Vor Schlachtung bewahrt

Gnadenbrot für blinde Kuh: Lebenshof in Oldenrode bietet Tieren ein Zuhause

Oldenrode. 75 Schweine, Rinder und Schafe leben auf dem Hof „Wilde Hilde" in Oldenrode. Gäbe es den Hof und den Verein White Paw nicht, wäre wohl keins der Tiere mehr am Leben.

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, ehemalige Nutztiere vor der Schlachtung zu bewahren. Jetzt braucht der Verein mit Sitz in Witzenhausen jedoch selbst dringend Hilfe, sonst verlieren alle Tiere ihr Zuhause.

Vor eineinhalb Jahren hat der Verein den Hof in Oldenrode bei Moringen gepachtet. „Jetzt will die Eigentümerin den Hof verkaufen“, erklärt Gründerin Melanie Vogelei. Die Tierpension aufzulösen, war für die Tierschützerin jedoch keine Option. „Also haben wir beschlossen, den Hof zu kaufen.“ 160.000 Euro müssen dafür über einen Zeitraum von mehreren Jahren aufgebracht werden, zusätzlich zu den laufenden Kosten von 5500 Euro pro Monat. Dafür ist der Verein auf Spenden angewiesen.

Fühlen sich sichtbar wohl: Sechs ehemalige Mastschweine haben auf dem Lebenshof „Wilde Hilde“ ein neues Zuhause gefunden. Neben einem Stall gibt es für sie einen Außenbereich mit Suhle.

Jedes Tier, das auf dem Hof in Oldenrode lebt, könnte eine eigene Geschichte erzählen. Da wäre zum Beispiel Esmeralda, ein behindertes Schaf, das nur ein Auge hat und den Kopf schief hält. „Niemand hat es übers Herz gebracht, sie zu schlachten“, sagt Vogelei. Seit einem Jahr hüpft das Tier nun putzmunter auf einer Wiese im Ort umher - und wird gemeinsam mit der neunköpfigen Schafherde als natürlicher „Rasenmäher“ an Landwirte in der Gegend verliehen.

Ein anderes Beispiel ist Kuh Rani. Die Rotbunte ist blind und sollte geschlachtet werden, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt trächtig war. „Wir haben sie nach Verhandlungen mit dem Besitzer von einem Betrieb aus Nordrhein-Westfalen geholt“, sagt Vogelei. Jetzt genießt die Kuh ihren Lebensabend gemeinsam mit ihrem Kalb auf einer Weide im Weperdorf.

Vor sieben Jahren hat Melanie Vogelei den Tierschutzverein gegründet, weil sie „vor Ort etwas verändern wollte“. Inzwischen zählt White Paw etwa 40 Mitglieder. „Wir haben zwar auch Partnertierheime in Polen und der Ukraine, der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt aber hier in der Region“, sagt die 42-Jährige.

Sie ist wie viele andere Mitglieder überzeugte Veganerin, will andere Menschen aber nicht zu dieser Lebensform bekehren. „Uns ist Aufklärung wichtiger“, sagt sie. So könne sie sich für die Zukunft zum Beispiel Projekte mit Schulen vorstellen, um Kindern die Lebensweise der Tiere näherzubringen.

In den nächsten Monaten stehen zunächst jedoch der Erwerb des Hofes und diverse Renovierungsarbeiten an. Das dazugehörige Haus mit drei Wohnungen will der Verein herrichten und vermieten. Etwa acht Vereinsmitglieder kümmern sich derzeit ehrenamtlich um die Tiere. Spenden - ob Geld, Equipment oder Futter - sind jederzeit willkommen.

Hintergrund: Der Verein White Paw Organisation e.V. 

Auf einem Auge blind und trotzdem putzmunter: Schaf Esmeralda lebt mit ihrer Herde auf einer Wiese mitten im Dorf.

Der Verein White Paw (dt. weiße Tatze) wurde vor sieben Jahren zu Tierschutzzwecken von Melanie Vogelei und ihrem Mann Lars gegründet. Er ist als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt und finanziert sich vollständig aus Spenden. Alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Neben Geldspenden sind auch Sachspenden für den Lebenshof "Wilde Hilde" in Oldenrode willkommen. Gesucht werden zum Beispiel Weidezelte, Futterraufen oder Zaunmaterialien. Futterspenden werden ebenfalls angenommen. Für die Tiere können Patenschaften übernommen werden. Besucherführungen sind auf Anfrage möglich. Kontaktdaten und den Link zur Spendenseite gibt es im Internet unter www.white-paw.de.

Spendenkonto: White Paw Organisation e.V., Kasseler Sparkasse, IBAN DE96 5205 0353 0001 1561 99, BIC HELADEF1KAS

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