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Für einen Tag in Moringen Kinder an der Macht

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Von: Roland Schrader

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Mädchen und Jungen als Mitglieder eines Kinderparlaments bei der Abstimmung in der Moringer Stadthalle
Angenommen: Mit überwiegender Mehrheit stimmten die Kinderratsmitglieder in der Stadthalle Moringen für den Antrag. Moringens Bürgermeisterin Heike Müller-Otte (rechts) leitete die Sitzung als Ratsvorsitzende. © Roland Schrader

Löwenzahnschüler in Moringen lösten den Stadtrat für einen Tag ab

Moringen – Hoch her ging es diese Woche in der Moringer Stadthalle. Sechs Fraktionen diskutierten lebhaft und kontrovers über Anträge der Sitzung. Die anwesenden Stadtratsmitglieder saßen dieses Mal im Publikum, denn es tagte der Kinderrat.

Zwei Tage lang hatten die Viertklässler der Löwenzahn-Grundschule Demokratie auf ihrem Stundenplan. Aufgeteilt in sechs Fraktionen sprachen sie über Wünsche und formulierten jeweils einen Wunsch als Antrag für die Sitzung am Folgetag. Hilfe erhielten sie durch Mitarbeiter des Vereins „Politik zum Anfassen“ und richtigen Stadtratsmitgliedern. „Das Projekt soll Lust auf Demokratie vermitteln“, sagte Projektleiterin Natalie Nekolla. Der Verein wurde 2006 von Monika und Gregor Dehmel gegründet.

Die langjährige Ortsbürgermeisterin von Altwarmbüchen und der damalige Ratsherr der Landeshauptstadt Hannover wollen Kinder und Jugendlichen Demokratie vermitteln. „Das ist eine gute Idee, denn Kinderrechte sollen ja ins Grundgesetz aufgenommen werden“, meint Gerhard Renziehausen vom Förderprogramm „Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Northeim“, das das Projekt mithilfe von Bundesmitteln unterstützt habe. Er hoffe, dass dieses Leuchtturmprojekt Vorbild für andere Gemeinden ist.

„Das ist Demokratie - Mitverantwortung für andere zu übernehmen und wahrgenommen zu werden“, freute sich Schulleiterin Barbara Ahlf-Dörnte.

Ein wenig aufgeregt war auch Bürgermeisterin Heike Müller-Otto, die in dieser Sitzung nicht als Vertreterin der Verwaltung, sondern als Ratsvorsitzende souverän fungierte. Gleich der erste Antrag der Fraktion „Die wilden Füchse“, die in der Stadt kostenlose Wasserspender installieren will, wurde mit überwältigender Mehrheit (37 Ja-Stimmen bei 2 Enthaltungen) angenommen. Der erste Wasserspender sollte in der Grundschule aufgestellt werden.

Mehr Blumen und Bäume in Parks und Grünstreifen sollten gepflanzt und dadurch die Stadt Insekten freundlicher machen, beantragte die Fraktion „Die kleinen Politiker“ und erntete 36 Ja-Stimmen bei 5 Enthaltungen. Der Antrag der Fraktion „Die Bunten“, einen Abenteuerspielplatz in Moringen zu schaffen, wurde mit 39-Ja-Stimmen bei 3 Enthaltungen angenommen. Allerdings änderte die Fraktion im Laufe der Diskussion ihren Ursprungsantrag, den Abenteuerspielplatz auf dem „Pilzspielplatz“ zu installieren. Stattdessen soll der neue Abenteuerspielplatz im Oberdorf geschaffen und der „Pilzspielplatz“ renoviert werden.

Einen ähnlichen Antrag formulierte die Fraktion „Die wilden Kaninchen“, die zur Freizeitgestaltung einen Kletterpark oder einen Baumspielplatz wünschten. Nach der Diskussion über Kosten, Nutzen und Umweltverträglichkeit stimmten 23 Kinder dafür und 17 dagegen bei einer Enthaltung. Kontrovers diskutiert wurde der Antrag „Essen für alle“ der Fraktion „Die Politiker“ über die Schaffung eines Kiosks oder einer Cafeteria. Mehrere Schüler kritisierten, dass es vielleicht auch Ungesundes (Süßigkeiten) zu kaufen gibt und es außerdem Geld kosten könnte. Getreideprodukte wie Brötchen gehören auch zu einem gesunden Essen, meinte ein Junge der Gruppe. Und außerdem sollten Lehrer und Eltern ehrenamtlich für den Verkauf sorgen. Schließlich votierte eine Mehrheit von 21 Kinderratsmitgliedern für und 15 gegen den Antrag.

Die Idee, ,einen Skaterpark in Fredelsloh oder Moringen zu errichten, wie es die Fraktion „Team Politiker“ wünschte, fand nur 7 Befürworter bei 33 Nein-Stimmen. Zwar wurde anerkannt, dass der nächste große Skaterplatz in Göttingen wegen der Bombenräumung seit Langem gesperrt ist. Manche fänden es eine coole Idee, einen solchen Platz in Fredelsloh oder Moringen zu errichten. Einige meinten aber, dass nicht jedes Kind den Platz nutzen wolle und andere gingen von hohen Kosten aus.

Am Ende war die Bürgermeisterin vom Engagement der Schüler und dem disziplinierten Verlauf der Sitzung beeindruckt. Sie lud eine Abordnung des Kinderrats dazu ein, bei der nächsten Moringer Stadtratsitzung ihre Anträge vorzustellen.

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