Motiv war die Versicherungssumme

Landgericht verurteilt 29-jährigen Imbissbetreiber wegen Brandstiftung

Die Statue einer Frau ist vor blauen Himmel zu sehen, sie hält eine Waage in der linken Hand.
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Symbolbild: Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Ein Feuer in einem Döner-Imbiss in Moringen hat jetzt ein strafrechtliches Nachspiel gefunden. Das Landgericht Göttingen verurteilte den einstigen Betreiber des Imbisses zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren.

Göttingen / Moringen - Der 29 Jahre alte Angeklagte habe sich der besonders schweren Brandstiftung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in sechs zusammenhängenden Fällen schuldig gemacht, befanden die Richter.

Die Kammer sah es am Ende des seit Mitte Januar laufenden Prozesses als erwiesen an, dass der Angeklagte Anfang Dezember 2017 die Imbiss-Gaststätte im Zentrum von Moringen absichtlich in Brand gesetzt hat.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren gefordert hatte. Die Verteidigung hatte dagegen nach Angaben eines Gerichtssprechers auf Freispruch plädiert.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem damaligen Imbissbetreiber vorgeworfen, dass er die Versicherungssumme aus einer rund zwei Monate zuvor abgeschlossenen Geschäftsinventarversicherung habe abkassieren wollen. Den Ermittlungen zufolge hatte der Angeklagte den Imbiss in Moringen seit Oktober 2017 betrieben.

Damals hatte er ein Gewerbe für eine „Schankwirtschaft mit imbissartigen Speisen“ angemeldet. Wenige Tage zuvor schloss er eine Geschäftsinventarversicherung mit einer Deckungssumme von bis zu 75 000 Euro ab. Der Angeklagte habe die Brandstiftung geplant, um diese Summe unberechtigt erhalten zu können.

In der Tatnacht habe er an mehreren Stellen in seinem im Erdgeschoss befindlichen Imbiss Benzin auf dem Boden ausgeschüttet und angezündet. Anschließend habe er die Tür verschlossen und sei davongerannt. Kurz darauf kam es in dem Imbiss zu einer Explosion.

Durch den Brand wurde die Küche vollständig zerstört, ebenso Teile des Inventars sowie drei Geldspielautomaten. Die Rauchgase zogen auch in die darüber liegenden Wohnungen. Die Bewohner konnten sich zwar ins Freie retten, sechs von ihnen erlitten jedoch Rauchgasvergiftungen und mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Die Wohnungen waren infolge des Brandes unbewohnbar geworden und konnten erst knapp ein Jahr später wieder bezogen werden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war durch die Explosion und das Feuer an dem Wohn- und Geschäftshaus ein Gesamtschaden von 250 000 Euro entstanden.

Die Polizei war anfangs davon ausgegangen, dass der Brand auf einen technischen Defekt oder Fahrlässigkeit im Umgang mit der Gasanlage zurückzuführen war. Drei Monate nach dem Brand erließ das Amtsgericht Northeim aufgrund aktueller Ermittlungsergebnisse Anfang März 2018 einen Haftbefehl gegen den 29-Jährigen.

Weitere drei Monate später wurde dieser außer Vollzug gesetzt und im Februar 2019 dann komplett aufgehoben. Im September 2019 erhob die Staatsanwaltschaft schließlich Anklage gegen den früheren Imbissbetreiber. Bis zum Prozessbeginn dauerte es dann noch einmal knapp eineinhalb Jahre.

Als Entschädigung für die überlange Verfahrensdauer gelten dem nun ergangenen Urteil zufolge drei Monate der verhängten Freiheitsstrafe als verbüßt. (pid)

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