Früher eine Stadt der Mühlen

Freilegen oder nicht: Streit ums Moringer Mühlenwasser

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Scheunenstraße: Hinter dem Brunnen könnte bei der Sanierung ein Stück des unterirdisch verlaufenden Mühlenwassers frei gelegt werden.

Moringen. Mit einer zumindest teilweisen Freilegung des Mühlenwassers bei der Sanierung der Scheunenstraße in Moringen könnte die Stadt an ihre große Vergangenheit der Mühlen erinnern.

„Wir haben hier einen großen Schatz. Moringen war eine Stadt der Mühlen“, macht sich Heinz Rümenapp für diesen Plan stark.

Der 76 Jahre alte frühere Lehrer besitzt an der Scheunenstraße ein Mietshaus, dass er nach der Ankündigung der Stadt, die Scheunenstraße als zweite nach der Wasserstraße zu erneuern, sanieren ließ. Doch in der Prioritätenliste der Altstadtsanierung fiel die Scheunenstraße von der zweiten auf die letzte Stelle.

Nach Jahren soll das Projekt jetzt endlich angepackt werden, doch die Meinungen über eine Freilegung sind geteilt. Bei der jüngsten Anliegerversammlung in der vergangenen Woche endete eine Abstimmung mit einem Patt.

„Wir hatten 10:10 Stimmen“, sagte Bauamtsleiter Claus Stumpe. Bei einer früheren Abstimmung hatte es eine 11:9 Mehrheit für eine Beibehaltung der Deckelung gegeben.

Stumpe persönlich würde eine teilweise Öffnung des Mühlenwassers bevorzugen. Sie sei ohne große Folgenkosten möglich und würde an die Vergangenheit Moringens als Mühlenstadt erinnern.

Mühlen prägten die Stadt

Der frühere Lehrer und Stadtgeschichtler Wilfried Hartje zählt in seinem Internetauftritt gleich sechs Mühlen auf, die einmal prägend für die Stadt waren. Das sind die Opferteichsmühle, die Oberdorfer Gutsmühle, die Brauhausmühle, die Mühle an der Wasserstraße, die Mühle an der Grabengasse und die Deichwallsmühle. Vor den Toren der Stadt liegt zu dem noch die Stennebergsmühle.

Viel ist davon im Stadtbild nicht mehr zu sehen. Neben dem abrissreifen Ratskeller plätschert zwar noch munter das Mühlenwasser, verschwindet aber gurgelnd unter der Langen Straße und der weiterführenden Scheunenstraße.

Der Heimatverein, so Stumpe, hatte in den 1990er-Jahren sogar schon einmal vorgeschlagen, nicht nur das Mühlenwasser zu öffnen, sondern dort ein Mühlrad zu errichten, um an die große Tradition der Mühlen in Moringen sichtbar zu erinnern.

Von den Kritikern wird angeführt, dass das Mühlenwasser im Falle seiner Offenlegung zu einem Dreckloch werden könnte. Außerdem wird kritisiert, dass die teilweise Offenlegung einen Mehraufwand von rund 10 000 Euro erfordere. Eine Summe, den die hoch verschuldete Stadt einsparen könne. Die Gesamtkosten der Straßensanierung werden auf rund 560 000 bis 600 000 Euro geschätzt.

In der Bauausschusssitzung am Donnerstag, 1. April, um 18.30 Uhr im Rathaus wird das Thema erneut auf der Tagesordnung stehen. Das letzte Wort hat anschließend der Verwaltungsausschuss bei der Auftragsvergabe, sagte Bauamtsleiter Stumpe. (zhp)

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