Hähnchenmast-Gestank belastet Anwohner in Moringen

Klagt darüber, dass die hinter ihrem Garten liegende Biogasanlage und die beiden Hähnchenmast-ställe ihrer Gesundheit schaden: Susanne Angerstein hat bei der Staatsanwaltschaft gegen die Betreiber Anzeige wegen Luftverunreinigungen erstattet. Foto: Niesen

Moringen. Der Betreiber zweier Hähnchenmastställe in Moringen plant offenbar weitere Anlagen. Schon jetzt sorgen sich Anwohner um ihre Gesundheit.

Das Moringer Ehepaar Susanne und Andreas Angerstein hat bei der Staatsanwaltschaft Göttingen gegen die Betreiber der Biogasanlage und die beiden Hähnchenmastanlagen auf der Weper Anzeige wegen Luftverunreinigungen erstattet. Zwei weitere Mastanlagen sollen auf der Nordseite der Kreisstraße nach Nienhagen gebaut werden, bestätigte Moringens Bürgermeisterin Heike Müller-Otte auf Nachfrage.

In der Einwohnerfragestunde des Moringer Stadtrates in der Stadthalle sagte die 47-jährige Susanne Angerstein als Anwohnerin der Breitesteinstraße weiter, dass der Gestank inzwischen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen in ihrer Familie geführt habe. Sie selbst habe Lungenprobleme und eine chronische Brustentzündung, die sie auf die Emissionen der drei Anlagen zurückführt.

Weiterer Kritikpunkt sei der übermäßige Schwerlastverkehr zu den Anlagen mit weit über 50 Fahrten täglich auf Straßen und Wegen, die dafür nicht ausgelegt seien.

Die Staatsanwaltschaft hat die Familie eingeschaltet, weil der Landkreis Northeim als Aufsichtsbehörde den Mängeln ihrer Auffassung nach nicht nachgehe. Nach einem Störfall in der Biogasanlage im März habe ihr der Landkreis Northeim geschrieben, dass alle Anlagen auf der Weper die Emissionsschutzauflagen und -grenzwerte einhalten würden und der Betrieb ordnungsgemäß erfolge.

Abschließend bot der Landkreis Northeim dem Ehepaar Angerstein an, auf eigene Kosten ein Gegengutachten erstellen zu lassen. Das Schreiben schließt mit dem Satz, den Susanne Angerstein empörend findet: „Bei Nichtbeauftragung eines entsprechenden Gutachtens bitte ich von weiteren Beschwerden abzusehen.“ Unterzeichnet ist das Schreiben vom Ersten Kreisrat Dr. Hartmut Heuer.

Unterdessen habe ihr der Betreiber der Anlage angeboten, so Susanne Angerstein weiter, zu helfen, falls die Familie umziehe.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Suffrian, der wie der gesamte Stadtrat bei der Genehmigung der Anlagen durch den Landkreis keine Einwände erhoben hatte, räumte ein, dass der Gestank der beiden Ställe bei passender Windrichtung selbst am gegenüberliegenden Hagenberg zu riechen sei.

Bewohner des Moringer Oberdorfes beklagen sich, dass beißender Ammoniakgestank besonders stark bei Inversionswetterlagen auftrete, wenn warme Luftschichten über der kalten liegen.

Zu beiden geplanten neuen Ställen nördlich der Straße nach Nienhagen, sagte die Bürgermeisterin, sie sollen weniger als 30.000 Tiere fassen. Damit sei nur ein Bauantrag nötig und keine Genehmigung nach dem Emissionsrecht.

Von Hans-Peter Niesen

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