbau in der Deponie die notwendige Stabilität zu geben, erläuterte Niemeyer. Damit werde in Deiderode eine aufwendige Trocknung des Materials gespart. 

Das Material, das in Witzenhausen verbrannt wird, stammt nach Angaben von Markus Rybarczyk, dem Geschäftsführer des Abfallzweckverbandes Südniedersachsen (AS), aus ähnlichen Anlagen wie der in Deiderode. Es handele sich bei dem im Fachjargon „heizwertreiche Fraktion“ genannten Material um Hausmüll, aus dem der biologische Anteil (Küchenabfälle) und Metalle aussortiert worden sind. Verbrannt werden somit in Witzenhausen vornehmlich Kunststoffe und Holz. 

Die Asche, die nach Deiderode zurückgeliefert wird, entspricht in der Menge der Asche, die bei der Verbrennung des nach Witzenhausen gelieferten Materials anfällt. „Es handelt sich bei den Aschen um ungefährliche Abfälle“, betont Rybarczyk. Sie setze sich aus Kesselasche und Kesselstaub zusammen. Das Regierungspräsidium in Kassel, die Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde für die Anlage in Witzenhausen haben das Material als nicht gefährlich eingestuft. 

Aus den in Deiderode angelieferten Aschen würden vor der Vermischung mit dem Rottematerial regelmäßig Proben gezogen. Der Grenzwert für Dioxine und Furane bei der Ablagerung auf der Deponie Blankenhagen liegt nach den Worten des AS-Geschäftsführers bei 10 000 Nanogramm/Kilogramm (kg) Trockensubstanz. Die Probenergebnisse lägen bei einem Nanogramm/kg Trockensubstanz. Ein Nanogramm ist ein millionstel Gramm

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