Mit selbstgebautem Wurfanker

Flucht übers Dach: Patient türmt aus Maßregelvollzugszentrum

Moringen. Ein Patient aus dem Maßregelvollzugszentrum in Moringen (MRVZN) ist auf der Flucht. Wie das Sozialministerium in Hannover am Mittwoch bekannt gab, ist der wegen Drogenabhängigkeit im MRVZN untergebrachte Straftäter Chamil Gasanaliev bereits in der Nacht zum Samstag geflüchtet.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Einrichtung gelang dem 30-Jährigen aus dem Innenhof der Station mit Hilfe eines aus Gartengeräten selbst gefertigten Wurfankers und eines Seils aus Bettlaken die Flucht über eine Dachfläche. Der sportliche, seit dem 27. September in Moringen untergebrachte tschetschenische Staatsbürger könnte laut Sozialministerium schließlich durch einen gewagten Sprung an eine Laterne in Freiheit gelangt sein.

Aktualisiert um 15.55 Uhr

Der Mann ist 2011 vom Landgericht Hildesheim wegen erpresserischen Menschenraubes, gefährlicher Körperverletzung und schweren Raubes zu einer Haftstrafe von acht Jahren sowie zur Unterbringung in einer Entzugsklinik verurteilt worden, teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim, Christina Pannek, auf Anfrage mit. Laut Polizei gilt er als gewaltbereit und gefährlich. Im Vorfeld war in der letzten Anhörung vor der Strafvollstreckungskammer bekannt geworden, dass das Ausländeramt eine Ausweisung erwägt – die Staatsanwaltschaft Hildesheim hatte ihre erteilten Zustimmungen zu Vollzugslockerungen daraufhin zurückgezogen. Zusätzliche Sicherungen Das Ministerium in Hannover kündigte eine zusätzliche Sicherung des Innenhofs beziehungsweise der betreffenden Dachflächen an. Ferner wurde die unbeschränkte Nutzung des Innenhofs der Station durch die Patienten untersagt. Außerdem sollen Form und Umfang der Anwesenheitskontrollen im MRVZN unter Berücksichtigung dieser Flucht optimiert werden.

Das Sozialministerium hat es verteidigt, dass die Öffentlichkeit erst am Mittwoch informiert worden ist. Da war der gefährliche Straftäter schon rund vier Tage auf der Flucht aus dem Maßregelvollzugszentrum in Moringen. Nach den Worten des Ministeriumssprechers Uwe Hildebrandt ist es das übliche Verfahren, die Fahndung nach einem entwichenen Patienten zunächst ohne Beteiligung der Öffentlichkeit zu betreiben. Die meisten Fluchten seien nach wenigen Tagen beendet, entweder weil die Patienten von selbst zurückkämen oder weil sie von der Polizei gefasst werden. Eine öffentliche Suche würde außerdem den Druck auf den psychisch Kranken so stark erhöhen, dass unkalkulierbare Reaktionen die Folgen sein können. Deshalb fahnde die Polizei erst, indem sie an den Orten und bei den Personen suche, zu denen der Flüchtige eine Beziehung habe, erklärte der Ministeriumssprecher. Die Entscheidung, wann die Öffentlichkeit eingeschaltet wird, treffe die Polizei. „Es geht nicht darum, irgendetwas unter den Teppich zu kehren“, betonte Hildebrandt. So seien die Mitglieder des Landtags-Sozialausschusses aus allen Fraktionen bereits am Dienstag über die Flucht informiert worden. Auch das sei das routinemäßige Verfahren. (ows)

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